Header_NL_WB
Liebe/r Leser/in,

der 1. April war nicht nur der Tag für fröhliche Scherze, sondern auch der Beginn des neuen Jagdjahres und damit der Termin, zu dem in Bayern das neue Jagdgesetz in Kraft getreten ist. Das bedeutet als erstes: In sechs Tagen, am 16. April, beginnt heuer die Rehjagd - 14 Tage früher als bisher.

Vor allem in den Bergen, aber sogar im Flachland sind unsere Rehe noch massiv vom Winter beeinträchtigt und gekennzeichnet. Graues, struppiges Fell ist da noch das offensichtlichste Zeichen - im Innern des Organismus laufen die wesentlicheren Prozesse ab. Am wichtigsten sind jetzt grüne, frische Kräuter, wie für uns Menschen auch.

Wer jetzt im April den Fehler macht, Jagddruck aufs Rehwild auszuüben, kann die Auswirkungen später am Waldbild ablesen, denn die fehlenden Vitamine müssen dann aus frischen Knospen geholt werden. Zudem sind alle Argumente der Befürworter (höhere Strecke, mehr Geißen im Abschuss, geringerer Zuwachs) durch wissenschaftliche Vergleichsstudien längst als Märchen entlarvt worden.

Wir fordern alle waidgerechten, natur-, tier- und waldfreundlichen Jäger auf, den Finger im April noch gerade zu lassen! Schließlich betont selbst der Jagdminister immer wieder, es sei eine Möglichkeit, aber niemand müsse...

Tipps und Wissen zur Jungwildrettung

Ums Rehwild dreht sich natürlich auch fast alles bei der Jungwildrettung, auf der ja ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt. Deshalb hier nochmal ein ganz aktueller Tipp: Heute abend bietet die Landwirtschaftsverwaltung online einen guten Vortrag zum Thema Kitzrettung, geeignet für alle vom Grundeigentümer bis zum Wildretter! Den Link finden Sie unten in unseren Beiträgen, wir empfehlen sehr, ihn weiterzugeben, sich dort einzuloggen, zuzuhören und mit zu diskutieren.

Ganz praktisch haben wir beim Thema Kitzrettung gerade eine wunderbare Unterstützung erfahren: Die Tierschutzinitiative Haßberge hat uns einen ganzen Schwung Material zur Verfügung gestellt. Wir freuen uns riesig, damit mindestens ein weiteres Team zur Wildtierrettung ausstatten zu können! Herzlichsten Dank an Britta Merkel und ihre Mitarbeiter!

Spannend sind die neuesten Ergebnisse aus der Rehkitzmarkierung in der Schweiz. Das dortige Projekt läuft seit über 50 Jahren und birgt einen Datenschatz, der Forschern immer wieder neue Erkenntnisse möglich macht - lesen Sie selbst!

Spannende Wildtier-News aus der Schweiz

Aus der Schweiz kamen in den letzten beiden Wochen ohnehin interessante Meldungen - was wohl nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die Wildtierforschung dort teilweise auf deutlich professionellerem Niveau betrieben wird als bei uns in Bayern oder sogar in Deutschland. (Denken Sie nur an unser innig geliebtes Wieselnetz.ch!). Schauen Sie mal auf unseren Blog, was diesmal dabei war.

Unter anderem hat das Naturmuseum Solothurn eine Studie zu Bibern und Biodiversität vorgestellt. Deren Ergebnisse bestätigen - ob man das hören mag oder nicht - wirklich alle Klischees zum Biber als Ökosystemingenieur, bis hin zum Klimaschutz! Dabei basieren die Ergebnisse auf zahlreichen verschiedenen Studien der letzten Jahre, sind also objektiv und fachlich solide.

Passend dazu stellen wir Ihnen die Biber-Praxisfibel aus Niederösterreich vor, erarbeitet von der Bodenkundlichen Universität in Wien. Deren Ansatz: Bibermanagement kann nicht allein aus Abschüssen bestehen. Auf die Frage, was geht denn da sonst noch so, finden Sie hier zahlreiche gute, kreative, für Betroffene langfristige und tragfähige und für die Natur sicher x-fach verträglichere Möglichkeiten. Die Fibel eignet sich übrigens auch für Kommunen und Landschaftsplaner!

Was setzen Sie dem Artensterben entgegen?

Leider gab es vor kurzem auch einen eher erschreckenden Erkenntnismoment - als wir nämlich die Studie zum Massensterben von Süßwassermuscheln gelesen haben und uns fragten, ob das jetzt vielleicht ein Déjà-vu sei, oder ob wir genau diese dramatischen Ergebnisse nicht erst ganz vor kurzem in anderem Zusammenhang gelesen hätten. Hatten wir, ja, denn den Süßwasserfischen geht es ganz genauso dreckig, und die Verluste sind enorm.

Trotz internationaler Abkommen und Bemühungen, wie der EU-Wiederherstellungsverordnung, schreitet das Artensterben offenbar derzeit in einem noch nie gekannten Tempo voran. Wie paralysiert schauen wir zu, wie sich die Knoten des ökologischen Netzes, das uns alle trägt, vor unseren Augen lösen. Sollen wir es einfach hinnehmen, dass immer weniger Igel gefunden werden, immer weniger Kröten wandern, unter unseren Wasseroberflächen die Tiere zu Tausenden verschwinden?

Während zum Beispiel eine neue Studie zeigt, dass Fledermäuse von Windrädern in Agrarlandschaften wie magnetisch angezogen werden und dadurch besonders häufig durch Rotorschlag und Barotrauma sterben, beschneidet das neue Infrastruktur-Zukunftsgesetz die Vorschriften zum Schutz der Natur weiter und weiter. Können wir da tatenlos zusehen?

Unsere Antwort ist klar: Nein, niemals, Wildes Bayern wird alles in seiner Macht Stehende tun, um dem entgegenzuwirken. Und darum bitten wir auch Sie, liebe Mitglieder und Leser! Schauen Sie hin, greifen Sie ein und helfen Sie unserer heimischen Fauna - sei es über die Straße oder mit einem arten- und strukturreichen Garten, sei es durch Zufüttern oder auch mit Pflege, sei es bei ihren täglichen Entscheidungen über Autofahren oder Einkauf, und wenn Sie selbst gar nirgendwo Hand anlegen können, dann unterstützen Sie unsere Arbeit bitte mit einer Spende!

Ermutigende Initiativen und Partner

Bei all dem Bedrückenden, das uns täglich aus der Tierwelt entgegenschaut, ist es für uns als Wildtierschützer immer ein wenig beruhigend, Partner an unserer Seite zu wissen, die sich für das Gleiche einsetzen. Ein Bündnis aus Umweltverbänden hat in einem offenen Brief an die Bundesregierung erneut ein Nachtfahrverbot für Mähroboter gefordert, wie es zuvor schon der Deutsche Städtetag getan hatte. Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Jahr für Beweidung und Hirtentum erklärt und damit viele hilfreiche und gute Impulse gesetzt. Die Deutsche Wildtier Stiftung pflanzt in ihren Wäldern Zitterpappeln, den Baum des Jahres, und hilft damit viel mehr den Schmetterlingen und anderer Waldfauna weiter als dem eigenen Wirtschaftskonto.

Und am ermutigendsten ist es, wenn wir unseren Blick auf Hotspots der Tierwelt richten, und seien sie noch so klein. Der Nationalpark Bayerischer Wald hat an einem senkrecht stehenden Wurzelteller eine Wildtierkamera aufgestellt - und schauen Sie mal, wer es sich da alles gemütlich macht. So einfach kann es sein, Wildtieren mit Struktur im Lebensraum weiterzuhelfen - und uns eine helle Freude beim Zuschauen zu bieten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein konstruktives, kreatives und erholsames Wochenende!

Ihr Team vom Wilden Bayern

HEUTE Online-Vortrag zur wildtierschonenden Mahd und Mähknigge

Aktuelle Infos rund um die Wildtierrettung bei der Mahd für Landwirte bieten das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg-Landshut, die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), das Bayerische Landwirtschaftsministerium (StMELF) und der Bayerische Bauernverband am 10. April ab 20 bis ca. 22 Uhr online. Jeder Interessierte kann sich kostenfrei zuschalten. „Bei der landwirtschaftlichen Nutzung ist es verboten, bei der Mahd auf …

Mehr erfahren
Ein großer Traktor mit breitem Mähwerk mäht eine Wiese

Junge Rotmilane mögen Schlaf-WGs

Im Winter ist es keine Seltenheit mehr, zehn Rotmilane und mehr gleichzeitig über den Äckern kreisen zu sehen. Wie Forscher der Vogelwarte Sempach jetzt herausgefunden haben, übernachten einige dieser Tiere auch bevorzugt in der Gemeinschaft. Das konnten sie anhand der Daten von fast 34 000 Übernachtungen aus sechs Jahren von 216 mit GPS-Sendern ausgerüsteten Rotmilanen erforschen. Am häufigsten übernachteten demnach …

Mehr erfahren
Vor einem hellgrauen Hintergrund kreisen vier braun-weiß-schwarze Greifvögel

Biber - die besten Helfer der Biodiversität

Ein großes braunes Nagetier mit kleinen Augen und kaum wahrnehmbaren Ohren schwimmt im Wasser auf den Betrachter zu.
"Der Biber – ein wirkungsvoller Partner für lebendige Gewässer", lautet der Titel eines Abschlussberichts aus dem Jahr 2025. Was klingt wie aus dem Werbeprospekt einer Umweltorganisation, ist tatsächlich die Zusammenfassung verschiedener Studienergebnisse rund um den Wasserbewohner. Im Jahr 2020 startete die Schweiz ein Forschungsprojekt, um zu untersuchen, wie Biberdämme in der Landschaft wirken und welchen Einfluss sie auf die Schweizer …

Mehr erfahren

Verbändebündnis fordert Nachtfahrverbot für Mähroboter

Ein kleiner Igel streift zwischen Unkraut und Steinen umher
Ein Verbändebündnis aus zwölf Natur-, Arten- und Tierschutzorganisationen hat sich mit einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sowie den Bundesumweltminister Carsten Schneider gewandt. Sie fordern ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter, um Igel vor schweren Verletzungen, Schmerzen und einem leidvollen Tod zu bewahren. Dies hatte kürzlich auch der Deutsche Städtetag gefordert. Wildes Bayern schließt sich den Forderungen rückhaltlos an! „Dass …

Mehr erfahren

Treffpunkt Wurzelteller: Das "Marktcafé" der Waldtiere

Im Nationalpark Bayerischer Wald ist letztes Jahr mal wieder ein Baum umgefallen. Wen das interessiert? Ungefähr die ganze Tierwelt! Das jedenfalls könnte man meinen, wenn man die Fotofallen-Videos anschaut, die die Parkverwaltung dort am aufragenden Wurzelteller aufgenommen hat. Von der Misteldrossel über den Auerhahn bis hin zu Baummarder und Hirschkuh lassen sich die verschiedensten Tiere hier blicken, inspizieren den ungewöhnlichen, …

Mehr erfahren
Nach einem Sturmwurf liegt ein Wurzelteller senkrecht im Wald

...und in wenigen Tagen Jagd?!

Ein Reh liegt im Schnee und schaut den Betrachter an.
Klar, vielerorts scheint momentan die Sonne, und tagsüber ist es schön warm. Aber wer unser Wild beobachtet, der sieht: dickes graues Winterhaar. Die größere Tierwelt hat sich noch längst nicht aufs Frühjahr umgestellt - zu recht, denn die Nächte sind noch eisig, und in den bayerischen Bergen zum Beispiel ist der Winter noch gar nicht richtig weg gewesen, und es …

Mehr erfahren

Riesen Dank an Tierschutzinitiative Hassberge!

Die Kitzrettung von Wildes Bayern hat eine wunderbare Unterstützung erhalten: Wir dürfen als Dauerleihgabe das Kitzrettungsmaterial der Tierschutzinitiative Hassberge nutzen und können damit vermutlich ein weiteres Team ausstatten. Die Übergabe von Drohnen, Keschern und Boxen sowie Zusatzmaterial fand am 1. April bei Erlangen statt. Ein riesiges Dankeschön von Wildes Bayern an die Tierschutzinitiative Hassberge, die übrigens weiterhin in ihrer Region …

Mehr erfahren
Vor einem Kastenwagen mit signalfarbenem Streifen sitzen drei Menschen mit Equipment für die Wildtierrettung

Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Auf trockener, rissiger Erde liegt die Schale einer Flussmuschel.
Ein Spaziergang am Fluss - kaum etwas ist so entspannend. Das Plätschern des Wassers, Libellen über der Oberfläche, vielleicht ein Reiher am Ufer. Was wir dabei nicht sehen: Unter der Wasseroberfläche spielt sich eine ökologische Krise ab, die kaum jemand bemerkt. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung bayerischer Forscher zeigt, dass Massensterben von Süßwassermuscheln in Europa dramatisch zunehmen. Die Forschenden haben …

Mehr erfahren

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Im Jahr 2025 wurden in 15 Kantonen der Schweiz fast 1000 Rehkitze markiert. Besonders viele Markierungen fanden im Kanton Graubünden (369) und Luzern (190) statt. Die Mehrheit der Kitze befand sich in Wiesen (84 %), während der Rest in Wäldern, Feldern oder am Waldrand gefunden wurde. Das erste Rehkitz wurde am 26. April im Kanton Luzern markiert, das letzte am …

Mehr erfahren
Ein Rehkitz liegt eingerollt im Gras

Der stille Kollaps: Was die globale Fischkrise für Bayerns Flüsse bedeutet

Wenn wir an Tierwanderungen denken, stellen wir uns meist Gnus vor, die über die Serengeti donnern, oder Vogelschwärme aus Störchen oder Schwalben, die Kontinente überqueren; selbst an die Wanderungen von Walen in den Ozeanen mögen wir denken. Eher vergessene Wanderrouten liegen jedoch in den Flüssen unserer Erde. Unter der Wasseroberfläche der weltweiten Flüsse spielt sich ein stiller, verzweifelter Kampf ab. …

Mehr erfahren
Ein kleiner Fisch mit langer, flacher Nase liegt auf einer Handfläche

Konflikte kreativ lösen: Die Biber-Praxisfibel

Ein Biber sitzt am Ufer eines Gewässers und beißt Äste
Der Biber ist nach europäischem Naturschutzrecht immer noch streng geschützt (Anhang IV und Anhang II der FFH-Richtlinie), aber er hat sich so stark ausgebreitet, dass Konflikte und daraus folgend auch Entnahmen vielerorts längst an der Tagesordnung sind. Aber ist der Abschuss der einzige Weg, oder geht das auch anders? In Niederösterreich fand vor mehreren Jahren ein Projekt der Bodenkundlichen Universität …

Mehr erfahren

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Windräder haben offenbar eine magische Attraktion auf Fledermäuse in der Paarungszeit - und werden zu hoch effizienten Todesfallen, wenn die Tiere in den Rotorbereich fliegen. Details dazu hat jetzt eine Studie des Museums für Naturkunde in Berlin ergeben.  Fledermausmännchen singen, ähnlich wie Singvögel, um Weibchen anzulocken und Konkurrenten abzuschrecken. Dabei fliegen sie oft um markante Landschaftselemente herum. In homogenen, strukturell …

Mehr erfahren
Abendroter Himmel mit grauen Wolkenfetzen, davor schwebt eine Fledermaus

Internationales Jahr für Beweidung und Hirtentum

Vor einem Himmel mit Abendrot streift ein Wildrind über eine Wiese am Waldrand
Die Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) hat 2026 für sich zu einem Schwerpunktjahr für die Themen Biodiversität – Beweidung – Biotopverbund erklärt. Denn 2026 ist auch das Internationale Jahr der Beweidung und des Hirtentums der Vereinten Nationen! Die ANL schreibt dazu: "Nutztiere prägten über Jahrtausende hinweg bis weit ins 19. Jahrhundert unsere mittel-europäischen Kulturlandschaften. Naturnahe Beweidung, insbesondere mit standortangepassten …

Mehr erfahren

Infrastruktur-Zukunftsgesetz: Die beschleunigte Zerstörung

Deutschland steht unter Druck: Marode Brücken, überlastete Bahnstrecken und sanierungsbedürftige Straßen erfordern schnelles Handeln. Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz will die Bundesregierung Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigen. Die Natur ist dabei wieder mal nur im Weg. Infrastrukturprojekte – vor allem aber nicht nur im Verkehrsbereich – sollen prioritär behandelt und teils als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft werden. Verfahren werden gestrafft, Beteiligungen vereinfacht …

Mehr erfahren
Umstanden von hohen Bäumen, zieht sich eine breite Schottertrasse hin zu einer Großbaustelle