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Samstag, 05. Juli 2025

Scrollicon
Blick von oben auf ein Wasserkraftwerk im Gebirge
05. Juli 2025, 08:08    office@wildes-bayern.de

UPDATE Aufgerieben zwischen Schwall und Sunk


Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat sich in einem Beitrag dem Thema gewidmet: „Wie viel Wasser bleibt der Natur? – Die Suche nach der angemessenen Restwassermenge“, wobei sich die Restwassermenge natürlich auf die Entnahme für Wasserkraftwerke bezieht.

Die Autorin stellt dar, wie es in der Schweiz um die Ökologie der Gewässer bestellt ist: „In der Schweiz sind Wasserlebewesen auf den Roten Listen der bedrohten Arten überrepräsentiert – 65% der Fische und Rundmäuler sowie 47% der Wirbellosen. Anhand dieser Gruppen lässt sich auf einfache Weise der ökologischen Zustand der Gewässer bewerten. Reduzierte Wassermengen verlangsamen beispielsweise Strömungen, verstärken Algenwachstum und führen zu schwankenden Wassertemperaturen, bei denen spezialisierte Arten nicht leben können.“

Eine Ökologin zeigt auf, dass viele Arten zwar mit Störungen, wie Hoch- oder Niedrigwasser zurechtkommen, aber nicht mit kleinsten Restwassermengen oder täglichen starken Schwankungen. Die Artenzusammensetzung an solchen Flüssen hat sich komplett verändert und entspricht nun den Vorkommen auf klassischen Trockenstandorten.

Das Reümee der Studie: Restwasser und Abflussschwankungen von einzelnen Kraftwerken betreffen das Überleben von Arten und Lebensräumen in ganzen Einzugsgebieten, deshalb braucht es Lösungen für gesamte Flusssysteme.

Den Artikel über die Studie zur Restwassermenge findet Ihr hier

 

Meldung vom 1. Mai 2025

Schwall und Sunk hört sich erstmal lustig an, ist für Fische aber manchmal tödlich. Denn Schwall-Sunk bezeichnet die Schwankungen im Wasserstand, denen ein reguliertes Gewässer, mit dem Wasserkraft betrieben wird, oft mehrmals am Tag ausgesetzt ist. Wissenschaftler des Wasserforschungsinstituts Eawag haben jetzt in einer Studie darauf aufmerksam gemacht, dass die Häufigkeit dieser Ereignisse ein wichtiger Faktor ist, der bei den Umweltauswirkungen von Wasserkraft berücksichtigt werden muss.

Dazu schreibt das Wasserforschungsinstitut EAWAG: „Das häufige Ein- und Abschalten der Turbinen führt in den Fliessgewässern unterhalb der Speicherkraftwerke zu ausgeprägten Abflussschwankungen, dem sogenannten Schwall-Sunk. Dieser stellt einen erheblichen Eingriff in das Ökosystem dar: Bei Sunk können ufernahe Lebensräume innerhalb kurzer Zeit trockenfallen, sodass die dort vorkommenden Fische, Wasserinsekten und anderen Gewässerlebewesen stranden und sterben. Bei Schwall wiederum verändert die starke Strömung nicht nur das vielfältige Mosaik an Lebensräumen, sondern reisst zugleich Tiere und Pflanzen mit sich fort. Sowohl die Individuenzahl als auch die Artenvielfalt nehmen drastisch ab.“

Die Forschenden des Eawag haben gemeinsam mit Partnern von der ETH Zürich, dem INRAE in Lyon, der ZHAW und der BOKU Wien untersucht, wie mehrere, dicht aufeinander folgende Schwall-Sunk-Ereignisse die Lebensraumdynamik in Fliessgewässern beeinflussen. Ergebnis: Deren zeitliche und räumliche Verteilung war um das 26- bis 75-fache gegenüber dem natürlichen Abflussregime erhöht. Die ständigen Abflussschwankungen verändern die Verfügbarkeit, Beständigkeit und Vernetzung wichtiger Lebensräume innerhalb eines Fliessgewässerabschnitts, etwa von Laichgruben oder Rückzugsgebieten für Fische und Wasserinsekten. „Ein einzelnes Ereignis kann das Ökosystem meist gut verkraften. Doch die permanente Veränderung der Lebensräume führt zu Stress und erhöht die Mortalität vieler Arten“, so die Wissenschaftler. „Wenn zum Beispiel die Lebensräume von Jungfischen jedoch mehrmals täglich trockenfallen, kann dies den Bestand innerhalb kurzer Zeit erheblich reduzieren. Feldstudien zeigen, dass die Häufigkeit täglicher Schwall-Sunk-Ereignisse einen starken Einfluss auf die Dichte von Jungfischen hat.“

Den vollständigen Bericht über die Studie findet Ihr hier

 




Ludwig Fegg schrieb:


Das war wohl vielen nicht bewußt!
Ein ganz wichtiges Thema.
Die Lebensräume unserer Tierwelt werden überall kleiner und gefährlicher.
Inzwischen gibt es viele Initiativen, Aktivitäten, eben interessierte Menschen die solche Auswirkungen hinterfragen, erkennen und vielleicht sogar bessere Wege zeigen können. Wildes Bayern steht hier in vorderster Linie!
Macht weiter so, zeigt Probleme, zeigt wo immer möglich, bessere Wege.
Zeigt die Lebenskreisläufe! Zeigt, dass Jäger, Fischer, Wald- und Feldbauern, ja alle Naturnutzer, ein Teil des Ganzen sind und gemeinsam gute Wege finden müssen.
Für unsere Tier- und Pflanzenwelt!
Für unsere Lebenswelt!

Antworten
Ludwig Fegg schrieb:


Habe diese Informationen an die Fischereivereine im Landkreis Berchtesgaden weiter geleitet.

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