Blogpost
Montag, 04. Mai 2020

04. Mai 2020, 07:52    Christine Miller

Brachvogel und Co. unter Druck – LBV fordert Jäger zum freiwilligen Verzicht auf die Maibockjagd in Wiesenbrütergebieten auf


Die Pressemeldung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) im Anschluss an diesen Text haben wir zum Anlass genommen die Betriebsleiter der Forstbetriebe am Alpenrand – mit Vorkommen von Hasel-, Auer- und Birkhühnern auf ihren Flächen, zu bitten, auf die Bejagung in sensiblen Flächen bis zum Abschluss der Brutsaison und dem Flügge-Werden der diesjährigen Brut zu verzichten.

Schließlich führt nicht nur in den bekannten Wiesenbrütergebieten der Jagdbetrieb zu einer vermeidbaren und unter Umständen massiven Störung der dort brütenden Vogelarten. Die Flächen des Forstbetriebe von Berchtesgaden bis Sonthofen, und im „Nationalpark Berchtesgaden“ umfassen nicht nur ausgewiesen SPA Gebiete, sondern auch umfangreiche Jagdflächen in den Vorkommensgebieten von geschützten Bodenbrütern. Der Schutz von Raufußhühnern ist ebenso wichtig und notwendig wie der von Wiesenbrüterarten. Auch in den Naturschutzkonzepten der BaySF und der einzelnen Forstbetriebe, ebenso wie im Nationalparkplan wird der Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse von geschützten Rauhfußhuhnarten großer Stellenwert eingeräumt.

Viele der Vorkommen von Hasel-, Auer- und Birkhuhn liegen in Flächen, die in den betriebseigenen Jagdkonzepten der Forstbetriebe als Zone 1 oder Zone 2 ausgewiesen sind. Das bedeutet, dass nicht nur in der Balzzeit die Flächen der Zone 1 (Flächen ohne jegliche Schonzeit) regelmäßig beunruhigt worden sind. Ab 1. Mai begann nun auch in den Zone 2 Gebieten ein intensiver Jagdbetrieb. Vor allem Sammelansitze mit vielen Jägern, die zum Teil auch oft in Begleitung ihrer Hunde sind, führen zu einer massiven und flächenhaften Beunruhigung in den Vorkommensgebieten der geschützten Arten. Auch muss bei Jagdbetrieb immer davon ausgegangen werden, dass unter Umständen auch Nachsuchen durchgeführt werden müssen, möglicherweise muss dabei auch der Hund geschnallt werden. Eine derartige Beunruhigung kann sogar zur kompletten Aufgabe, bzw. Abbruch der Brut führen. Nur durch einen Jagdverzicht in diesen sensiblen Zeiten, kann das sicher verhindert werden.

Wir haben daher die verantwortlichen Herren gebeten, in Ihrem jeweiligen Forstbetrieb, bzw. Park-Forstbetrieb die Jagd in den SPA-Gebieten und in den bekannten Vorkommensgebieten von Rauhfußhühnern  bis Ende Juli (gemäß dem Naturschutzkonzept des Betriebes und der BaySF) einzustellen. Wir würden uns freuen, wenn unserer Bitte, die das Ansuchen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) aufgreift, nachgekommen würde. Dies würde auch zu einem effektiven Arten- und Naturschutz in den bayerischen Staatsforstbetrieben und im „Nationalaprk Berchtesgaden“ führen.

Im Anschluss lesen Sie die Originalmeldung des LBV:

Brachvogel und Co. unter Druck – LBV fordert Jäger zum freiwilligen Verzicht auf die Maibockjagd in Wiesenbrütergebieten auf

Ab dem 1. Mai ist die Jagd auf Rehwild wieder erlaubt. Für viele Jäger ein fester Termin im Kalender, um den Maibock zu schießen. Das Problem: In Gebieten mit Wiesenbrütern kann die Jagd erhebliche Störungen bei den gerade brütenden Vögeln, wie Großer Brachvogel oder Kiebitz verursachen. „Wir fordern die Jäger auf, in sensiblen Wiesenbrütergebieten auf die Maibock-Jagd während der Brutzeit freiwillig zu verzichten, wie es bereits andere Jäger vormachen und den Schutz von Brachvogel, Bekassine oder Kiebitz voranzustellen“, sagt der LBV-Landesfachbeauftrage Dr. Andreas von Lindeiner.

Am 1. Mai beginnt wieder die Jagd auf das Rehwild und zahlreiche bayerische Jäger werden abends auch in Wiesengebieten auf ihren Jagdkanzeln sitzen. Viele sind sich dabei nicht bewusst, dass diese Jagdform zu erheblichen Störungen der gerade brütenden Wiesenvögel führen kann. „Unsere Wiesenbrüterschützer vor Ort berichten beispielsweise aus dem Königsauer Moos bei Dingolfing, den Wiesen südlich des Ammersees, dem Haarmoos bei Laufen sowie den schwäbischen Gebieten Mertinger Höll und Pfäfflinger Wiesen von Jägern, die teils massive Jagdkanzeln mitten in den Brutgebieten der störungsempfindlichen Vögel gebaut haben“, so von Lindeiner.

Die Situation für bodenbrütende Vögel ist höchst alarmierend und hat sich durch die Entwässerung vieler Gebiete und die Trockenheit in den letzten Jahren weiter stark verschlechtert. „Abendliche oder nächtliche Störungen durch die Jagd bedeuten erheblichen Stress und zusätzliche Gefahren für die Vögel und ihren gerade schlüpfenden Nachwuchs“, erklärt der LBV-Landesfachbeauftragte. Das gilt vor allem wenn die geschossenen Rehe mit Fahrzeugen aus den Wiesen geborgen werden. Zum Teil werden die Innereien der erlegten Tiere auch vor Ort liegen gelassen. Das lockt nächtliche Beutegreifer, wie den Rotfuchs, an und stellt eine weitere Gefahr für die jungen Wiesenbrüter dar.

Dabei gibt es auch positive Beispiele. In vielen Gebieten arbeiten Jäger, Landwirtschaft und Naturschutz bereits sehr eng und vertrauensvoll zusammen, um die letzten bayerischen Wiesenbrüter zu schützen. „Viele Jäger in wichtigen Wiesenbrütergebieten, wie beispielsweise dem Wiesmet am Altmühlsee oder in der Regentalaue bei Cham, haben sich vor Ort mit dem Naturschutz auf einen freiwilligen Verzicht der Jagd zu dieser sensiblen Zeit geeinigt und leisten so ihren Beitrag zum Schutz von Brachvogel und Co.“, sagt der LBV-Artenschützer. Der LBV fordert auch andere Jäger mit Revieren in sensiblen Wiesenbrütergebieten auf, dort im Mai auf die Jagd zu verzichten und dem guten Beispiel ihrer Kollegen zu folgen.

Weitere Hintergrundinfos

Wiesenbrüter gehören zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten Bayerns. Von den neun Arten, die zu dieser Vogelgruppe zählen, stehen sieben (Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Rotschenkel, Bekassine, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Grauammer) auf der Roten Liste in der Kategorie 1 „vom Aussterben bedroht“ und zwei (Kiebitz, Wachtelkönig) in der Kategorie 2 „stark gefährdet“. Sie geraten durch verschiedene Faktoren unter Druck.

Insbesondere der Verlust und die Verschlechterung ihres Lebensraumes durch intensive Bewirtschaftung, Entwässerung und Störungen durch menschliche Aktivitäten setzen ihnen schwer zu. In den meisten Gebieten erreichen die charismatischen Arten keinen ausreichenden Bruterfolg mehr. Deshalb müssen alle Gefährdungsfaktoren vermieden werden, die verhindern, ihren Erhaltungszustand wieder zu verbessern.

Quelle: LBV

Bild: (c) Andreas Hartl – LBV (Kiebitz)

Bildquelle: Kiebitz_Altvogel_mit_Jungvogel-Andreas-Hartl_LBV-a3675c10.jpg




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Wildes Bayern Quiz - Jetzt mitraten und gewinnen Wie gut kennen Sie unsere heimische (Wild-)tierwelt? Ab sofort veröffentlichen wir jeden Samstag ein neues Rätsel, bei dem nicht nur…

Sonntag, 27. September 2020
Jetzt lesen
"Wald vor Wild" und der Klimaschutz - Eine Stellungnahme zur Forderung nach noch mehr Rotwildabschuss in Hessen Schalenwild (Huftiere) wie Reh- und Rotwild sind integraler Bestandteil unseres Waldökosystems. Das weiß eigentlich jedes Kind. Auch wenn immer weniger…

Sonntag, 27. September 2020
Jetzt lesen
Update Magazin Quer! "Jetzt ist die Politik am Zug" Immer mehr Bauern und Grundbesitzer lehnen die stete Zunahme der industrialisierten Bewirtschaftung des Waldes ab. Auch im Kaisertal – mitten…

Samstag, 26. September 2020
Jetzt lesen