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Donnerstag, 14. April 2022

14. April 2022, 12:05    Webmaster

Der Alpenschneehase – ein Chamäleon auf großem Fuß


Der Schneehase ist ein bisschen ein Chamäleon – er passt seine Farbe der Umgebung an. Es ist, wie bei vielen nicht wehrhaften Pflanzenfressern, ein Versuch, sich quasi unsichtbar zu machen, damit Fressfeinde ihn gar nicht erst wahrnehmen. Da der Schneehase bei uns in den Alpen ab etwa 1300 Meter vorkommt, ist sein Deckhaar im Sommer grau wie der Stein, im Winter aber weiß wie der Schnee. In milderen Regionen, wo nicht so viel oder so früh Schnee fällt, passt er seinen Haarwechsel an und bleibt gegebenenfalls auch einfach mal grau.

Dass er aber ein Schneehase ist und kein Feldhase, bleibt trotzdem jederzeit erkennbar. Woran?
Die Größe: Schneehasen sind kleiner und deutlich leichter als Feldhasen, sie kommen nur auf etwa 1,5 bis 3 Kilogramm. Ihr Kopf, ihre Ohren, die Beine und auch die Blume sind kürzer, was typisch ist für Arten kalter Lebensräume (so ist der Polarfuchs auch kleiner und hat kürzere Extremitäten als der Rotfuchs). Hier geht es darum, Energie zu sparen und keine Erfrierungen zu riskieren – da baut man lieber ein wenig kompakter. Der Schneehase erinnert insofern ein bisschen an eine Mischform zwischen Hase und Kaninchen. Tatsächlich kann er sich mit Feldhasen paaren. Und übrigens hat er auch die schwarzen, etwas angekokelt wirkenden Ohrenspitzen!

Die Unterfarbe: Bauch und Pfotenunterseiten der Schneehasen bleiben auch im Sommer weiß.

Die Ausrüstung: Um besonders gut auf Schneeflächen laufen zu können,  haben Schneehasen haarigere und auffallend größere Pfoten als Feldhasen. Sie können ihre Zehen bei Bedarf zu „Schneeschuhen“ ausbreiten. Trotzdem kommt es vor, dass ihnen der Schnee mal zu viel, besser gesagt, zu hoch wird. Dann wandern sie im Gebirge in etwas tiefere Lagen ab.

Die Lebensweise: Anders als der Feldhase, der sich mit einer kahlen Sasse im Acker begnügt, nutzen Schneehasen durchaus Höhlen. Sie schmiegen sich unter Wurzelteller oder überhängende Steine, und im Winter unter Schneewächten – oder sie lassen sich ganz einfach einschneien. Sie verschmelzen dabei so vollständig mit ihrer Umwelt, dass sie leicht Opfer von Snowboardern oder Tiefschneeskifahrern werden, wenn die abseits der Piste durch den Wald brettern.

An der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz wird der Schneehase seit über zehn Jahren erforscht. Unter anderem fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Kotkügelchen von wild lebenden Schneehasen in Wintersportgebieten deutlich mehr Stresshormone enthalten als in ungestörten Gebieten wie dem Schweizerischen Nationalpark, der im Winter geschlossen ist. Aber nicht nur Mensch und Raubtier setzen der sensiblen Art zu: Der Klimawandel führt bereits dazu, dass immer mehr Feldhasen in höheren Regionen leben und dort den eiszeitlichen Verwandten Lebensraum und Nahrung streitig machen. Die Prognose der WSL-Forscher sagt außerdem: Der Lebensraum des Schneehasen wird zerstückelt, einzelne Populationsteile werden isoliert. Dann kann es zu Inzucht und Aussterben kommen, was nicht nur für den Schneehasen ein Drama wäre, sondern auch für Uhu, Fuchs und die anderen Arten, die ihn auf ihrer Speisekarte haben. In Bayern fehlen umfangreichere Studien zum Schneehasen. Er gilt hier nicht als bedroht, was aber auch auf einen Mangel an Daten zurückzuführen ist. Auf der bundesweiten Roten Liste steht er als „Extrem selten“.

Was können wir für den Schneehasen tun?

  • seine Lebensräume im Bergwald und oberhalb im Winter nicht betreten
  • keine (Winter-)Sportarten abseits von Wegen und Pisten betreiben
  • möglichst wenig Wintersportarten betreiben, für die unsere Bergregionen mit Liften, Seilbahnen oder Beschneiungsteichen verbaut werden müssen
  • Hunde im Gebirge nicht vom Weg weglassen

 

 

Bildquelle: Wildes Bayern - Tier des Monats - Schneehase (c)Bild: Naturfotografie Hofmann




Ludwig Fegg schrieb:


Der Anblick eines Schneehasen ist immer wieder eine Freude.
Vor Jahren hatte ich mal einen, der beim abendlichen Ansitz fast zur gleichen Zeit immer wieder kam.

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