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Dienstag, 11. Juni 2024

11. Juni 2024, 10:23    office@wildes-bayern.de

Eine schlimme Woche für Rehkitze & Co. – zerschnitten, überfahren, geodelt UPDATE


Am 15.6. läuft die Frist für die KULAP-Maßnahme Extensive Nutzung von Wiesen aus. Es ist zu erwarten, dass dann eine Vielzahl von Landbewirtschaftern sehr kurzfristig mit der Mahd ihrer Wiesen beginnen. Deshalb hat Wildes Bayern sich mit folgender Bitte an den Bayerischen Bauernverband und das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt gewandt:

“Wildes Bayern bittet Sie deshalb dringend, Ihre Mitglieder und Leser daran zu erinnern, rechtzeitig und zuverlässig für die Absuche der Wiesen nach Kitzen und anderen Jungtieren, wie Hasen, Bodenbrütern u. ä. zu sorgen. Einige Kontakte zu bundesweiten Kitzretter-Netzwerken sowie lokalen Akteuren finden Sie auf unserer Homepage unter www.wildes-bayern.de/wildtierhilfe/.

Leider haben unsere Erfahrungen der letzten Wochen gezeigt, dass es immer noch Landwirte und Jagdgenossen gibt, denen ihre Verpflichtung zum Tierschutz bei der Mahd bzw. bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen nicht bewusst zu sein scheint. Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie uns in dem Bemühen unterstützen würden, das zu ändern.”

 

Ursprüngliche Meldung vom 10. Juni 2024

Das war eine schlimme Woche für zahllose Rehkitze in Bayern. Uns boten sich Bilder, die wirklich nichts für schwache Nerven sind, und die uns immer noch in den Knochen sitzen. Abgesehen davon, dass wohl unzählige Jungtiere in den Hochwassergebieten ertrunken sind, wurde andernorts doch Landwirtschaft betrieben wie sonst auch. Im Landkreis Mühldorf mähte ein Landwirt seine Wiese, ohne dass wohl vorher nach Kitzen gesucht worden war – obwohl man ihn auf die Tiere aufmerksam gemacht hatte.

So wie es aussieht, schnitt er dabei einem Kitz alle vier Beine ab. Das Tier wurde später laut schreiend außerhalb der Wiese gefunden und musste vom herbeigerufenen Jagdpächter erlöst werden.  Wildes Bayern hat Anzeige gegen den Landwirt wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet.

Im Landkreis Freising wurde ein Kitz in einer Wiese gefunden, wo das Gras noch hoch stand, die der Bewirtschafter aber komplett abgefahren und mit Gülle bedeckt hatte. Offenbar überfuhr er dabei auch das Kitz – zumindest teilweise – und tötete es oder verletzte es so stark, dass es an den Folgen – mit Gülle getränkt, starb. Das Kitz war wenige Tage zuvor von einer Jägerin beobachtet und gefilmt worden, da war es kerngesund und verhielt sich vorbildlich: Während die Geiß am Abend äste, legte es sich nach fröhlichem Umherspringen in der Mitte der Wiese ab und verhielt sich komplett ruhig. Das wurde ihm kurz darauf zum Verhängnis.

Wir vom Wilden Bayern setzen uns für eine gute Kooperation mit der Landwirtschaft ein, nicht zuletzt bei der Kitzrettung. Aber es darf nicht länger sein, dass einzelne schwarze Schafe sich über Tier- und Naturschutz nach Gutdünken hinweg setzen. Landwirtschaft ist wichtig und gehört in die Mitte der Gesellschaft. Niemand sollte übersehen, dass Landwirte mit ihren großen Maschinen bei Hochwasser und vielen anderen Katastrophen diejenigen sind, die helfen können, wo andere scheitern – und sie tun es auch! Aber die Branche MUSS sich von ihren schwarzen Schafen befreien. Tierschutz und Landwirtschaft muss endlich untrennbar eins werden!

 

Ein totes Kitz liegt in einer Wiese

Das Kitz wurde offenbar beim Odeln getötet

 

 

Bildquelle: privat




Martina Zander schrieb:


Es gibt in und um Freising so viele Rehkitzretter – solche Geschichten sind so traurig und machen gleichzeitig so wütend. Der Jagdverband Freising hat 4 Drohnen, unser Verein Wir retten Rehkitze e.V. , die Münchner Rehkitzrettung hat 5 Drohnen und wir arbeiten mit 9 Drohnen und niemand ruft uns an.
Immer wenn ich mit dem Radl unterwegs bin, verteile ich Flyer, wir haben in allen Freisinger Zeitungen Berichte veröffentlicht, es liefen Berichte im Fernsehen. Es ist so einfach – Einfach unsere Dispo Hotline anrufen oder über unsere Internetseite http://www.wir-retten-Rehkitze.com bei uns melden…
Wir machen das kostenlos und NEIN – die Kitze sind noch nicht groß genug – der Rekord lag letzte Wochen beim Piloten Stefan in Moosburg: 15 Kitze in 3 Stunden gesichert (ohne Fluchtinstinkt).

Antworten
Holly Schels schrieb:


Während der 1. Schnitt heuer relativ glimpflich abgelaufen ist ( es waren nur vereinzelt Kitze in den Flächen) waren nun beim 2. Schnitt sehr viele, auch noch sehr kleine Kitze zu finden. Auch bestätigen die Jäger, dass noch etliche tragende Geißen zu sehen sind.
Klar ist, dass von Ende April bis Ende Juni geflogen werden muss, da sich immer Kitze in den Flächen (auch Zwischenfrüchten) befinden, die noch keine Chance haben, dem Mähwerk zu entrinnen.
In unserem Revier klappt die Absprache mit den Landwirten sehr gut , ich kenne aber natürlich auch die Fälle, in denen eine Drohne da ist und der ein oder andere Landwirt sich eben nicht von sich aus meldet.
In diesen Fällen hilft es manchmal, die Landwirte direkt anzusprechen.
Manchmal sind aber auch noch keine Drohnen im Revier vorhanden.
Unter http://www.deutsche-wildtierrettung.de sind Drohnenteams nach Bundesland und PLZ gelistet.
Diesen Link sollte man auch immer wieder in Artikeln erwähnen.
Weiterhin allen Drohnenpiloten und Teams eine erfolgreiche Saison und ein großes Dankeschön!

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