Blogpost
Mittwoch, 07. Februar 2024

07. Februar 2024, 13:31    office@wildes-bayern.de

Intensive Forschung zu Igeln und Mährobotern


Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) sammelt seit September 2022 über eine geschlossene Facebook-Seite in Zusammenarbeit mit Igel-Auffangstationen Funde von Igeln mit Schnittverletzungen, die auf elektrische Gartenpflegegeräte zurückzuführen sind. Die Fälle häufen sich. Fast die Hälfte der gefundenen und gemeldeten Tiere (47%) überlebten die Verletzung nicht, sondern mussten eingeschläfert werden oder starben während der Pflege.

Die Auswertung der insgesamt 370 deutschlandweit gemeldeten Fälle zeigte, dass oft Mähroboter Ursache der Verletzungen waren. Es zeigte sich ein erhebliches Tierschutzproblem, da mindestens 60 Prozent der Igel mit Schnittverletzungen erst Tage oder in einigen Fällen gar Wochen nach dem Unfall gefunden wurden und daher über einen langen Zeitraum erhebliche Leiden, Schmerzen und Schäden ertragen mussten. Solches Tierleid ist gesetzlich verboten, sofern es Alternativen gibt, die kein Tierleid verursachen.

Entscheidend für die verursachten Verletzungen ist unter anderem, wie die Igel auf die Mähroboter reagieren. In einem Test mit einem Roboter ohne Schneidmesser zeigten die Igel bei Begegnungen sieben verschiedene Verhaltens- und Positionierungsmuster und konnten in „schüchterne“ und „mutige“ Igel klassifiziert werden. Allerdings: Mehrfache Begegnungen mit einem Mähroboter machten auch aus mutigen Igeln eher schüchterne.

Die Erkenntnisse fließen in das Konzept für einen standardisierten Igel-Sicherheitstest für Mähroboter ein. Tierleidfreie Alternativen zum Einsatz aktueller Mähroboter seien technisch umsetzbar, so die Forschenden. Zudem sollten politische Maßnahmen wie ein Nachtbetriebsverbot für die Geräte umgesetzt und mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden – genau das ist jetzt im neuen Tierschutzgesetz in Arbeit.

Der Bestand des Igels – genauer des Braunbrustigels (Erinaceus europaeus), auch Westeuropäischer Igel genannt – ist rückläufig. Im Jahre 2020 wurde der Igel auf die Vorwarnliste der Bundesdeutschen Roten Liste gesetzt. Für das Jahr 2024 wurde der Igel von der Deutschen Wildtier Stiftung zum Wildtier des Jahres gewählt.

Die vollständige Pressemitteilung des IZW findet Ihr hier

Foto: Alexa/Pixabay




Wendt schrieb:


Lediglich ein Nachtfahrverbot für Mähroboter von der Politik zu fordern, bingt dem Igel nicht viel. Denn aufgrund des Insektensterbens gibt es in zunehmenden Maße kranke Igel. Kranke Igel sind häufig tagaktiv. Dadurch laufen sie Gefahr von einem Mähroboter verletzt zu werden, wenn es für diese Geräte lediglich ein Nachtfahrverbot gibt. Hinzu kommt, dass Mähroboter, wenn diese am Tag rumfahren, die Nahrungstiere des Igels töten. Somit schaden die Geräte dem Igel auch dadurch. Anstatt von der Politik ein Komplett-Verbot dieser in höchstem Maße artenschädigenden Geräte zu fordern, testen ein paar Forscher erst noch sinnlos rum. In dieser Zeit, wo diese forschen, werden weitere Igel vermäht. Wieviele tote oder schwer verletzte Igel brauchen die denn noch? Scheinbar haben die Forscher auch noch nie etwas davon gehört, dass motorbetriebene Sensen noch viel mehr Igelopfer fordern als Mähroboter. Denn da Motorsensen billig in der Anschaffung sind, hat diese Geräte fast jeder Haushalt. Ebenso fast jeder Hausmeister und jeder kommunale Bauhofmitarbeiter. Erschwerdend kommt hinzu, dass bei Arbeiten mit den Motorsensen häufig ein Gesichtsschutz verwendet wird. Dadurch sehen die Anwender keinen Igel und keine Amphibien oder Reptilien und schon gar kein Insekt, wenn sie unter Sträuchern und ins hohe Gras reinmähen. Dort halten aber viele Igel ihren Tagschlaf. Viel zu viele verlieren durch Motorsensen ihr Leben. Dennoch scheint es diese Gefahr für die Forscher nicht zu geben. Tatenlos sehen sie auch dem hauptsächlich durch die konventionelle Landwirtschaft verursachten Insektensterben zu. Dabei ist das die Hauptursache dafür, dass der Igel bereits auf der roten Liste der bedrohten Tierarten gelandet ist. Ohne Insekten keine Igel. Wenn die Politik nicht endlich eine naturverträgliche Art der Landwirtschaft vorschreibt, Pestizide verbietet und Überdüngung reduziert, wird der Igel die nächsten Jahre aussterben. Auch das haben scheinbar viele Forscher immer noch nicht begriffen.

Antworten
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Vorarlberg: Markantes Urteil zur Fütterungsauflassung In Vorarlberg, nicht gerade für seine Wildfreundlichkeit bekannt, weht der Wind seit dem Erlass der neuen Jagdverordnung offenbar aus einer…

Freitag, 01. März 2024
Jetzt lesen
Was Waldbauern im März tun sollten Wie jeden Monat, leiten wir unseren Lesern einen "Forstlichen Arbeitskalender" weiter, in dem nach unserer Ansicht viele wirklich sinnvolle Tipps…

Freitag, 01. März 2024
Jetzt lesen
Vorträge und Ausstellungen im Bündner Naturmuseum Das Bündner Naturmuseum in Chur in der Schweiz bietet übers ganze Jahr 2024 hinweg immer wieder spannende Sonderausstellungen, Vorträge und…

Freitag, 01. März 2024
Jetzt lesen

Mitglied werden