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Samstag, 04. Juni 2022

04. Juni 2022, 06:31    Webmaster

Mitten rein ins Herz der Natur


Sauber und schön frei geschnitten, so präsentieren sich die Jagdsteige im Forstbetrieb Oberammergau. Mitten in der Balz- und Brutzeit hat der Forstbetrieb – und ja, auch dieser Betrieb verfügt über eine Naturschutzkonzept – angeheuertes Personal in die entlegensten Winkel seines Reviers geschickt. Dort wurden Äste abgesägt und Steine gehämmert, um lange nicht genutzte, zugewachsene Steige instand zu setzen und auch bei Bedarf in bisher unerschlossene Gebiete zu verlängern. Es steht zu befürchten, dass dank dieser „Erschließung“ auch Wanderer und Mountainbiker die schönen neuen Wege zu schätzen wissen werden.

Dass zu dieser Jahreszeit streng geschützte Tierarten wie die Raufußhühner auf ihren Nestern sitzen, ließ den Forstbetrieb offenbar unberührt. Auch dass die Offenlandbiotope im Schutzgebiet, durch die die Steige zwischen Bergwald und Latschenzone führen, ohne Verträglichkeitsprüfung und entsprechende Genehmigung nicht verändert werden dürfen, hat den Forstbetrieb nicht davon abgehalten, hier einzugreifen. Schützenswerte und in ihrem Charakter zu erhaltende Biotope sind eben auch nur Nutzfläche – wen interessiert da schon das Birkhuhn oder der Alpensalamander.

Zum wiederholten Mal hat Wildes Bayern deshalb in einer Anzeige an die Untere Naturschutzbehörde Garmisch-Partenkirchen das Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten von 2009, das Naturschutzkonzept des Forstbetriebs und das Waldbauhandbuch der Bayerischen Staatsforsten zitiert und an eine vorbildliche Waldbewirtschaftung gemahnt. Wir ahnen schon, dass uns das keine Freunde macht, und hätten uns die Arbeit auch gerne gespart. Wäre es nicht viel einfacher, die Betriebe und ihre Mitarbeiter würden sich einfach von selbst an die hausinternen Regeln halten? Und nächste Woche sollen die Arbeiten an einer anderen Stelle des Vogelschutzgebietes weitergehen. Ob dem befürchteten Klopapier-Mangel zu Beginn der Pandemie am Ende auch die Naturschutzkonzepte und Waldbau Handbücher in den Betrieben zum Opfer gefallen sind?

 

Bildquelle: (c)Wildes Bayern




Susanne schrieb:


Unglaublich, wie dreist Forstbetriebe gegen die Regeln handeln. Ist ja leider auch gängige Praxis, zur „Brut-und Setzzeit“ große Holzeinschlge zu veranlassen. Und da die meisten Menschen Egoisten von Feinsten sind, wird es auch vielen Erholunggsuchenden völlig egal sein, ob ihre Wege sie durch die Kinderstuben und Wohnzimmer unserer Wildtiere führen, genauso wie ihnen tot gebissene Rehkitze und Junghasen egal sind.
Hut ab vor eurer Arbeit und eurem unermüdlichen Einsatz. DANKE dafür!
Ich kann mir vorstellen, wie zermürbend das sein kann, denn es gleicht einem Kampf gegen Windmühlen, aber man darf einach nie aufgeben, auch wenn es Kraft kostet. die Natur und ihre Bewohner brauchen solche Fürsprecher.

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