Wenn wir das Stichwort „Nachtfalter“, geben, haben Sie dann spontan einen vor Augen oder könnten eine Art nennen? Meist werden die oft tarn- oder graufarbigen Nachtfalter nämlich schlicht als „Motte“ abgetan und entgehen unserer Aufmerksamkeit. Dabei sind 91 Prozent der Schmetterlinge Nachtfalter!
Sie zu übersehen ist fatal, denn sie sind ökologische Schlüsselspieler: Nacht- (wie Tag-)falter dienen nicht nur als Nahrung für Vögel und Fledermäuse, sondern bestäuben auch Pflanzen. In Mitteleuropa gehen sie in den letzten Jahrzehnten aber ziemlich unbemerkt zurück – was ein ernstes Warnsignal ist. Umso relevanter ist eine neue Studie, die zeigt: Offene und heterogene Wälder sind wichtige Rückzugsräume.
Stürme, Borkenkäfer und andere natürliche Störungen haben die Wälder Mitteleuropas stark verändert. Was für viele Menschen nach einer Katastrophe aussieht, kann für die Biodiversität jedoch eine wichtige Rolle spielen, besonders für Insekten wie Nachtfalter. Ein aktuelles Forschungsprojekt im Harz zeigt, dass Waldstörungen nicht nur Verluste, sondern auch Chancen bringen.
Über Jahrhunderte waren die Wälder Mitteleuropas durch große Weidetiere, Waldweide und Niederwaldwirtschaft eher offen. Seit dem 19. Jahrhundert setzten sich jedoch Fichtenmonokulturen durch: gleichförmig, dunkel und arm an Lebensräumen. Diese „Verdunkelung“ der Wälder führte dazu, dass viele lichtliebende Arten, darunter auch Schmetterlinge und Nachtfalter, zurückgingen.
In den letzten Jahrzehnten haben Klimawandel und Landnutzungs-Geschichte die Häufigkeit von Störungen durch Sturm und Borkenkäfer stark erhöht, mit der Folge, dass Fichtenbestände teils großflächig absterben. Was zunächst bedrohlich wirkt, eröffnet ökologisch ganz neue Möglichkeiten: mehr Licht, mehr junge Pflanzengesellschaften, mehr Vielfalt.
Die Studie im Harz untersuchte, wie sich Windwürfe und Borkenkäferkalamitäten auf Nachtfalter auswirken, und welche Rolle Management und Wilddichte spielen. Mit Hilfe von Lichtfallen wurden über zwei Jahre hinweg mehr als 52.000 Falter von fast 400 Arten erfasst.
Die Ergebnisse sind überraschend:
Die Forschung legt nahe, dass starre Managementstrategien, etwa flächendeckendes Räumen nach Störungen, die Vielfalt einschränken. Stattdessen könnte eine Mischung sinnvoll sein: manche Flächen unberührt lassen, andere behutsam bewirtschaften. Auch der Umgang mit Wilddichten muss differenziert betrachtet werden: Zu viel Verbiss hemmt zwar vielleicht erstmal die Waldverjüngung, moderate Dichten können aber Lebensräume aufwerten.
Störungen im Wald sind nicht nur Zeichen von Krise, sondern auch Chancen für mehr Biodiversität. Gerade für licht- und offenenheitsliebende Arten wie viele Nachtfalter können Windwürfe und Borkenkäferbefall neue Lebensräume schaffen. Entscheidend ist, wie wir mit diesen Störungen umgehen. Wenn Forstwirtschaft und Naturschutz klug balanciert werden, könnten die Wälder der Zukunft nicht nur widerstandsfähiger, sondern auch artenreicher sein.
EK
Den Link zur Original Studie in englischer Sprache findet Ihr hier
Wer mehr über Tag- und Nachtfalter und ihre Unterscheidungen wissen will, kann zum Beispiel hier nachlesen.
Übrigens: Selbst unauffällig Nachtfalterarten kommen uns manchmal mit großen, auffälligen Raupen unter die Augen. Was für dicke, saftige Proteinbomben für unsere Vögel! Hier zum Beispiel die Raupe des sehr fad gefärbten Weidenbohrers:

Raupe des Weidenbohrers
Bildquelle: ulleo/Pixabay.de, Monika Baudrexl
Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement
Mehr Licht in der Nacht – weniger Vogelnachwuchs UPDATE
Wie schlau sind Wölfe wirklich? * VIDEO *
Die Masse an Insekten schrumpft, weil Arten verschwinden
Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE
Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern
Save the date: Internationale Igelkonferenz in Kopenhagen
UPDATE Gefährdete Gefährder – das Katzendilemma * PETITION
UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage
Buchtipp: Die Besonderheiten der Borkenkäfer
UPDATE 21. November – Führung „Neuperlach der Tiere“
Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur
Neugierige Vögel könnten im Wandel besser bestehen
Kröten im Garten ein Zuhause bieten – auch im Winter
UPDATE – Das ökologische Desaster in Grimms Märchenwald
Studie: Laufkäfer brauchen Lebensräume
Die Halloween-Studie: Ratten fressen Fledermäuse * VIDEO
UPDATE Gartenschläfer – alarmierende Studie aus dem Schwarzwald
Bogenparcours: Pfeil traf Rehkitz
Forscher warnen: Genetische Vielfalt nicht außer Acht lassen! UPDATE
BaySf-Gewinnmeldung: Kasse statt Klasse
Rotwild in der Rhön und darüber hinaus: Experten fordern offene Wanderräume
Feiern wir das Wilde nur, wenn es uns vertraut erscheint?
Fischzustandsbericht und Preis für renaturierte Gewässer UPDATE
Ein tolles Bild von Schrott-Wissenschaft
Insekten brauchen mehr und verlässliche Lebensräume
Neue Wildtier-Studie: Ungeahnte Schlüsselakteure der Artenvielfalt!
Plastikmüll vom Acker wandert in Vogelnester
Städtische Mauereidechsen sind toleranter
Wiederansiedlung von Luchsen in Colorado: Ein Lehrstück
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen