Blogpost
Donnerstag, 09. Juni 2022

09. Juni 2022, 12:47    Webmaster

Muffel bei Tschirn oder: Der Wolf und das Lamm


Schon länger begleitet Wildes Bayern die Debatte um eine kleine Muffel-Population bei Tschirn im Landkreis Kronach. Dort haben sich derzeit acht Wildschafe angesiedelt, die sehr kleinräumig leben und auf viel Sympathie stoßen. Staatliche Organisationen beobachten das allerdings mit Argusaugen, schließlich ist es offiziell nicht erlaubt, Muffelwild zu hegen – die Art gilt als nicht heimisch, weil sie von Korsika stammt.

Dort ist das Wildschaf allerdings stark bedroht, und Wildbiologen sind froh um jede Genreserve außerhalb des ursprünglichen Lebensraums. Unter anderem deshalb hat Wildes Bayern sich vor einigen Jahren bereits dafür eingesetzt, eine kleine Population im Altmühltal zu erhalten. Doch es ist bitter zu sehen, wie die spektaktuläre, aber irgendwie auch arglose Tierart zwischen menschlichen Interessen aufgerieben wird.

Und wie ist das nun mit der Erlaubnis zu hegen oder nicht? Die einzige offizielle Verlautbarung dazu ist eine „LMS“, also eine ministerielle Mitteilung an nachgeordnete Behörden, aus den 80er Jahren, kein Gesetz und keine Verordnung. Hat so was heute tatsächlich noch Gewicht?

Immerhin sind seitdem viele Regelwerke entstanden, die den gesellschaftlichen Wandel widerspiegeln und einen weniger verstaubten Geist ausstrahlen: Die Konvention zur Biologischen Vielfalt zum Beispiel (CBD, 1992), die unter biologischer Vielfalt „die Variabilität unter den lebenden Organismen jeglicher Herkunft“ versteht und vorschreibt, diese zu erhalten.

Forstwirte werfen den Muffelschafen jedoch vor, Schälschäden zu verursachen. Und in Tschirn gibt es einzelne Landwirte, die anführen, dass die Muffel sich auf ihrem Hofgelände herumtreiben, Siloballen aufreißen und Futter stehlen. Der Jagdpächter steht gemeinsam mit der Jagdgenossenschaft und interessierten Bürgern für einen Erhalt der Population. Ein Ausgleich der Schäden ist gesichert, auch gäbe es Möglichkeiten, das Futter vor dem Zugriff durch die Muffel zu schütze, welche der Landwirt aber ablehnt.

Nachdem Tierfreunde sogar eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet hatten, die Muffel zu erhalten, machte sich jetzt dessen Agrarausschuss vor Ort ein Bild. Dem Bericht des Kronacher Anzeigers zu dem Termin und den Hintergründen findet Ihr hier – leider hinter einer Bezahlschranke.

Uns bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung über die Muffelpopulation nicht gefällt wird wie in der Fabel „Der Wolf und das Lamm“ –  ein Wolf ist hier bei Tschirn bislang ohnehin nicht das größte Problem.

…und eine gute Glosse der Süddeutschen Zeitung zu dem Konflikt findet Ihr hier

(c)privat

 

(c)privat

Bildquelle: (c)privat




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Unser Wildtier der Woche: Der schöne, scheue Schwarzstorch Wann haben Sie Ihren letzten Schwarzstorch gesehen? Ich, ehrlich gesagt, noch nie. Das mag daran liegen, dass die großen, schwarzen…

Samstag, 25. Juni 2022
Jetzt lesen
Glyphosat im Honig: Landwirt haftet für Pestizideinsatz Ein Imkerpaar in Brandenburg hat fast 15.000 Euro Schadenersatz zugesprochen bekommen, weil sein Honig mit Glyphosat verunreinigt wurde. Das berichtet…

Freitag, 24. Juni 2022
Jetzt lesen
Naturnahe Weidelandschaften - Exkursion zu alten Allmendweidesystemen Wo tobt das Leben und die Biodiversität? Auf extensiven Weiden. Diese Landschaftstypen gehören heute zu den seltensten und artenreichsten Lebensräumen,…

Freitag, 24. Juni 2022
Jetzt lesen

Mitglied werden