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Samstag, 17. April 2021

17. April 2021, 12:51    Webmaster

Österreichischer Landesjägermeister kritisiert bayerische Jagdpraxis – Leserbrief Berchtesgadener Anzeiger


Anfang April stellten sich vier ausgemachte Experten vor die Presse-Kamera und gaben im Berchtesgadener Anzeiger bekannt: „Stabiler Bestand beim Gamswild“. Viele Ortskundige und Naturfreunde rieben sich darob verdutzt die Augen, denn in dem Beitrag klopften sich die Herrschaften zwar ausgiebig gegenseitig auf die Schulter – aber an handfesten Informationen oder gar Daten konnten sie nicht viel bieten. Der Leiter des BaySF Forstbetriebs sprach von Daten, die belegen würden, dass der Gamsbestand stabil sei“. Nur hat niemals irgendjemand derartige Daten aus der Region gesehen. Der Leiter des Amts für Land- und Forstwirtschaft lobte die Gesprächsbereitschaft des örtlichen Jagdvorstands und dessen Vorsitzender versicherte, dass von einer Gefährdung der Gams keine Rede sein könne. Den Segen dazu gab die zuständige Ministerin. Aber wenn vier Leute, die nichts Wesentliches und Substanzielles zu einem Thema beitragen können, sich gut unterhalten, schafft das noch keine neue Realität.

Und das hat nun auch der Nachbar der vier „Fachleute“ bestätigt. Der Salzburger Landesjägermeister und Reviernachbar Max Mayr-Melnhof stellt die Faktenlage wieder richtig. Und irgendwie hat man beim Lesen das Gefühl, als ob dadurch der Pool von Selbstgefälligkeit, in dem so manche Protagonisten in Bayern paddeln, ein Leck bekommen hat.

Unter dem Titel „Kritik an Jagdpraxis auf bayerischer Seite“ ist am 16. April 2021 folgender Leserbrief im Berchtesgadener Anzeiger erschienen:

 

(c)Wildes Bayern – Leserbrief Berchtesgadener Anzeiger 16.04.2021

 

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - Leserbrief Berchtesgadener Anzeiger 16.04.2021, (c)Wildes Bayern




Fürst zu Windisch-Graetz schrieb:


Bravo Bravo Max WMH Toni

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Ludwig Fegg schrieb:


Mein Dank an LJM Max Mayr Melnhof für diesen Leserbrief.
Staatsministerin Michaela Kaniber wartet sicherlich auf weitere Informationen, Fakten und Daten. Diese seit Jahren nur von einer Seite serviert zu bekommen kann nicht gut sein. Ich hoffe sehr, dass sie sich mit der Thematik tiefgründig weiter beschäftigt.
Frau Ministerin, es ist nun an Ihnen!
Wald, Wild und Mensch in einem vernünftigen Miteinander!
Waldbau mit Pulver und Bleifreigeschoss! Soll das die Antwort auf den Klimawandel sein?

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Gamsbart schrieb:


Jo mai, wenn´s auf Seiten unserer österreichischen Jagd-Kollegen halt zu oft des Bixerl sprechen lassen, permanent alles verpirschen und man auch beim Waldbau von Raubbau (Habitatgestaltung) sprechen muss, dazu Hüttengaudi vor Naturgenuss, dann braucht man sich ned wundern wenn´s mit dem Jagderfolg nimmer so klappt.

Aber mir fehlt da der Einblick, genauso wie den Kritikern der Bayerischen Jagdpolitik. Entsprechend tut unsere Ministerin gut daran wenn sie sich um wichtigere Dinge kümmert, als um österreichische Jagdinteressen.

Was aber objektiv nachvollziehbar ist; An den Bestandsdichten kann´s ned liegen, dafür kommt die Räude leider auf österreichischer Seite viel zu häufig vor, als von zusammengebrochenen Beständen zu reden.

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Ludwig Fegg schrieb:


Der „40-jährige Krieg“, so betitelte der Wildbiologe Prof. Sven Herzog im Jahr 2011 seinen Artikel, in dem er die jagdliche Entwicklung über diesen Zeitraum beschrieb. Es begann mit Tierfilmer Horst Sterns Weihnachtssendung „Bemerkungen über den Rothirsch“, im Jahr 1971. Stern formulierte darin die provokante Aussage: „Es ist nicht an der Zeit, den Hirsch zu schonen, es ist an der Zeit, ihn zu schießen!“ Und er hatte recht damit! In Bayern gab es Rotwilddichten von über 10 Stück auf 100 ha, gefördert und gewollt durch die damalige Bayerische Staatsforstverwaltung. Auch in meinen Augen nicht tragbar! Allerdings wurde das Rotwild, das heute nur noch auf 14% der bayerischen Landesfläche leben darf, an vielen Fütterungen in der Notzeit gefüttert. Konnte es ja seine natürlichen Wanderbewegungen auf den so genannten „Fernwechseln“, bis in die Münchner Isar-Auen, aufgrund menschlicher Besiedlung, nicht mehr durchführen. Inzwischen wurde es hier im Berchtesgadener Talkessel bis auf Restbestände von ca. einem (1) Stück je 100 ha dezimiert, die meisten Fütterungen aufgelöst. Wildbiologen sind der Meinung, dass etwa 3 Stück Rotwild je 100 ha erforderlich sind, damit das Sozialverhalten dieses in Rudeln lebenden Tieres gewährleistet ist. Das Thema Inzucht wäre sicherlich auch zu bedenken, wären wir hier in Berchtesgaden nicht umgeben von österreichischen Jagden, aus denen die hier entstehende Wildleere bisher wieder etwas angeglichen wurde. Und hier knüpfe ich an den Leserbrief von LJM Max Mayr Melnhof an, der diese Thematik in Bezug auf die Gams ebenso beschreibt. Geschossen wird im Bayerischen vielfach nach Bayern zugewandertes, österreichisches Gams- und Rotwild.
Ministerin Michaela Kaniber lobt den Jagddialog im Berchtesgadener Land. Sind ihr aber die jagdlichen und forstlichen Entwicklungen der letzten 50 Jahre bekannt? Wir alle wollen zukunftsfähige, gesunde Wälder und einen guten Umgang mit den frei lebenden Wildtieren.
Um mit Worten von Horst Stern zu sprechen: „ Es ist dringend an der Zeit, nun das richtige Maß im Umgang mit Reh, Hirsch und Gams zu finden!“
Waldbau mit Pulver und Bleifreigeschoss? Soll das die Antwort auf den Klimawandel sein?
Das Motto sollte lauten: „Wald, Wild und Mensch in einem vernünftigen Miteinander!“
Wir setzen große Hoffnung auf Sie, Frau Staatsministerin!

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