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Samstag, 29. Juli 2023

29. Juli 2023, 06:39    Webmaster

Vielfalt auf den Wilden Weiden des Hainich


Hier wird wirklich etwas für Artenvielfalt und Naturschutz getan: In den artenreichen Lebensräumen des Offen‐ und Halboffenlandes im Nationalpark Hainich, welche zum Europäischen Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 gehören, kommt Wild‐ und Weidetieren eine fundamentale Bedeutung zum Erhalt der Biodiversität zu. Hier lebt deshalb zum Beispiel der vom Aussterben bedrohte und EU‐weit streng geschützte Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) in seinem wohl bundesweit größten Bestand.. Auch bedrohte Vogelarten wie Sperbergrasmücke, Grauammer, Braunkehlchen (Vogel des Jahres 2023) oder Wiesenpieper besiedeln das schonend beweidete Offenland in hoher Dichte und zum Teil in bundesweit bedeutenden Beständen.

Das alles schaute sich vor kurzem eine Exkursion unseres Partnervereins Naturnahe Weidelandschaften an. Große, habitatbildend wirkende Wild‐ und Weidetiere sind ein essenzieller Bestandteil und Treiber der natürlichen Dynamik in einheimischen Ökosystemen. Im Nationalparkgebiet sind dies insbesondere der Rothirsch und das Wildschwein sowie die gezielt zur Biotoppflege eingesetzten Rinder und Pferde.

Insbesondere große, schwere Weidetiere schaffen durch Äsung, Tritt, Wühlen, Dung und Samenverbreitung erst das blüten‐ und insektenreiche Offenland. Dabei entstehen eine fein differenzierte Vegetationsstruktur und Schlüsselstrukturen wie Offenbodenstellen, Tümpel sowie durch regelmäßigen Verbiss kleinwüchsige, dichte Sträucher. Große Nutztiere übernehmen damit die wichtigen Funktionen ursprünglich wildlebender, jedoch ausgerotteter Großweidetiere wie Auerochse und Wisent, unter deren Einfluss sich unsere Tier‐ und Pflanzenwelt überhaupt erst entwickelt hat.

Der Dung von großen Pflanzenfressern wie Rindern, Pferden, Reh und Rothirsch ist Lebensraum für eine Vielzahl unterschiedlicher Käfer und deren Larven. In einem Haufen können dabei laut Nationalpark Hainich bis zu 800 Tiere nachgewiesen werden. Dungkäfer spielen wiederum eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie zersetzen den Dung, belüften den Boden und verteilen Pflanzensamen. Dunghaufen sind jedoch nicht nur Nahrungs- und Lebensraum für Insekten, sondern auch für höhere Organismen. Kiebitz, Bachstelze, Dachs, Igel und Spitzmaus ernähren sich von Insekten aus dem Dunghaufen. Schwalben und Fledermäuse fangen die daraus ausfliegenden Insekten. Aufgrund der heute üblichen Stallhaltung sind Dunghaufen in unserer Landschaft sehr selten geworden. Der Rückgang bestimmter Vogelarten steht damit in einem direkten Zusammenhang.

„Wilde Weiden“ wie im Nationalpark Hainich, auf denen große Weidetiere wie Rinder und Pferde ganzjährig fressen, bieten den Dungkäfern eine sichere Nahrungsgrundlage. Hier finden Dungkäfer auch im zeitigen Frühjahr bereits Nahrung, während die Tiere auf anderen Flächen noch im Stall stehen. Außerdem werden die Weidetiere im Nationalpark nicht prophylaktisch mit Antiparasitika behandelt. Eine Behandlung findet nur statt, wenn ein Befund vorliegt (Wurmbefall) oder ein Verdacht vorliegt, z.B. durch eine schlechte Konstitution eines Tieres. Rückstände von Antiparasitika im Dunghaufen haben nachweislich einen negativen Effekt auf die Dungfauna, v.a. auf die Larven der Käfer. Indirekt beeinflusst dies auch Wirbeltiere wie Vögel, da gerade in der Brutzeit viele Dungkäfer an Jungvögel verfüttert werden

Hier findet Ihr Infos zu den Wilden Weiden im Nationalpark Hainich

Und hier die PM_Beweidungsexkursion_Hainich_2023_07_16_final

Bildquelle: (c)be-outdoor.de - Petra Sobinger




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