Die Bewässerung von Wiesen ist ein jahrhundertealtes landwirtschaftliches Kulturgut, das unter anderem in Franken erhalten ist, aber zum Beispiel auch im Spreewald und anderen Regionen, oft unter verschiedenen Namen und Einsatz verschiedener Techniken. Wässerwiesen sind grundsätzlich eine besondere Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, bei der Wiesen gezielt mit Wasser überflutet werden. Das stellt nicht nur sicher, dass sie nicht austrocknen, sondern liefert zusätzlich Nährstoffe.
Diese Technik, vielerorts in Vergessenheit geraten, prägt seit Jahrhunderten die Kulturlandschaften Mitteleuropas. Sie hilft, Wasser in der Landschaft zu halten und Hochwasser abzumildern, und trägt mit ihrer hohen Biodiversität wesentlich zur ökologischen Vielfalt bei. Im Dezember 2023 zeichnete die UNESCO diese Praxis als immaterielles Kulturerbe der Menschheit aus.
Die seit dem Mittelalter belegte, meist genossenschaftlich organisierte Wiesenbewässerung im Großraum Schwabach-Nürnberg-Erlangen-Forchheim zum Beispiel dient der Ertragssteigerung bei Gras, Heu und Grummet auf den sandigen, wasserdurchlässigen und nährstoffarmen Böden des vergleichsweise niederschlagsarmen Mittelfränkischen Beckens. Über Grabensysteme und Wehre gelangt das Wasser aus den Fließgewässern auf die Wiesen, teilweise werden von der Strömung angetriebene Wasserschöpfräder eingesetzt. Die seit Jahrhunderten kultivierten Wässerwiesen zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus und haben wichtige Funktionen für das Stadtklima und die regionale Kulturlandschaft.
Eine international besetzte Fachtagung in Forchheim hat kürzlich die Bedeutung, Herausforderungen und Perspektiven der sogenannten Wässerwiesen diskutiert. Die Tagung zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll das Wissen um diese alten Bewässerungstechniken für die nachhaltige Entwicklung von Kulturlandschaften ist.
In vielen der Vorträgen kam die Artenvielfalt zumindest am Rande vor. Der Nutzen von Wässerwiesen ist klar: Hier können sich je nach Wasserstand Fische, Amphibien, Säuger wie Biber oder Fischotter, Insekten und natürlich Wasser- und Watvögel einfinden. Julia Sattler, Biologin an der Universität Regensburg, erläuterte aber auch ermutigende Ergebnisse aus dem Projekt „Flussperlmuschel und Wässerwiese“: In ihrem Untersuchungsgebiet deckten sich 70 Prozent der Wässerwiesennutzung mit dem Vorkommen der Flussperlmuschel. Erste Ergebnisse eines Praxisversuchs deuteten darauf hin, dass Wässerwiesen sich positiv auf die Organismen des Lebensraums Bach auswirken und es empfehlenswert sein kann, Wiederansiedlungsprojekte von Muscheln mit Wässerwiesennutzung zu begleiten.
Fazit der Tagung: Die Bewässerung von Wiesen ist mehr als eine landwirtschaftliche Technik – sie ist gelebtes Kulturerbe, ökologischer Schatz und Zukunftschance zugleich. Die Tagung in Forchheim hat wichtige Impulse gesetzt, um dieses Wissen zu bewahren, weiterzugeben und an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Die Verbindung von Tradition und Innovation, von regionaler Identität und internationalem Austausch macht die Wiesenbewässerung zu einem Schlüsselthema für die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume in Bayern, Deutschland und Europa.
Mehr Infos über Wässerwiesen findet Ihr zum Beispiel hier beim Deutschen Verband für Landschaftspflege
Hier findet Ihr Infos zu Wässerwiesen im Bayerischen Wald
Hier findet Ihr eine Vorab-Zusammenfassung von der Tagung – mit ganz herzlichem Dank an die ANL!
Falls Ihr Euch mal über Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege informieren möchtet, geht das hier
Hier findet Ihr Infos des Umweltsamts Nürnberg zu den Wässerwiesen
Bildquelle: Ralf Rödel/Stadt Forschheim
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