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Freitag, 18. März 2022

18. März 2022, 18:41    Webmaster

Von der Kampfzone des Waldes: der Zitronenzeisig


Wenn Ihr dieser Tage zu einer Bergtour aufbrecht, dann legen wir Euch neben der übrigen sensiblen Tierwelt einen kleinen, gelben Vogel ans Herz: den Zitronenzeisig. Den kann man nämlich in Bayern nur in den Alpen beobachten und ab Februar auch deutlich hören.

(Zu Vorbereitung könnt Ihr seine Stimme hier anhören.)

Der Zitronenzeisig ist geradezu ein Symbol für das, was derzeit in unseren Bergen passiert, nämlich überbordender Freizeittourismus und akut grassierender Forstwahn.

Der gerade mal 13 Zentimeter lange, graugelbe Vogel ist eigentlich eine sehr typische Art der Alpen,weil er in lichten Bergwäldern und auf Waldweiden existiert, oft in der Nähe der Baumgrenze. Er teilt hier also den Lebensraum mit Gams und Rotwild – und früher eben auch mit den Bergrindern. Aber so etwas ist in der heutigen Zeit leider überhaupt nicht mehr in Mode. Die Waldweiderechte werden zunehmend abgelöst, und ein „lichter“ Wald löst unter vielen Forstexperten einen akuten Sanierungsreflex aus. Das Wild wird eliminiert und Hänge werden auf Teufel komm raus bepflanzt. Dafür wird sogar Dünger in die Bergwälder gekippt.

Pech für den ursprünglichen Bewohner dieser Region, den Zitronenzeisig, denn, wie das Landesamt für Umwelt festhält: „In einigen Gebieten scheint sich der Lebensraum des Zitronenzeisigs durch anthropogene Einwirkungen zu verschlechtern, zum einen durch direkte Zerstörung der ursprünglichen Pflanzendecke durch den alpinen Freizeitsport und Aufforstungen von Freiflächen. Die Beendigung der traditionellen Wald- oder Weidewirtschaft durch Düngung und Herbizideinsatz führt zu Lebensraumverlusten.“

Nun kommt der Zitronenzeisig nicht auf der ganzen Welt vor, sondern nur in Europa, und hier auch nur in bestimmten Regionen, wie in einigen Gebirgen Südwest-Europas, in den Vogesen, im Schwarzwald und in den Alpen. Bayern hat also „eine hohe europäische Verantwortung für die Erhaltung der regionalen Population“, wie das Landesamt für Umwelt schreibt. Dass der gelbe Bergvogel in Bayern noch nicht auf der Roten Liste steht, hat wohl damit zu tun, dass es hier noch vermeintlich viele Exemplare gibt. Aber sie kommen eben auch nur hier vor … und wie man ja aus leidiger Erfahrung mit anderen Tierarten weiß, ist der Süden der Republik kein guter Verwalter endemischer Arten.

Hier noch die Tipps, die die Schweizer Vogelwarte zum Erhalt des Zitronenzeisigs nennt:

  • Verwendung von Aussaatsamen, die dem alpinen Standort angepasst sind
  • Förderung traditioneller, extensiver Almbewirtschaftung
  • Erhalt lichter Fichtenhochlagen- und Kiefern(moor)wälder (v. a. an der natürlichen „Kampfzone“ des Waldes)

Weitere Infos über den Zitronenzeisig findet Ihr unter vogelwarte.ch…

 

Bildquelle: (c)iStock No1284549496 - (c)Manakin




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