Murmeltiere
gesucht!

Wo gibt es Murmeltiere in Bayern?
Wir haben es untersucht.


Sie pfeifen schrill, sie sonnen sich auf Felsen, stibitzen manchmal Brotzeitkrümel und sie lassen sich gut beobachten. Murmeltiere bieten kostenloses Outdoor- Spektakel bei einer Bergwanderung. Aber wo gibt es denn in Bayern Murmeltiere? Seltsamerweise hat das bisher niemand in Bayern wirklich interessiert.

Obwohl die Art ein wichtiges zentrales Element im Berg-Ökosystem ist, sind die Fakten über diese Tierart in Bayern spärlich – typisch leider für unser Bundesland. Deshalb haben wir zusammen mit einer Studentin von der Universität für Bodenkultur das „Murmel-Projekt Bayern“ begonnen und Wanderer, Bergbesucher, Almbauern und Jäger gebeten uns ihre Sichtungen von Murmeltieren zu melden.
Bilder: (c) S. Weiler


Erfolgreicher Abschluss
des Projekts


Postkarten und Plakate, die zum Murmel-Suchen aufrufen, haben wir im gesamten bayerischen Alpenraum in Tourist-Infos, Seilbahnen und Berghütten verteilt. Inzwischen ist die Masterarbeit von Stephanie Weiler fertig und wird in nächster Zeit für eine Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift vorbereitet. Wir werden die Ergebnisse dann auf dieser Seite posten.

Eine Anschlussstudie zu Murmeltieren ist bereits in Vorbereitung! Auch dann werden wir wieder um Mithilfe bitten.

Wanderer, Bergfreunde, Senner, Jäger halfen mit bei der Erforschung des Murmeltieres im Alpenraum Bayerns und haben ihre Sichtungen gemeldet. Dafür wollen wir uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken! Scrollen Sie weiter nach unten und erfahren Sie mehr zum Projekt.


Kampagnen-Rückblick:
Murmeltiere gesucht


Ein Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur Wien und dem Verein „Wildes Bayern e.V.“  untersucht die Verteilung der großen Alpen-Nager zwischen Berchtesgaden und Allgäu.

Ab Frühsommer 2017 sucht Stephanie Weiler im Rahmen ihrer Masterarbeit mit Hilfe von Bergwanderer, Touristen, Bergbauern, Sennerinnen und Senner und Jägern nach den Murmelfamilien auf Bayerns Bergen. Wenn Sie bei einer Wanderung, Reviergang oder Almbesuch Murmeltiere gesehen haben.




Projekthintergrund


Alpenmurmeltiere faszinieren und begleiten den Menschen schon seit Jahrhunderten. Deutschlands zweitgrößtes Nagetier ist ab einer Höhe von etwa 1000m im Schwarzwald und den Alpen anzutreffen.

(->Früher stark bejagt, aufgrund ihres Felles und nachgesagter Heilkräfte des Murmeltierfettes, stehen die wachsamen Alpenbewohner heute unter Naturschutz und genießen in Bayern ganzjährige Schonzeiten. Der heutige Bestand der Tiere wird durch den Klimawandel und die Zerstörung ihres Lebensraumes bedroht.)

In der Roten Liste Deutschlands ist das Alpenmurmeltier als ,,extrem selten‘‘ geführt, wobei die Tiere in Bayern nicht in der Roten Liste geführt werden und der Bestand als stabil eingeschätzt wird. Die genaue Größe und Entwicklung der Teilpopulationen ist überhaupt nicht bekannt.


Hier setzt das Forschungsprojekt Alpenmurmeltiere an: im Rahmen meiner Masterarbeit soll eine Erhebung der Murmeltierbestände im bayrischen Alpenraum durchgeführt werden. Betreut wird die Arbeit durch das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) an der Universität für Bodenkultur Wien. Unterstützer des Projekts sind:

  • Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern e.V.
  • Alpwirtschaftlicher Verein im Allgäu e.V.
  • Deutscher Alpenverein (DAV)
  • Wildes Bayern e.V.

In einem Citizen Science-Ansatz soll neben den Betreibern und Betreiberinnen von Almhütten die Bevölkerung mit einbezogen werden und gleichzeitig zu einem aktiven Schutz und zur Erhaltung der Fauna und Flora im bayrischen Alpenraum beitragen.

Das Projekt bildet die Grundlage für einen langfristigen Schutz und Erhalt des Alpenmurmeltieres und unterstützt die Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für den Alpenraum und seiner Bewohner.

Steckbrief Murmeltier:


Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota) gehört zu der Familie der Hörnchen (Sciuridae). Ihr eher gedrungener, kegelförmiger Körperbau misst eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 40-50 cm. Der Kopf wirkt kurz mit einer breiten, zugespitzten Schnauze und kleinen behaarten Ohren. Das Körpergewicht schwankt im Jahresverlauf stark, so wiegen erwachsene Männchen nach dem Winterschlaf etwa 3kg. Die weiblichen und männlichen Alpenmurmeltiere unterscheiden sich in Gestalt, Größe und Färbung kaum voneinander.

Das ist sein Erscheinungsbild


Ihr dichtes Fell variiert in Farbe (von grau bis braun) und Helligkeit. Die Geschlechterunterscheidung ist anhand des Abstandes zwischen Genital- und Afteröffnung (bei Männchen ist der Abstand größer) möglich. Ihr buschiger Schwanz besitzt eine schwarze Schwanzspitze. Die flinken Nagetiere bewegen sich, auf ihren unbehaarten Fußsohlen, mit gut entwickelten Fußballen, bei Gefahr blitzschnell über den Boden. Steinadler und Fuchs stellen für das Murmeltier die größten Raubfeinde dar. Bei Gefahr warnen sich die Tiere durch Pfiffe. Ein Einzelpfiff bedeutet höchste Gefahr, Rufserien signalisieren dagegen ein geringere Gefahrenpotential.

Verbreitung und
Lebensraum


Alpenmurmeltiere sind im deutschsprachigem Raum unter anderem in den Bayrischen Alpen, den Kalkalpen, im Gesäuse und den Zentralalpen anzutreffen. Der natürliche Lebensraum der sozial lebenden Tiere befindet sich im subalpinen- und alpinen Bereich in Höhen von 1000 bis 3000 m über dem Meeresspiegel. Aufgrund ihrer geringen Wärmetoleranz sind sie auf ein gemäßigtes bis arktisches Klima angewiesen, da sie nicht hecheln können und nur wenige Schweißdrüsen besitzen. Murmeltiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens unterhalb der Erde in ihren Bauten. Geeignete Lebensräume sind Böden wie Hangschutt oder Moränen, die leicht zu durchgraben sind und trotzdem Halt bieten. Des Weiteren bietet ein geeigneter Lebensraum Schutz vor Wassereinbrüchen und Überflutungen.




Das Verhalten


Die tagaktiven, hoch sozialen Säugetiere leben in hierarchischen Gruppen mit bis zu 20 Gruppenmitgliedern. Angeführt wird der Familienverband von den territorialen Elterntieren. Diese leben alleine oder mit Nachkommen verschiedener Jahrgänge in einem Wohngebiet von durchschnittlich 2,5 ha. Neben der Verteidigung der Territorien durch das ranghöchste Männchen und Weibchen, werden die Territorien durch olfaktorische und optische Signale abgegrenzt. Sind die Nachkommen alt genug, müssen diese das Revier verlassen, sowohl die weiblichen als auch die männlichen Tiere begeben sich auf Wanderschaft.

des Murmeltiers


Murmeltiere sind echte Weltmeister im Graben von unterirdischen Tunnel- und Kammersystemen. Ihre Bauten können in drei Bautypen unterschieden werden: Fluchtröhren, Sommerbaue und Winterbaue. Für den Winterschlaf sind die Winterbauten von zentraler Bedeutung. In die am tiefsten liegende Nestkammer wird etwa 10kg Heu eingetragen. Die Eingänge werden von innen mit Erde, Kot und Nistmaterial zum Schutz vor Räubern verschlossen. Den Winterschlaf verbringen die Tiere in einem Zustand der Kältestarre (Torpor) und kurzen Zeiträumen der Wiedererwärmung des Körpers (Euthermie). Ihre Körpertemperatur sinkt von 37,7 Grad Celsius auf 5 bis 7 Grad Celsius herab. Durch Muskelzittern, wird die Wärmebildung im ,,braunen Fett‘‘, einem dafür spezialisierten Gewebe angeregt. Warum die Tiere immer wieder in die Phase der Euthermie eintreten, ist noch nicht bekannt.



So pflanzen
Murmeltiere sich fort


Die Paarungszeit von Alpenmurmeltieren beginnt im April/Mai mit dem Erwachen aus dem Winterschlaf und findet überwiegend im Bau statt. Nur das Weibchen mit dem höchsten sozialen Status pflanzt sich dabei mit dem dominanten Männchen, jedoch auch mit subdominanten Männchen fort. Nach drei bis fünf Wochen werden zwei bis fünf Jungen blind geboren. Das Weibchen säugt die Jungen vier bis fünf Wochen. Im Alter von etwa zwei Monaten verlassen die Jungtiere ihren Bau. Die Jungtiere lernen spielerisch durch Box- und Schiebespiele, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Bei den Einjährigen liegt die Mortalitätsrate bei etwa einem Drittel, da die Jungen zum ersten Winter erst die Hälfte des Erwachsenengewichts besitzen. Mit zwei bis drei Jahren erreichen die Murmeltiere ihre endgültige Geschlechtsreife.




Nahrung


Das Alpenmurmeltier gehört zu den Pflanzenfressern und ernährt sich vorwiegend von Gräsern und Kräutern, jedoch können die wachsamen Alpenbewohner auch auf tierisches Eiweiß von Insekten zurückgreifen. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze ernähren sich die Tiere von den vorzufindenden jungen Trieben. Im weiteren Verlauf der Sommersaison selektieren Murmeltiere ihre Nahrung immer stärker.

von Murmeltieren


Bei der Nahrungswahl werden energiereiche und gut verdauliche Futterpflanzen bevorzugt. Von essentieller Bedeutung scheint die Aufnahme ungesättigter essentieller Fettsäuren zu sein, da diese vom Organismus selbst nicht synthetisiert werden können, jedoch die Zeitspanne in der sich das Tier im Torpor befinden kann und die Toleranz gegenüber tiefen Temperaturen beeinflusst.



Murmeltiere sind
in Deutschland extrem gefährdet


Der Bestand der Alpenmurmeltiere wird laut IUCN als stabil eingeschätzt. In Deutschland wird das Alpenmurmeltier in der Roten Liste als extrem selten geführt, in Bayern wird das Murmeltier aktuell als nicht gefährdet eingestuft und steht unter dem Schutz ganzjähriger Schonzeit. In Österreich gilt das Alpenmurmeltier als potentiell gefährdet, darf jedoch bejagt werden.




Stephanie Weiler
Projektleitung Murmeltiere in Bayern


Das Licht der Welt erblickte ich 1992 im schönen Freiburg im Breisgau. Die ersten Kindheitsjahre wuchs ich in Murr einem kleinen Dorf nahe Ludwigsburg auf. Von Beginn an interessierten mich unsere haarigen wilden Mitbewohner und das Geflecht der Natur. Schon von klein an war klar, dass die Naturwissenschaft Biologie meine Zukunft heißen sollte.

Mein Abitur absolvierte ich in Stuttgart. Für das Biologiestudium zog es mich in das Frankenland nach Würzburg. Seit 2016 lebe ich in Wien und studiere voller Begeisterung Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität für Bodenkultur.

Laufbahn

2016 Masterstudium der Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität für Bodenkultur in Wien
2011 – 2016 Bachelorstudium der Biologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg