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Montag, 19. Dezember 2022

19. Dezember 2022, 06:24    Webmaster

Oh Tannenbaum, du lodernde Zukunft des Waldes


Die Weißtanne ist der „Wunderbaum“ des deutschen Zukunftswaldes. Wo die Fichte zu flach wurzelt, soll die Tanne dank ihrer tief greifenden Wurzel sowohl mit drohender Trockenheit als auch mit Stürmen besser klarkommen – egal bei welchen Böden. Den Tannenanteil in einem Wald zu steigern, gilt deshalb als das hehre Ziel, und umgekehrt ist es eine Todsünde, wenn Reh, Hase, Hirsch oder Maus sich auch nur an einem einzigen Weißtanne-Zweig vergreifen. In den Vegetationsgutachten ist die Weißtanne quasi der Joker, um auf jeden Fall noch höhere Abschussforderungen durchzusetzen. Etwas überspitzt könnte man sagen, die Tanne ist eine Haupttodesursache bei Rot-, Reh- und Gamswild.

Und jetzt das: Die „Forstpraxis“ meldet, dass in den nordwestlichen USA im Jahr 2022 eine Rekordzahl an Tannen abgestorben sind, teilweise 50 Prozent des Bestands. Als Ursache gilt allerdings nicht etwa grassierender Fraß durch Reh und Hirsch, sondern vielmehr eine Kombination aus Dürre, Insektenbefall und Pilzkrankheiten.
Moment mal, Dürre? Was ist denn mit den tiefen Wurzeln? Insekten? Die Tanne sollte doch eben genau nicht das gleiche Problem haben wie die Fichte, die vom Borkenkäfer dahin gerafft wird! Und dazu noch Pilze?

Die Beschreibung des 5.000 Quadratkilometer umfassenden Phänomens klingt in unseren Ohren ganz verdächtig ähnlich wie bei der Fichte: „Trockenheit und Hitze“ machten die Bäume „anfällig für den Befall mit Insekten und Pilzen“. Und das ist keinesfalls nur in den USA so. Sogar die bayerische Landesanstalt für Forstwirtschaft hat die Waldbauern vor kurzem vor dem Tannenborkenkäfer gewarnt. Klein, unscheinbar, mit verborgener Lebensweise, befällt er bevorzugt die Weißtanne. „Zunehmende Hitze, Trockenstress, Sturmschäden, Mistelbefall und Vorschädigungen durch Insekten schwächen unsere heimische Weißtanne, die als Baumart der Mittelgebirge Frische und Kühle bevorzugt.“

Haben wir uns da gerade verhört? „Frische und Kühle bevorzugt“? Was für ein Mega-Aushängeschild für eine Baumart, die dem Klimawandel mit seinen ansteigenden Temperaturen und großen Hitze- und Dürrephasen trotzen soll! Und für diese „Zukunftsbaumart“ raffen wir unser ganzes Wild dahin? Mal ganz abgesehen von der recht geringen genetischen Vielfalt dieser Art in Europa.

Gleichzeitig versucht man ja, uns Exoten wie die Korsische Tanne, die Libanonzeder oder die Orient-Buche schmackhaft zu machen. Bei uns vom Wilden Bayern bleibt da allerdings ein mehr als schaler Nachgeschmack übrig. Denn ist Korsika nicht auch die Herkunft unseres Muffelwildes, dem man ja ganz aktuell im Landkreis Kronach das Recht auf ein freies Leben in Bayern nehmen will, weil es für hiesige Bedingungen nicht gemacht sei? Böse Zungen lästern, die derzeitige Forstwirtschaft sei ohnehin nur noch ein einziger „Großversuch“ durch Laien. Aber zurück zum Thema Tanne.

„Scheidet die Tanne denn nun auf Grund der Borkenkäferprobleme als Baumart für den Zukunftswald in Bayern aus“, fragt sich die LWF zum Glück selbst. Die Antwort: Nein, nein, denn „gerade wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt wird, ist sie vital und widerstandsfähig.“ Wo sind diese richtigen Stellen, vielleicht ein paar Schluchten im Bayerischen Wald…? Und immer müssen es dann auch die entsprechend passenden, genetischen Provenienzen sein!

In den USA ist man gedanklich schon einen Schritt weiter: Tannen, zumal abgestorben, wurden als immenser Risikofaktor für Waldbrände identifiziert. „Denn die abgestorbenen Tannen halten ihre Nadeln und das Feinreisig bis zu zwei Jahre lang und böten Futter für katastrophale Kronenfeuer“, so die Forstpraxis.

Na dann, lieber deutscher Wald, auf in eine flackernde, lodernde, leuchtende Zukunft! Wenn dann die Bäume alle zerstört sind, nachdem wir für sie zuvor das Wild eliminiert haben, können wir die gesetzlich festgelegten Waldflächen auch endlich hemmungslos mit Windrädern zupflastern.

Zum vollständigen Beitrag auf der Seite forstpraxis.de kommt Ihr über diesen Link…

Wer sich mit dem Faltblatt der LWF weiter über Rindenbrüter bei der Weißtanne informieren möchte, kann es hier herunterladen 

Hier ein kurzer Auszug daraus:

Tannenborkenkäfer
Die Tannenborkenkäfer befallen bevorzugt Weißtannen, selten auch Fichte, Kiefer, Lärche oder Douglasie. Als Sekundärschädlinge profitieren sie von der Schwächung der Bäume durch Trockenstress, Hitze, Sturm, Mistelbefall, Tannenstamm- und Triebläuse. Unter warm-trockenen Bedingungen können sich zwei Generationen inklusive Geschwisterbruten im Jahr entwickeln. Bei hohen Populationsdichten kommt es zur Massenvermehrung. Dann tritt Stehendbefall auch an gesunden, nur vorübergehend geschwächten Tannen hinzu. Häufig erfolgt ein Befall durch mehrere Tannenborkenkäferarten gleichzeitig.

Oh Tannenbaum!

 

Bildquelle: (c)Forstpraxis Tannensterben USA




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