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Dienstag, 13. Oktober 2020

13. Oktober 2020, 11:52    Petra Sobinger

Freiheit für den Rothirsch in Baden-Württemberg


Seit über sechs Jahrzehnten ist die Rotwildverordnung in Baden-Württemberg unverändert in Kraft und sperrt unser größtes Säugetier in Mini-Reservate. Unter bundesdeutschen Flächenländern hat Baden-Württemberg die radikalste Verordnung. Sie hat zu einer weitestgehenden Ausschaltung des Einflusses von großen Pflanzenfressern auf die Ökosysteme geführt hat, mit verheerenden ökologischen Folgen.

Der Ornithologe und Naturschützer Dr. Dieter Haas, der durch seine Veröffentlichung zur Avifauna am Bodensee vielen bekannt sein dürfte hat in einer Brandmail, die Situation in Baden-Württemberg so beschrieben:

Seit 11 Monaten laufen in Baden-Württemberg Bestrebungen von Forstbehörden und einer Forst-NGO in Verbindung mit einigen Landtagsabgeordneten, die unveränderte Fortführung der Rotwildverordnung im Schnellverfahren durchzusetzen. Dabei werden  allein Interessen der Forstwirtschaft berücksichtigt, wobei der Rothirsch – als letzte noch nicht im Ländle völlig ausgerottete Art großer Weidetiere – ausschließlich  als Schädling kommuniziert wird, in international einmaliger Weise.

Die Bevölkerung hat bereits begonnen Sturm gegen diese Vorgehensweise zu laufen und fordert eine ernsthafte Beachtung ökosystemrelevanter Aspekte. So hat das Bekanntwerden eines in Albstadt abgeschossenen Rothirsches und der Vorschlag des ÖJV den Gämsenbestand im Zollernalbkreisweiter radikal zu reduzieren, zu großer Empörung in den lokalen Medien geführt.

Nur auf 4 % der Landesfläche kann der Rothirsch ohne permanente Ausrottungsstrategie leben kann. Er wird aber auch dort scharf bejagt, selbst im Nationalpark Nord-Schwarzwald. Es gibt keine Fläche im Ländle, in der die Art in ökosystemrelevanter Dichte Ökosysteme auf naturnahe Art mitgestalten kann. Er wird flächendeckend überall bejagt, auch in Naturschutzgebieten einschließlich der Großschutzgebiete. Das ist in Bayern ähnlich, außer den unter amerikanischem Einfluss entstandenen Biotopen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (dort wird auch gejagt, aber ökosystemrelevante Siedlungsdichten erlaubt). In anderen europäischen Ländern,  gibt es ähnliche Positivbeispiele. Weitere Aspekte als Schnellinfo dazu im Artefilm über die Art am 21.10.2020 und 25.1.2021:

https://www.arte.tv/de/videos/086927-000-A/das-geheime-leben-der-rothirsche/

Übergeordnete ökologische Aspekte haben wir unter www.weidelandschaften.org zusammengestellt.

Zur Beurteilung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Herbivorie in Ökosystemen/natürlichen Nahrungsnetzen ist die Beachtung wesentlicher Erkenntnisse aus der internationalen Forschung notwendig. Eine hervorragende Übersicht unter Einschluss seriöser, gut begründeter Aspekte zum Klima- und Biodiversitätsschutz gibt folgende nun erhältliche Publikation aus der Schweiz: „Nahrungsnetze im Schweizerischen Nationalpark (siehe Link unten). Es ist von zahlreichen sehr sachkundigen, großteils im Freiland forschenden Autoren geschrieben, und behandelt grundlegend ökosystemrelevante Aspekte, in einer Gründlichkeit und in einem umfassenden Ansatz, wie ich ihn aus keiner deutschen Publikation kenne (auch nicht ansatzweise in den neoromantischen deutschen Waldbüchern und -bildbänden). Das Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden. Ich empfehle die Lektüre dringend allen biologisch hinreichend vorgebildeten Naturschützern, Fachpublizisten und Politikern, bevor über eine neue Waldposition und Strategien zur weiter aufrecht erhaltenen Ausmerzung des Einflusses großer Weidetiere entschieden wird, auch im Hinblick auf Argumente zum Klimaschutz etc.

Dr. Dieter Haas (Text leicht redaktionell gekürzt)

Das Inhaltsverzeichnis könnt Ihr über diesen Link einsehen…

 

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - Monika Baudrexl - Hirschkuh mit Kalb




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