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Samstag, 19. November 2022

19. November 2022, 11:02    Webmaster

Vorbildliche Intransparenz


Seit ihrer Geburt 2006 sind die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) eine „Anstalt öffentlichen Rechts“ und damit – immer noch – Teil der Staatsverwaltung. Damit sie ihre besondere Stellung nicht im Alltagstrubel vergessen, werden die BaySF Forstbetriebe im „Staatsforstengesetz“ noch einmal daran erinnert, dass sie vorbildlich Forstwirtschaft und Jagd ausüben müssen.

(c)Wildes Bayern – privat

Schauen wir uns mal diese Vorbildwirkung genauer an:

Fall 1:

Im Forstbetrieb Berchtesgaden wurden vor einigen Jahren Bilder in einer Wildkammer gemacht und unter Jägern und Wildtierschützern verbreitet. Da hing die beachtliche Strecke an Gamswild, das im Laufe eines verlängerten Wochenendes erlegt wurde. Das Pikante daran. Das verlängerte Wochenende war das Oster-Wochenende und es kam nach einigen Recherchen heraus, dass im Forstbetrieb Berchtesgaden in den großflächigen Schonzeitaufhebungsgebieten vor allem in den Oster- und Pfingstferien Begehungsscheininhaber ordentlich Strecke machen. Gams schießen als Ferien-Event? Damit diese Vorgänge nicht mehr ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, ordnete die Betriebsleitung an, dass die Wildkammer nur noch mit speziellen Code-Schlüsseln geöffnet werden kann. Jetzt konnte im Forstbetrieb stets nachgeprüft werden, wer, wann, welche Tür zu einer Kühlkammer öffnet. Fotos von den erlegten Tieren, ließen sich damit leicht zum Urheber zurückverfolgen. Blöd nur, dass 2022 die weidwerkenden Oster-Touristen selbst für Schlagzeilen sorgten. Nachdem die kleine Jagdgruppe und die sie begleitenden Hunde just am Karfreitag in Bergnot gerieten und mit großem Hubschrauber-Getöse von der Bergwacht gerettet werden musste.

 

Fall 2:

Der Forstbetrieb Oberammergau kommt immer wieder mit Vorfällen aus seinem Jagdbetrieb in die Presse: Mal wegen Abschüssen von Hirschkühen ohne ihr Kalb, mal weil sich offensichtlich die Wildkammern immer sehr, sehr spät abends füllen, aber im Landkreis keine Genehmigungen für Nachtjagden erteilt wurden. Damit ist nun Schluss. Denn nach Insider-Informationen hat der Betriebsleiter Herr Achhammer anscheinend beschlossen, die sogenannten Wildeingangsbücher abzuschaffen. Darin wird festgehalten, wer, wann, welches erlegte Tier in eine Kühlkammer hängt. Für jeden anderen Nutzer der forstbetriebseigenen Kühlkammer war damit bisher erkennbar, wenn am falschen Ort oder zur falschen Zeit ein falsches Stück erlegt worden war. Mit der Abschaffung von Wildeingangsbüchern sind die Daten möglicher Taten und Täter geschützt. Wir haben beim Forstbetrieb nachfragen lassen, ob dieses Vorgehen im gesamten Forstbetrieb so umgesetzt wird.

 

Fall 3:

Die Drückjagden in der Kürnach, einem Revier des Forstbetriebs Sonthofen sind schon seit einiger Zeit in den Fokus der Öffentlichkeit gerutscht. Eine kleine Gamspopulation, die durch die Drückjagden anscheinend aufgerieben werden soll und eine Rotwild-Teilpopulation, die dem Forstbetrieb ein Dorn im Auge ist und am besten ebenfalls verschwinden soll, bilden den Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen Jägern, Naturschützern und dem Forstbetrieb. Am sogenannten Streckenplatz bei der Wildkammer vor Ort, wird normalerweise deutlich, ob und was bei der jeweiligen Drückjagd schief gelaufen ist: erlegte Tiere ohne Jagdzeit, Hirschkühe ohne ihre Kälber, Gamsgeißen ohne ihr Kitz, zerschossene Rehe oder ähnliches. Der Bitte doch einen unabhängigen Beobachter zur Drückjagd mitzunehmen, verweigerte sich Betriebsleiter Jann Ötting. Dafür ließ er um den Streckenplatz und die Wildkammer einen mehr oder weniger blickdichten „Schutzzaun“ erreichten. Man habe schließlich nichts zu verbergen, versicherte der Betriebsleiter.

Unser Fazit

Sobald Zweifel an der Vorbildlichkeit eines Staatsforstbetriebs auftauchen, geht dieser in eine „inverse Transparenz-Offensive“: Verschleiern, Verheimlichen und Vertuschen.  Wenn der Gesetzgeber das für „vorbildlich“ hält, dann empfehle ich in Zukunft allen Steuer-Schummlern ihre Steuererklärung in assyrischer Keilschrift auszufüllen, bei der Planung von illegalen Autowettrennen die Nummernschilder abzuschrauben. Und wenn Sie in Zukunft Altöl, Müll und andere Abfälle in der Natur entsorgen möchten – stellen Sie einfach einen blickdichten Zaun davor auf. Ganz im Zeichen vorbildlicher Transparenz!

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - privat




Weidner schrieb:


Es ist eine Schande ,wie mit unserem heimischen Wild umgegangen wird.
Man will mit aller Gewalt das Schalenwild ausrotten.Aber es gibt noch einen,der wird Recht sprechen,nicht nach weltlichem aber nach göttlichem Recht. Der Tag wird kommen und sie stehen vor ihrem Richter.

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