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Mittwoch, 14. September 2022

14. September 2022, 16:00    Webmaster

„Bayerische Seen im Klimawandel“ – Forschungsergebnisse der Technischen Universität München“


Der Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie der Technischen Universität München (TUM) hat im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums eine Studie durchgeführt, um herauszufinden, welchen Einfluss der Klimawandel auf die bayerischen Seen hat. Die Ergebnisse sind klar und schwer zu verdauen: Die Erwärmung führt zu steigendem Gehalt an Phosphor und Nährstoffen, was das Algenwachstum beschleunigt. Außerdem kommt es zu einem Verlust an Lebensräumen, wie Schilfgebieten, und Artenvielfalt. Unter dem Titel „Klimawandel ist in Bayerns Seen angekommen“ wurde diese Studie nun veröffentlicht.

Auszug aus dem Originalbeitrag:

Bayerische Seen im Klimawandel – Ergebnisse von 15 Jahren Forschung veröffentlicht

Auch Bayerns Seen sind vom Klimawandel betroffen. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie des Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie der Technischen Universität München (TUM) im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums. Die dazu heute veröffentlichte Broschüre „Bayerische Seen im Klimawandel“ fasst die Ergebnisse von mehr als 15 Jahren klimabezogener Seenforschung zusammen. 

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 43 Bergseen (davon 14 in den Tiroler Alpen) sowie weitere 54 Seen untersucht. Die Forschungsprojekte der TUM zeigen: Steigende Wassertemperaturen und häufigere Hochwasserereignisse machen den bayerischen Seen zu schaffen.

  • Die Erwärmung um etwa 1,7 Grad Celsius im bayerischen Alpenraum seit den 1970er Jahren führt zu Veränderungen im Ökosystem Bergsee. So hat sich die mittlere Phosphorkonzentration in den bayerischen Bergseen in den zurückliegenden 50 Jahren infolge der Klimaerwärmung fast verdoppelt. Die Temperatur- und Nährstoffzunahmen führen zu einem verstärkten Zuwachs an Plankton.
  • Durch Hitzesommer werden Seen träge. Die obersten erwärmten Wasserschichten bleiben im Sommer länger erhalten. Die Seen werden im Herbst seltener oder gar nicht mehr durchmischt. Gleichzeitig nimmt das Algen- und Bakterienwachstum bei Wärme zu. Dadurch reichern sich Nährstoffe in ursprünglich nährstoffarmen Gewässern an – der See düngt sich selbst. Eine Folge: Es wachsen Algen, die bei Menschen schädliche Reaktionen auslösen können. In Oberfranken etwa mussten auch in diesem Jahr mehrere Badeseen wegen Blaualgen gesperrt werden. Während gegenwärtig etwas mehr als 50 Prozent der Seen in Bayern geeignete Umweltbedingungen für nicht heimische Arten bieten, könnten bei einem Anstieg um 1,5 Grad Celsius mehr als 75 Prozent der Gewässer von nicht heimischen Arten besiedelt werden.
  • Die mittlere sommerliche Wassertemperatur vieler bayerischer Seen ist gestiegen, und die Dauer erwärmten Wassers wird zunehmend länger. Das zeigt das wärmeliebende heimische Große Nixkraut an, das früher sehr selten war und nun in immer mehr Seen auftritt. In 29 der 54 untersuchten Seen gedeiht diese heimische wärmeliebende Wasserpflanze bereits. Das Vorkommen des Großen Nixkrauts weist darauf hin, dass auch fremde wärmeliebende Wasserpflanzen invasiv in einen See einwandern können.
  • Das sensible Wasserschilf, die Kinderstube vieler Tierarten, wird durch wechselnde Wasserstände gefährdet. Durch die Auswertung von Luftbildern am Chiemsee konnte nachgewiesen werden, dass die Gesamtfläche des Schilfs seit 1973 von fast 120 Hektar auf 66 Hektar im Jahr 2015 sank, also um 45 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Schilfkartierung im Jahr 1998 betrugen die Schilfflächen noch 75 Hektar, so dass allein im Zeitraum von 1998 bis 2015 ein Verlust von 12 Prozent auftrat.
  • Bergseen in mittlerer Höhe der Alpen spüren den Klimawandel ebenfalls. Hier hat die TUM erstmals aufwändige Untersuchungen durchgeführt. Ergebnisse der Seen-Klimaforschung belegen: Einträge durch Sedimente und Muren, eine Zunahme der Nährstoffverfügbarkeit, steigende Wassertemperaturen und verringerte Eisbedeckungen haben Folgen für Pflanzen und Tiere in diesen Ökosystemen.
  • Eine weitere Folge des Klimawandels: Seen mit türkis-trübem Erscheinungsbild als Folge einer Kalkausfällung als Kohlenstoffsenke werden künftig öfter und in einer wachsenden Zahl in Bayern zu beobachten sein. Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass in Sedimenten erhebliche Mengen an CO2 in Form von Kalk gebunden und langfristig gespeichert werden.

Die Bilanz: Breits heute ist die Biodiversität der Unterwasservegetation bayerischer Seen infolge des Klimawandels verringert. Eine weitere Erwärmung der Seen führt zu einem weiteren Verlust der Artenvielfalt.

Der gesamte Beitrag „Bayerische Seen im Klimawandel – Forschungsergebnisse der Technischen Universität München“ ist abrufbar unter dem nachfolgenden Link:

Bayerische Seen im Klimawandel – Publikationsshop der Bayerischen Staatsregierung (bayern.de)

 

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

 

Bildquelle: (c)Vivienne Klimke




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