Blogpost
Mittwoch, 09. September 2026

Scrollicon
Eine Lerche fliegt vor blauem Himmel, ihr Schnabel ist leicht geöffnet
09. September 2026, 10:40    office@wildes-bayern.de

Die geheime Sprache von Mensch und Tier


Gibt es womöglich doch eine gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Tier, oder zumindest eine Basis dafür? Diese Frage hat Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums Allgemeine Sprachwissenschaft Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Regensburg und der Aix-Marseille-Universität umgetrieben. Sie haben Aufnahmen in 48 Sprachen von allen bewohnten Kontinenten ausgewertet und mit Rhythmusdaten von Tierarten wie Fischen, Robben und Vögeln verglichen. Und sie haben tatsächlich ein größeres biologisches Muster in all diesen Lauten entdeckt.

Für die Analyse wurden sogenannte Inter-Onset-Intervalle betrachtet, das sind jeweils zusammenhängende Sprachabschnitte inklusive einer anschließenden Pause. Diese Einheit wird auch in der Erforschung tierischer Kommunikationssignale verwendet und ermöglicht dadurch einen direkten Vergleich zwischen Mensch und Tier.

Die Auswertung von über 100.000 solcher Intervalle ergab eine über alle 48 menschlichen Sprachen hinweg auffallend ähnliche Dauer von rund zwei Sekunden. Diese Übereinstimmung bestand unabhängig von der Sprachfamilie oder individuellen Merkmalen der Sprechenden – sie ist also wie ein gemeinsames Muster aller Menschen.

Beim anschließenden Vergleich mit der Tierkommunikation zeigte sich interessanterweise, dass sich der menschliche Sprechrhythmus in die Bandbreite einreiht, wie sie zum Beispiel auch für den Kap-Seebär, den Meerraben oder die Feldlerche beschrieben wurde. Noch mehr Ähnlichkeit ergibt sich, wenn man die menschlichen Laute genau auf die gleiche Weise analysiert wie die tierischen, also beispielsweise ohne Unterteilung einzelner Silben. Wie erklärt sich das?

Grafische Darstellung in Kurvenform, bei der es links auf der Grafik einen hohen Ausschlag gibt, wobei sich vier verschiedenfarbige Felder zu großen Teilen überlappen.

Grafische Darstellung der Überschneidungen bei Fisch (blau), Säugetier (gelb), Mensch (grün) und Vogel (rot)

 

Das Forscherteam vermutet physiologische Faktoren als Grund, wie den Atemrhythmus, der die Länge zusammenhängender Intervalle begrenzt. Auch Grenzen des Arbeitsgedächtnisses könnten eine Rolle spielen. Die Ergebnisse deuten jedenfalls darauf hin, dass die grundlegende zeitliche Organisation der menschlichen Kommunikation auf Mechanismen zurückgehen könnte, die Menschen mit anderen Tierarten teilen.

Die original Studie in englischer Sprache finden Sie hier.

Bildquelle: L. S. Burchardt, L. Paschen, and S. Fuchs, “ Rhythm Across Species: Situating Human Speech in a Comparative Framework.” Annals of the New York Academy of Sciences 1563, no. 1 (2026): e70383. https://doi.org/10.1111/nyas.70383, Kev/Pixabay.de




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Wilde Weiden – der ideale Weg zu mehr Vielfalt Die Bestände seltener Tier- und Pflanzenarten schrumpfen in den meisten Teilen Europas drastisch. Deshalb berichten wir hier nochmal über ein…

Freitag, 23. Oktober 2026
Jetzt lesen
24. Oktober – etwas für die Tiere bewirken! Eigentlich sind wir vom Wilden Bayern ja keine großen Fans dieser Welt-Gedenktage, denn da ist schon wirklich viel Quatsch dabei.…

Freitag, 23. Oktober 2026
Jetzt lesen
Kitzrettung weiter erforscht Zwei Studien aus Skandinavien haben Methoden der Rehkitzrettung untersucht. In Schweden wurde wissenschaftlich bestätigt, dass junge Rehkitze nicht mit dem…

Freitag, 23. Oktober 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden