Heute, am Earth day, wollte ich mich fünf Minuten auf dem Balkon sonnen – und musste prompt miterleben, wie meine geliebten Stare, die im Garten brüten, meine geliebten Spatzen, die unter dem Dachfirst brüten, überfallen und ihr Nest geplündert haben.
Wieder mal sah ich mich mit der Frage konfrontiert, ob ich eingreifen, und welche Partei ich hier ergreifen sollte: Sind Stare nun mehr gefährdet als Spatzen? Oder sollte ich die kleinen Weichfutterfresser gegen die größeren, mit spitzen Schnäbeln gerüsteten Opportunisten verteidigen? Sollte ich mich für die Eier der Spatzen einsetzen, auf die Gefahr hin, dass dafür dann die zwitschernden Jungvögel der Stare auf der Gartenseite weniger zu fressen bekommen?
Ich habe ehrlich gesagt gar nichts gemacht. Denn es ist noch nicht allzu lange her, dass direkt vor dem Gartenfenster der Turmfalke einen Star geschlagen hat. Und auch da habe ich mir gedacht: Naja, der hat auch Hunger. (Und mich seither um das Starenpaar gesorgt, dass nur wenige Meter von diesem „Tatort“ entfernt seine Jungen aufzieht.)
Was ich da draußen erlebe, ist zu einem Teil einfach nur eine intakt funktionierende Nahrungskette. Mein Resümee: Ich sollte einfach dafür sorgen, dass genug Insekten für die Vögel da sind, damit genug Vögel für den Turmfalken da sind, und so weiter. Statt oben einzugreifen und dem Star oder dem Falken vielleicht das Beutemachen zu vereiteln, versuche ich von unten her an guten Bedingungen für möglichst viele Lebewesen nachzufüttern. Alle von ihnen sollen zu essen und ein „Zuhause“ haben, damit sie von dieser Basis aus ihr artgerechtes Leben führen können – wie auch immer das dann aussieht.
Es ist wohl mein Versuch einer persönlichen Wiedergutmachung in meinem kleinen Refugium dafür, was wir Menschen Wildtieren und Natur ansonsten und im großen Stil antun. Denn leider agieren die meisten Menschen so, als gäbe es ein „Wir“ und ein „Die anderen“, und als hätten sie nichts damit zu tun, wenn den Insekten die Nahrung ausgeht und die Igel an Hunger und Verletzungen sterben – Hauptsache, der Rasen sieht ordentlich aus, wenn die Nachbarn vorbeifahren. Sie fällen alte Bäume, weil sie Laub in ihre Regenrinne fallen lassen, setzen sich abends zufrieden an ihre Brotzeit und verschwenden keinen Gedanken daran, dass unzählige Mikroorganismen, Käfer, Vögel, Fledermäuse und sogar Wildschweine und Rehe von dieser Lebensgrundlage abhängig waren und jetzt gar nicht mehr oder prekär überleben.
Noch schlimmer sieht es natürlich auf der Ebene der so genannten Wildtierregulierung aus. Da wird öffentlichkeitswirksam Rehen oder Hirschen das Recht auf Futter, ja auf ihre Existenz abgesprochen, sie werden ohne Fairness und Ethik bejagt und handwerklich schlecht um die Ecke gebracht. Wie schauen solche Leute eigentlich morgens in den Spiegel – hinterfragen sie mal ihre Rolle als Mensch? Was ist ihnen widerfahren, dass sie sich gezwungen sehen, einem Mitgeschöpf so mies gegenüber zu treten? Und haben die keine Kinder, die doch mit einer Freude an allem Leben geboren werden, und deren Zukunft davon abhängt, dass wir ihnen eine einigermaßen heile Welt übrig lassen?
Es gibt nur EIN ökologisches Netz, und da hängen wir alle drin.
Der 22. April ist der Welttag der Erde, auch bekannt als Earth day. Das Motto lautet: „Mach mit. Geh voran. Lebe bewusst nachhaltig.“
Wir möchten es etwas abwandeln: Lebe bewusst UND nachhaltig! Denn bewusstes Wahrnehmen unserer Umgebung, der Natur und der Wildtiere mit ihren Bedürfnissen ist elementar, um sie zu schützen.
Oder lesen Sie abends vor dem Zu Bett-Gehen sich und Ihren Kindern einfach den schönen Absatz 1 des Artikels 141 der Bayerischen Verfassung vor:
Das wünschen wir vom Wilden Bayern uns für die Wildtiere von allen unseren Mitgliedern und Lesern zum 22. April 2026!
Hier finden Sie Informationen zum Earth Day
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Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel, er spricht mir aus dem Herzen!