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Dienstag, 25. Mai 2021

25. Mai 2021, 21:11    Webmaster

Einsame Tierkinder – Falsche Sorge richtet Schaden an


Ein Gastkommentar von Tessy Lödermann, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern und Leiterin des Tierjeims Garmisch-Partenkirchen:

Überall um uns herum singt und zwitschert es. Die Jungvögel sind geschlüpft und wagen ihre ersten Flugversuche. Die Betonung liegt auf „Flugversuchen“, denn viele Jungvögel verlassen derzeit das Nest, bevor sie richtig fliegen können. Häufig rufen dann die Nestflüchter nach ihren Eltern, um mit ihnen Kontakt zu halten, die sie dann außerhalb des Nests füttern. Der Ruf nach den Eltern wird von Tierfreunden häufig als Hilferuf verstanden und somit gehen in den Tierheimen und bei den Regionalgruppen des LBV zahlreiche Anfragen von ratsuchenden Tierfreunden ein, die vermeintlich in Not geratenen Vogeljungen helfen wollen.

Für die Tierfamilien ist es aber unbedingt notwendig, die Jungvögel an Ort und Stelle zu lassen. Denn: Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel. Hilfe von uns Menschen benötigen die Jungvögel nur, wenn sie auf der Straße sitzen oder in der Reichweite von Katzen. Dann können sie aufgenommen und auf eine Astgabel oder einen Busch gesetzt werden. Das muss aber unbedingt in der unmittelbaren Umgebung des Auffindungsortes sein.

Ein unbedingtes Eingreifen ist nur notwendig, wenn der Jungvogel verletzt ist oder von seinen Eltern über Stunden nicht gefüttert wird. Dann kann der Mensch helfend eingreifen und das Tier in das örtliche Tierheim oder eine Vogelstation bringen.

(c)Kollage – Tierheim Garmisch

 

Wildtierboom im  Garmischer Tierheim

Im Garmischer Tierheim herrscht dadurch aktuell ein regelrechter Wildtierboom. Im Tierheim klingelt wie jedes Jahr ständig das Telefon und nach Dienstschluss gehen fast täglich auf dem Notrufhandy Anrufe ein: „Ich stehe vor einem Rehkitz, die Mutter kommt nicht mehr“, oder „Ich habe ein ausgesetztes Hasenbaby gefunden.“ Auch melden sich viele Anrufer wegen vermeintlich hilfloser Jungvögeln.

So wurde bereits mittlerweile das 104. Wildtier in diesem Jahr, ein wenige Tage altes Gamskitz, aufgenommen. Es war einem Wanderer über längere Zeit nachgelaufen und dieser brachte es dann ins Tierheim. Das Tierheim rät dringend davon ab, Jungtiere anzufassen. Rehkitze und Feldhasen sind in der Regel nicht verwaist. Um keine Beutegreifer aufmerksam zu machen, lassen die Muttertiere ihren Nachwuchs viel alleine und kommen aber regelmäßig nur kurz zum Säugen vorbei.

Wir appellieren daher an alle Tier- und Naturfreunde: „Bitte fassen Sie die Jungtiere nicht an. Wenn Kitze oder Feldhasen den Geruch des Menschen angenommen haben, werden sie oft von den Müttern verstoßen und verhungern jämmerlich“.  Nur wenn alles darauf hindeutet, dass das Jungtier nicht mehr versorgt wird, oder verletzt ist, macht es Sinn, das Tier ins Tierheim zu bringen. Im Tierheim Garmisch häufen sich in diesem Jahr diese Fälle und wurden bisher gepflegt:

  • 22 Igel
  • 6 Fuchswelpen
  • 3 Steinmarder
  • 1 Feldhase
  • 2 Eichhörnchen
  • 1 Mauswiesel
  • 4 Fledermäuse
  • 1 Gamskitz
  • 5 Entenküken
  • 1 Kanadagansküken
  • 1 Mäusebussard
  • 58 Jung- oder verletzte Vögel aller Art, von der Alpendohle bis zum Zeisig

„Für die Mitarbeiterinnen des Tierheim bedeutet dies kurze Nächte, weil die Flaschenkinder und Jungvögel mit Nachhause genommen werden und die Säugetiere alle vier Stunden gefüttert werden müssen. Ich bin froh, dass wir inzwischen ein  gutes Netzwerk von Pflegestellen und Auswilderungsstationen haben, denn es ist uns wichtig, dass alle Wildtiere wieder ausgewildert werden, wenn sie für sich selbst sorgen können.“

 

Weitere Infos über das Tierheim Garmisch findet Ihr unter tierheim-garmisch.de…

Bildquelle: (c)Tierheim Garmisch, (c)Kollage - Tierheim Garmisch




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