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Sonntag, 25. April 2021

25. April 2021, 12:37    Webmaster

Große Pflanzenfresser – ein Fall für den Naturschutz? NABU Diskussionspapier


Einige Mitglieder des Bundesfachausschusses „Wald und Wild“ des NABU haben ein Diskussionspapier zum Umgang mit mittelgroßen und großen Pflanzenfressern (Schalenwild genannt) erarbeitet. Es lohnt sich dieses Papier genauer durchzuarbeiten, denn diese Argumente und Fakten, die von den Fachleuten im NABU  hier zusammengestellt wurden, sind äußerst lesens- und diskussionswürdig.

Sie greifen dabei an, dass der aktuelle Umgang mit diesen Tierarten aus der deutschlandweiten, praktisch flächendeckenden Bejagung z.T. bis zur lokalen Ausrottung der meisten betroffenen Arten besteht. Dies geschieht entgegen internationalen Vorgaben und Gepflogenheiten auch in deutschen Nationalparks und anderen Großschutzgebieten, wodurch diese entscheidend entwertet werden (dazu Kapitel 5.4, S. 38 -41: Besonderheiten in Schutzgebieten).

Das Diskussionspapier hebt sich durch mit Literaturzitaten belegte Sachlichkeit sehr wohltuend ab von der vielfach sehr einseitigen Herbivorendiskussion im Kontext mit dem klimabedingten Niedergang eines Teils unserer Forste, besonders von Fichtenforstäckern.

Ergänzend zum Positionspapier empfehlen wir auch die Lektüre aktuell erschienener Bücher aus dem Literaturverzeichnis: Wichtige international erhobene Daten zu Herbivorie auf Klimaschutz und Biodiversität (Anhang 2). Und die verheerende Wirkung der zu starken Reduktion naturnaher Herbivorie im Zusammenhang mit dem forstwirtschaftlichen Umbau unserer Wälder auf zahlreiche Vogelpopulationen. Dabei werden Monitoringergebnisse berücksichtigt und u.v.a. auf folgende Arten fokussiert: Waldschnepfe, Schrei- und Schlangenadler (in Deutschland, brütet grenznah östlich und westlich), Baumpieper, Heckenbraunelle, Waldlaubsänger, Gartenrotschwanz, Gimpel, Grünling, Auer-, Hasel- und Birkhuhn (Anhang 3).

Das Diskussionspapier sollte auch außerhalb des NABU, berücksichtigt werden und die Diskussion auch im Hinblick auf Änderungen der Jagdgesetzgebung beflügeln. Das derzeit grassierende „greenwashing“ von in weiten Regionen exzessiver Herbivorenreduktion diskreditiert schließlich auch den internationalen Ruf deutscher Naturschützer und Naturschutzverbände.

_Disk-Papier_HerbivorieManagement_final




Ludwig Fegg schrieb:


Interessante Diskussionsgrundlage mit guten Aussagen und Möglichkeiten!

Wundere mich wirklich über den Umgang mit dem frei lebenden Wildtieren hier im Berchtesgadener Land. Schonzeitaufhebungen in „unserem Nationalpark“, Rotwildbestände am untersten Ende eines überhaupt noch als Bestand zu bezeichnenden Bestandes im Bereich der Bayerischen Staatsforsten AöR.
Rehe als Waldschädlinge ersten Grades, die im Winter keine Notzeitfütterung erfahren und bejagt werden, als wären sie unsere ärgsten Feinde. Dafür „dürfen“ wir beim „Vegetationsgutachten“ dann Verbissschäden verzeichnen!?
1990 sagte ein Forstdirektor in Berchtesgaden zu mir, als ich meinen Begehungsschein für das kommende Jagdjahr bei ihm abholte, folgenden Satz: „Und lassen sie mir ja kein Reh schuldhaft laufen!“ Das ist jetzt 30 Jahre her und heute noch geht kein Ende her! „Totschießaktionismus“ auf der ganzen Linie!
Wir Bürger, Natur- und Tierfreunde und auch wir passionierten mit Land und Umwelt verbundenen Jäger wollen einen „vernünftigen Umgang mit Wald, Wild und Mensch!
Danke Christl Miller für den vorbildlichen Einsatz für „unser Wild“. Und ganz besonderen Dank für die vielen Aktivisten und Mithelfer ohne die es nicht ginge!
Ludwig Fegg

Antworten
F. Stürmer schrieb:


Wie erfreulich, dass nun in dieser Arbeit endlich eine vernünftige, komprimierte wissenschaftliche Grundlage für weitere Vorgänge zum Umgang mit Herbivoren gegeben ist. Die bisherige Diskussion konnte aufgrund der großteils fanatisch-ideologisch ausgerichteten Argumentation kaum als solche bezeichnet werden. Hoffen wir, dass nun auch in Bezug auf das BJagdG die Forschungsergebnisse zu echten Ökosystemen Berücksichtigung finden, denn damit sind laienhafte Behauptungen zur großflächigen „Schalenwildreduktion“ überflüssig. Die Holzwirtschaft macht sich mit ihren unbeholfenen, ins Leere führenden Argumenten nur noch lächerlich- statt infantiler Schuldzuweisungen können jetzt Fakten geschaffen werden!

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Axel Doering schrieb:


Ganz so einfach ist es mit dem NaBu Papier nicht. Es ist ausdrücklich als Diskussionspapier verfasst, d.h., dass es unredlich wäre es als wissenschaftliche Grundlage zu bezeichnen.
Über den Inhalt kann man tatsächlich diskutieren und neben einigen beachtenswerten Aussagen sollte man sich klar sein, dass es immer einen Zusammenhang zwischen Wildtierdichte und Waldentwicklung gibt.
Bei Ludwig Fegg stellt sich mir die Frage, warum er einen Begehungsschein wollte, wenn es ihm nicht ums „totschiessen“ geht. Jedes Töten muss einen Sinn haben. Einer ist Waldentwicklung und Wild in Einklang zu bringen

Antworten
Christine Miller schrieb:


Ganz richtig! Diskussionspapiere sind zum Diskutieren da – und nicht dazu erneut Denkverbote und „Glaubensbekenntnisse“ in das Zentrum des Diskurses über die ökologischen Zusammenhänge zwischen großen Pflanzenfressern und unseren vielfältigen Lebensräumen zu stellen. Dazu gehört auch, zur Kenntnis zu nehmen, dass es eben keinen einfachen Zusammenhang zwischen „Wilddichte“ (ein Begriff, der in der Ökologie nicht gebräuchlich und auch nicht zielführend ist) und Waldentwicklung gibt. Ich hoffe, dass sich auch Protagonisten der Naturschutzverbände in Bayern einer fachlichen Diskussion offen stellen werden. CMiller

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