Blogpost
Dienstag, 14. November 2023

Scrollicon
Ein Blatt einer Weizenpflanze voller Blattläuse
14. November 2023, 09:51    office@wildes-bayern.de

Insektensterben: Schädlinge setzen sich durch


Nach der sehr bekannt gewordenen „Krefeld-Studie“ zum Insektensterben bestätigt jetzt auch das Julius-Kühn-Institut (JKI) für eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Region im Nordharz einen drastischen Rückgang von rund 95 Prozent der Biomasse fliegender Insekten über einen Zeitraum von 24 Jahren.

Doch nicht alle Arten sind laut diesen Ergebnissen gleichermaßen betroffen: Anpassungsfähige Pflanzenschädlinge, wie Blattläuse, nehmen tendenziell eher zu und werden immer länger bei Flugaktivität beobachtet. Das klingt erstmal widersprüchlich, ist es laut den Forschern aber gar nicht: Die Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass die Blattläuse auf den großen und strukturarmen Landwirtschaftsflächen der Region Nahrung „auf dem Silbertablett“ serviert bekommen, während ihren potenziellen Gegenspielern dort Nahrung und Nistmöglichkeiten fehlen.

In größerem Rahmen bedeutet das vermutlich, dass Agrarlandschaften mit großen Ackerschlägen und wenig Kleinstrukturen, wie Hecken, Randstreifen oder Gehölzen, das Verhältnis von Pflanzenschädlingen zu Gegenspielern zugunsten der Schädlinge verschieben. Gleichzeitig verliert das System die Fähigkeit, solche Schädlinge zu reduzieren.

Vor allem wärmeliebende und trockenstresstolerante Arten, wie Zikaden oder anpassungsfähige Insektengruppen wie die der Blattläuse, profitieren zudem von steigenden Temperaturen im Klimawandel. Die Blattläuse zum Beispiel „sparen“ sich mittlerweile die sexuelle Fortpflanzung und Eiablage auf Winterwirtspflanzen, um direkt in Getreide- und Rapsflächen zu überwintern.

Die Studie liefert wertvolle Hinweise für eine nachhaltige Förderung der Insektenvielfalt in Agrarlandschaften. Die JKI-Autoren gehen davon aus, dass Klimawandel und intensive Landbewirtschaftung in strukturarmen Agrarlandschaften sich in ihrer Wirkung auf Insekten gegenseitig verstärken. Da viele Insektenarten wichtige, schädlingsregulierende Funktionen in der Agrarfläche einnehmen, sollte diese Wechselwirkung in Pflanzenschutzstrategien stärker bedacht werden.

Die Pressemeldung des JKI findet Ihr hier

Zur Original-Veröffentlichung der Studie in englischer Sprache kommt Ihr hier

Bildquelle: (c) Julius Kühn-Institut




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Rotwild – Tier des Jahres oder Spielball von Forst und Jagd? Ein Gastbeitrag von Wildmeister Dieter Bertram Jahrhunderte alt sind die Wechsel der Hirsche zwischen Eifel und Ardennen. Doch die Willkommenskultur…

Donnerstag, 16. April 2026
Jetzt lesen
21. April: ein Stündchen Schmetterlings-Webinar Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt ihre einstündigen Webinare am Abend fort und bietet am 21. April von 18 bis 19…

Mittwoch, 15. April 2026
Jetzt lesen
Ausbau an Fellhorn & Co.: Massiver Umweltprotest Morgen, Donnerstag den 16. April, befindet der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags über die Petition "Rettet die Berge", die im vergangenen…

Mittwoch, 15. April 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden