Windkraft soll uns „grüne“ Energie liefern, aber die dafür notwendigen Anlagen kosten zahlreiche Tierarten, darunter Fledermäuse, ihren Lebensraum oder gar gleich das Leben. Hochrechnungen ergaben, dass allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 200.000 Fledermäuse an Windenergieanlagen sterben. Das Problem existiert in vielen Ländern der Welt.
Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat deshalb jetzt konkrete Vorschläge erarbeitet, wie das „grüne Dilemma“ zwischen Artenschutz und Windenergienutzung zu lösen ist.
Die Forscher sehen folgende Punkte als wichtig an:
Diese Maßnahmen könnten die Vereinbarkeit von Klima- und Artenschutz verbessern, so das Forschungsteam – wenn sie denn ausreichend umgesetzt werden. Hier gebe es allerdings großen Nachholbedarf.
Denn bislang finden sich entsprechende Auflagen nahezu ausschließlich in den Regularien von Ländern, in denen Fledermäuse unter Schutz stehen. Global trifft dies auf nur wenige Länder zu. In den EU-Staaten sind alle Fledermausarten streng geschützt, die Umsetzung von Schutzmaßnahmen sei aber lückenhaft. Beispielsweise würden in Deutschland zwei Drittel der Windenergieanlagen auf dem Festland, immerhin 18.000 Anlagen, ohne Betriebssteuerungen zum Fledermausschutz betrieben, so ein deutscher Wissenschaftler. Ohne diese Betriebssteuerungen sterben seiner Aussage nach an einer einzigen Anlage im Mittel 14 Fledermäuse pro Jahr, an manchen Anlagen sogar über 100 Tiere pro Jahr.
Global seien die Probleme für Fledermäuse sogar noch größer, schreibt das Forschungsteam. Die Konvention zum Schutz ziehender Arten („Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals“) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) fordert den Schutz von Fledermäusen. Obwohl weltweit 131 Länder dieser UN Konvention beigetreten sind, implementierten die meisten unterzeichnenden Staaten wenige oder keine Schutzmaßnahmen für Fledermäuse an Windenergieanlagen. Zudem seien sich manche internationale Vertretungen der Windenergie-Branche nicht der Notwendigkeit bewusst, den Schutz der biologischen Vielfalt beim Ausbau der Windenergienutzung mitzudenken.
Die Forscher sehen bei der Windenergienutzung auch noch erhebliche Forschungslücken. Es fehlten grundlegende Kenntnisse über das Kollisionsrisiko einiger Fledermausarten an Windenergieanlagen, selbst wenn diese in Biodiversitäts-Hotspots errichtet werden. Gleiches gelte für Flughunde, die ebenso regelmäßig in Afrika, Asien und Australien tödlich an Windenergieanlagen verunglücken.
Die komplette Pressemeldung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung findet Ihr hier
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