Blogpost
Mittwoch, 17. April 2024

Scrollicon
Internationale Forscher: Windräder weg vom Wald!
17. April 2024, 13:19    office@wildes-bayern.de

Internationale Forscher: Windräder weg vom Wald!


Windkraft soll uns „grüne“ Energie liefern, aber die dafür notwendigen Anlagen kosten zahlreiche Tierarten, darunter Fledermäuse, ihren Lebensraum oder gar gleich das Leben. Hochrechnungen ergaben, dass allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 200.000 Fledermäuse an Windenergieanlagen sterben. Das Problem existiert in vielen Ländern der Welt.

Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat deshalb jetzt konkrete Vorschläge erarbeitet, wie das „grüne Dilemma“ zwischen Artenschutz und Windenergienutzung zu lösen ist.

Die Forscher sehen folgende Punkte als wichtig an:

  • Windenergieanlagen sollten nicht an ökologisch wertvollen Standorten errichtet werden. So sollten struktur- und artenreiche Wälder nicht für die Windenergienutzung freigegeben werden.
  • Beim Bau von Windenergieanlagen sollten die Nähe von Waldrändern oder Gewässern sowie bekannte Zugkorridore von Vögeln und Fledermäusen gemieden werden.
  • In der Nacht sollten windschwache und somit ertragsarme Zeiträume, in denen Fledermäuse hauptsächlich aktiv sind, vom Betrieb ausgenommen werden („curtailment“). Für Anlagen in den gemäßigten Breiten gilt üblicherweise, dass dadurch die Schlagopferzahlen  um mehr als 80 Prozent gesenkt werden können.
  • Die Rotorblätter sollten bei geringen Windgeschwindigkeiten, wenn die Anlagen ohnehin keinen Strom erzeugen, in einem Winkel zum Wind eingestellt werden, der nur ein langsames Drehen der Rotorblätter zulässt.

Diese Maßnahmen könnten die Vereinbarkeit von Klima- und Artenschutz verbessern, so das Forschungsteam – wenn sie denn ausreichend umgesetzt werden. Hier gebe es allerdings großen Nachholbedarf.

Denn bislang finden sich entsprechende Auflagen nahezu ausschließlich in den Regularien von Ländern, in denen Fledermäuse unter Schutz stehen. Global trifft dies auf nur wenige Länder zu. In den EU-Staaten sind alle Fledermausarten streng geschützt, die Umsetzung von Schutzmaßnahmen sei aber lückenhaft. Beispielsweise würden in Deutschland zwei Drittel der Windenergieanlagen auf dem Festland, immerhin 18.000 Anlagen, ohne Betriebssteuerungen zum Fledermausschutz betrieben, so ein deutscher Wissenschaftler. Ohne diese Betriebssteuerungen sterben seiner Aussage nach an einer einzigen Anlage im Mittel 14 Fledermäuse pro Jahr, an manchen Anlagen sogar über 100 Tiere pro Jahr.

Global seien die Probleme für Fledermäuse sogar noch größer, schreibt das Forschungsteam. Die Konvention zum Schutz ziehender Arten („Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals“) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) fordert den Schutz von Fledermäusen. Obwohl weltweit 131 Länder dieser UN Konvention beigetreten sind, implementierten die meisten unterzeichnenden Staaten wenige oder keine Schutzmaßnahmen für Fledermäuse an Windenergieanlagen. Zudem seien sich manche internationale Vertretungen der Windenergie-Branche nicht der Notwendigkeit bewusst, den Schutz der biologischen Vielfalt beim Ausbau der Windenergienutzung mitzudenken.

Die Forscher sehen bei der Windenergienutzung auch noch erhebliche Forschungslücken. Es fehlten grundlegende Kenntnisse über das Kollisionsrisiko einiger Fledermausarten an Windenergieanlagen, selbst wenn diese in Biodiversitäts-Hotspots errichtet werden. Gleiches gelte für Flughunde, die ebenso regelmäßig in Afrika, Asien und Australien tödlich an Windenergieanlagen verunglücken.

Die komplette Pressemeldung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung findet Ihr hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

25. September Vortrag zu Windkraft und Heimat

Der Große Brachvogel und der armselige Wiesenbrüterschutz

Morgen Demo gegen PFAS und Windkraft in Gendorf

Feld- und Schneehase: Wie teilen sie sich die Nahrung?

Zu wenige Städte nutzen Grün fürs Klima

Neues Landesplanungsgesetz – nur noch die Windkraft zählt

Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen!

Was unsere Vögel wirklich beeinflusst

Wie Wildtiere Spurenelemente verteilen

Junge Steinadler verraten Wichtiges über Nesthocker

Käferstudie zeigt, wie sich Elternfürsorge auszahlt

Aale brauchen Lebensraum, aber vor allem Beute

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Eichhörnchen sind eine Leitart für Stadtnatur

Wölfe – nicht die Jagd bewegt sie, sondern die Beute!

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

Und wieder fällt Wald für einen Windpark

Jetzt noch anmelden: 19. September Artenschutztag im Steinwald!

VLAB erreicht Ausgleich statt Ablasshandel bei Windradbau

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Fledermäuse: Lautlose Schädlingsbekämpfer auf unseren Äckern

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Nicht jeder Mischwald ist gut fürs Ökosystem






Aktuelle Informationen



Am Sonntag Tierheimfest in Mintraching mit Wildes Bayern! Am 20. September ist Wildes Bayern beim Herbstfest des Tierschutzvereins Freising in Mintraching dabei! Bitte kommen Sie vorbei und besuchen…

Freitag, 18. September 2026
Jetzt lesen
21. September Online-Vortrag übers Rebhuhn Die Akademie des Deutschen Jagdverbands beginnt wieder ihre Online-Vortragsreihe, und einige Themen über Wildtiere sind besonders interessant. Am 21. September…

Freitag, 18. September 2026
Jetzt lesen
25. September Vortrag zu Windkraft und Heimat Am 25. September um 18.30 Uhr lädt die Initiative "Gegenwind Altötting" zu einem Informationsvortrag mit Josef Erhard, Förster a. D.…

Donnerstag, 17. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden