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Donnerstag, 18. Februar 2021

18. Februar 2021, 11:00    Webmaster

(Legaler) Muttermord auf der Jagd!


Deutsche Wildtier Stiftung: Niedersächsische Landesregierung billigt Abschuss von Elterntieren – wo bleibt der Tierschutz? 

Deutschlandweit diskutieren Förster, Waldbesitzer und Jäger über die Frage, wie intensiv Reh und Rothirsch gejagt werden sollten, damit neue Waldgenerationen möglichst schnell und vor Fraßeinwirkungen behütet heranwachsen können. Nun hat die Niedersächsische Landesregierung mit ihrem Vorschlag für ein neues Landesjagdgesetz tiefe Abgründe betreten: Laut ihrem Gesetzentwurf soll der Abschuss führender Elterntiere zukünftig nicht wie bisher als Straftat geahndet, sondern sogar vollständig legalisiert werden, wenn das Elterntier nicht mehr „erkennbar“ zur Führung seines Nachwuchses notwendig ist. „Dann dürften zum Beispiel Alttiere des Rotwildes erlegt werden, sobald ihre Kälber nicht mehr in ihrer unmittelbaren Nähe sind“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Mehr noch: In der Begründung zum Entwurf des Landesjagdgesetzes fordert der Gesetzgeber dazu auf, das Verwaisen von Rotwildkälbern in Kauf zu nehmen, wenn die „wenigen Kälber in einem großen Rudel nicht mehr zuzuordnen sind“ und stattdessen Alttiere geschossen werden. „Mit ihrem Gesetzentwurf hat die Niedersächsische Landesregierung den Tierschutz auf dem Altar der Forstwirtschaft geopfert“, so Kinser weiter.

Dass der Abschuss von Elterntieren, die abhängiges Jungwild führen, bisher als Straftat bewertet wird, ist gut begründet: Verliert beispielsweise ein Rotwildkalb im ersten Lebensjahr sein Muttertier, wird es sofort aus dem Rudel ausgestoßen; durch Isolation und Führungslosigkeit verliert es an Gewicht und sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Gerade in harten Wintern wie in den letzten Wochen fehlt den verwaisten und allein umherziehenden Kälbern die Führung des Alttieres, das aus Erfahrung günstige Futter- und Ruheplätze kennt. Bei hoher Schneelage haben mutterlose Rotwildkälber kaum eine Überlebenschance.

Zweifellos gehört es zu den größten Herausforderungen bei der Rotwildjagd, den notwendigen Anteil an Alttieren tierschutzgerecht zu erlegen. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert daher seit Jahren, bereits im Spätsommer mit der Jagd auf weibliches Rotwild zu beginnen. „Versierte Jäger haben dann gute Chancen, zunächst das Kalb und direkt danach das dazugehörige Alttier zu erlegen“, so Andreas Kinser. „Die ‚Produktion von Waisen‘ ist damit ausgeschlossen“. Tatsächlich hat Niedersachsen erst vor kurzem den Beginn der Jagdzeit für Alttiere und Kälber des Rotwildes auf den 1. August vorgezogen und damit die Möglichkeit für eine tierschutzgerechte Jagd ermöglicht. Allerdings: Deren Umsetzung ist mehr als fraglich. Denn bereits in den vergangenen Jahren gab es für einige Landkreise in Niedersachsen eine entsprechende Ausnahmegenehmigung. Trotzdem wurde nicht zuletzt in den rotwildreichen Gebieten der Lüneburger Heide kaum ein weibliches Tier im August erlegt. Offenbar ist die Niedersächsische Landesregierung also eher gewillt, den Tierschutz zu opfern, als ihre eigenen Förster anzuweisen, bereits im August weibliches Rotwild zu erlegen.

Der Gesetzentwurf für ein neues Niedersächsisches Jagdgesetz ist noch bis Mitte März in der Verbändeanhörung. Auf der Seite www.Rothirsch.org der Deutschen Wildtier Stiftung finden Sie weitere Informationen rund um eine tierschutzgerechte Jagd auf Rotwild.

 

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - Monika Baudrexl




Waltraud Krönner-Berry schrieb:


Ich bin entsetzt über Jägerei aller Art. Mein Verdacht ist u.a., der Besitz einer Waffe und das Schießen sollen ein Minderwertigkeitsgefühl ausgleichen. Als ich in England lebte, war ich bei der Antihunting Lobby und sowieso lebenslanges Mitglied des National Trust of Great Britain.
Was kann ich für die Tiere tun?

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Christine Miller schrieb:


Die Empörung über die Gesetzesnovelle ist verständlich, denn sie ist zutiefst tierschutzwidrig. Nicht zuletzt viele Jäger laufen hier Sturm. Meiner Ansicht nach ist nicht die Jagd per se tierschutzwidrig. Jagd muss eine nachhaltige Nutzung von Naturressourcen gewährleisten und sich im strengem Rahmen des Tierschutzes bewegen. Das heisst, dass ein jagdlicher Eingriff nur erfolgen darf, wenn die gesamte Population und der gesamte Bestand nicht gefährdet wird, und wenn die Tiere so erlegt werden, dass dadurch kein Leid und Stress verursacht wird. Auf diese Weise gelebt und ausgeführt kann die Jagd und können verantwortungsvolle Jäger einen Beitrag zu mehr Natur und zu erlebbaren Wildtieren leisten. Dagegen wird von bestimmten Kreisen von Landnutzern, oft aus der Forstwirtschaft, propagiert, dass Jagd vor allem so viele Tiere wie möglich aus der Landschaft entfernen soll – um jeden Preis und ohne jede Rücksicht! Gegen diese pervertierte Form von „Jagd“ – es ist eher eine Schädlingsbekämpfung – kämpfen wir. Wo wir merken, dass auf derartige Weise Raubbau mit unseren Naturschätzen betrieben wird, machen wir darauf aufmerksam und bringen diese Vorfälle auch wenn möglich vor Gericht. Für freuen uns, über jeden Natur- und Tierfreund, der die Augen offen hält und Missstände dokumentiert und uns darauf aufmerksam macht.

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