Blogpost
Dienstag, 08. Juli 2025

Scrollicon
Ein lichter Wald mit dicken Stämmen, Holzstumpf, Preiselbeeren und Jungwuchs
08. Juli 2025, 15:14    office@wildes-bayern.de

Mehr Hirsche für die Hühner


Waldweide? In Zeiten von Klimawandel und Zukunftswald ist das ein Begriff aus Mottenkiste oder Giftschrank (wahlweise)! Gerade für die meisten Förster ist es undenkbar, pflanzenverdauende Tiere absichtlich zwischen Bäumen fressen zu lassen!

Doch diese Sichtweise ist nicht modern und zukunftsorientiert, sondern einseitig und wohl profitgesteuert. Denn wie gerade eine Forschergruppe um Thomas Asch in verschiedenen Jagdzeitschriften (Anblick, Wild und Hund) veröffentlicht hat, ist Waldweide eins der besten Mittel gegen das Insektensterben und für die Lebensraum- und Artenvielfalt. Die Forscher haben das Thema am Beispiel Auerhuhn beleuchtet, das – je nach Jahreszeit – unterschiedliche Waldstrukturen braucht. Besonders wichtig sind jedoch offene, lückige Wälder mit warmen Flecken, kahlen Bodenstellen, und einem Wechsel aus hoher und niedriger Vegetation, zum Beispiel aus Heidelbeersträuchern.

Solche Wälder gibt es von Natur aus entweder nur auf kargen, trockenen oder zu nassen Standorten, in kaltem Klima – oder überall, hervorgerufen durch Pflanzenfresser. Die gestalten Wälder mit ihrer Nahrungsaufnahme (Verbiss oder Schäle), durch soziale Kommunikation wie das Fegen, durch ihre Trittsiegel, Betten und ihre Losung, über die sie Samen verbreiten.

Auerhühner lieben kahlen Boden zum Staubbaden und brauchen eine Bodenvegetation, die einerseits Beeren als Nahrung bietet, andererseits nicht zu hoch oder dicht ist, damit die Jungvögel noch gut hindurchlaufen können, ohne bei Tau oder Regen klatschnass zu werden. Die Bedürfnisse von Pflanzenfressern und Auerhühner ergänzen sich insofern ideal, beziehungsweise, sie haben sich wahrscheinlich aneinander entwickelt, denn Jahrhundertelang war die Waldweide bei uns gang und gäbe, und den Auerhühnern ging es prächtig.

In der Zeitschrift „Anblick“ schreibt das Forscherteam: „Insgesamt entsteht durch die Beweidung der Großherbivoren also ein lichter, vielfältig strukturierter, nahrungsreicher Wald mit hohem Grenzlinienanteil, wie ihn das Auerhuhn benötigt: Der Wald ist für Auerhühner gut passierbar und übersichtlich, bietet aber durch den Strukturreichtum dennoch ausreichend geeignete Deckung bei Prädatorenalarm oder ungünstiger Witterung.“ Dabei frisst bzw. äst jede Tierart etwas anders. Rothirsch, Gams und Reh halten Heidelbeersträucher kurz, Rinder eher das Gras.

Die Forscher fordern deshalb: In Auerhuhnlebensräumen braucht es eine funktionierende, ökologisch wirksame Großherbivorengemeinschaft!

Bildquelle: Vivienne Klimke




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Zum Tag der Schmetterlinge: Fabelhafter Buchtipp

Reh, Rothirsch, Damwild… wer ist was?

Weilheim: Ab März darf alles Rotwild – auch Ungeborene – getötet werden

Hessen: Vorbildliches Lebensraumkonzept für Rotwild

Österreichische Plattform zur Lebensraumvernetzung

Jetzt unsere Insekten mit Blüten verwöhnen

Rotwild retten? – die Mehrheits-Politiker im Bundestag sagen Nein!

Vom Umgang mit Notzeit und Fütterung

Vorarlberg: Gellender Hilfeschrei aus Jagd und Waldbesitz

Tag des Artenschutzes: Bauen Sie eine Eidechsenburg!

24. Februar – ein Stündchen Webinar über den Hirsch

Rottach-Egern: Das Hungern nimmt kein Ende * VIDEO*

18. April Rotwildforum in Niedersachsen

Offener Brief von Wildes Bayern an Miesbacher Kandidaten UPDATE

Dem Bösewicht auf der Spur: Erster Waldschädling entdeckt

UPDATE Rottach-Egern: Jagdgenossen gehen auf die Barrikaden

Jagdskandal im Harz: Wildtiere leiden unter fragwürdigen Methoden

Petition in Sachsen: Drückjagden ab Ende Dezember einstellen!

Neue Naturschutz-Vorträge der ANL

Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement

Das unterirdische Ende der Fahnenstange – Rotwildprozess in Kärnten

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern

3.12. Abschlussinfo zum Projekt „Insektenfreundliches Günztal“

Rothirsch ist Tier des Jahres 2026

RotWildes Deutschland: Gesellschaft für Wildbiologie gegründet

Buchtipp: Die Besonderheiten der Borkenkäfer

Kröten im Garten ein Zuhause bieten – auch im Winter

Studie: Laufkäfer brauchen Lebensräume

UPDATE Gartenschläfer – alarmierende Studie aus dem Schwarzwald






Aktuelle Informationen



Online-Vortragstipp: 18. März Alpengams Die Online-Vortragsreihe der Akademie des Deutschen Jagdverbands bietet am 18. März von 15 bis 17 Uhr einen Online-Vortrag zur Gams:…

Montag, 16. März 2026
Jetzt lesen
Zum Tag der Schmetterlinge: Fabelhafter Buchtipp Mit drei entdeckte Marion Jaros das erste Mal bewusst ein Tagpfauenauge - und die Schmetterlinge ließen sie nicht mehr los.…

Freitag, 13. März 2026
Jetzt lesen
Erste Hummelköniginnen auf Nistplatzsuche Krokusse und Schneeglöckchen verschönern bereits unsere Wiesen, und sobald die Sonne scheint, trauen sich auch die ersten Insekten wieder aus…

Donnerstag, 12. März 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden