Blogpost
Mittwoch, 20. Juli 2022

Scrollicon
Naturschutz im Wald – ohne Rind und Wild nicht möglich!
20. Juli 2022, 15:37    Webmaster

Naturschutz im Wald – ohne Rind und Wild nicht möglich!


Die Fachtagung der bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) zu Naturschutz im Wald, diesmal in Amberg, ist ein fester Punkt in der Jahresplanung von Wildes Bayern. Das bayerische Umweltministerium lässt sich die ökologisch Aufwertung von Wäldern über sein Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VPN Wald) auch wirklich etwas kosten. Die Abwicklung liegt dann in den Händen der Förster der AELFs. Ob das wirklich optimal ist? Wir sehen das eher kritisch, weil der Forst immer das Leitbild vom üppigen Wald verfolgt. Gerade die wertvollsten und artenreichsten Wald-Lebensräume sind aber die, in denen viel Licht auf den Boden fällt. Dafür wird weniger als 1 % der Fördermittel ausgegeben.

Einer der Referenten, Prof. Böhmer, zeigte auf, wie vor 40 Jahren beim „Waldsterben“ eine monokausale Vor-Verurteilung eines einzigen angeblichen Verursachers (Luftschadstoffe und „Saurer Regen“) den Erkenntnisgewinn und die Suche nach einer Lösung behindert hat. Das gleiche scheint auch jetzt wieder zu passieren: Klimawandel fordert Waldumbau, und der wird von Reh und Co. verhindert, so wird es von Forstschulen und Forstlobbyisten deutschlandweit propagiert. Eine griffige, eindimensionale Erzählung, die von Politik und Bevölkerung geglaubt wird – die so aber weder stimmt noch dem Wald und der Natur im Klimawandel hilft.

Das wurde auch in den Ausführungen anderer Referenten deutlich. Was dem Wald heute fehlt, sind die großen Pflanzenfresser, die wilden wie auch die Weidetiere. Eindrucksvoll sahen wir das auch bei der Exkursion zu verschiedenen artenreichen Waldtypen. Seit 10.000 Jahren sind Rotwild, Elche, Wisent und Reh natürliche Akteure in den Wald- und Offenland-Lebensräumen Europas. Vor etwa 5000 Jahren kam dann die Menschen dazu, die mit ihren Weidetiere großflächig Lebensräume beeinflussten und prägten. Seit rund 200 Jahren hat die gängige Forstwissenschaft dem Wald diese Vielfalt ausgetrieben.

Will man die letzten Reste der lichten Kiefernwald-Lebensräume in der Oberpfalz rund um Amberg erhalten, braucht es daher dringend wieder Beweidungsprojekte. In der Zwischenzeit könnte Rotwild das Sterben dieser Lebensräume und ihre Übernahme durch Fichten und Buchen etwas aufhalten. Einer der teilnehmenden Naturschützer fasste das treffend zusammen: „Ja, da müssten wir ja hier aus Naturschutzgründen das Rotwild nur ganz schonend bejagen!“ Ja, dem kann man nur aus ganzem Herzen zustimmen! Naturschutz im Wald geht nur mit Pfanzenfressern.

Bildquelle: (c)Hubert Biliani




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.









Aktuelle Informationen



Am Sonntag Tierheimfest in Mintraching mit Wildes Bayern! Am 20. September ist Wildes Bayern beim Herbstfest des Tierschutzvereins Freising in Mintraching dabei! Bitte kommen Sie vorbei und besuchen…

Freitag, 18. September 2026
Jetzt lesen
21. September Online-Vortrag übers Rebhuhn Die Akademie des Deutschen Jagdverbands beginnt wieder ihre Online-Vortragsreihe, und einige Themen über Wildtiere sind besonders interessant. Am 21. September…

Freitag, 18. September 2026
Jetzt lesen
25. September Vortrag zu Windkraft und Heimat Am 25. September um 18.30 Uhr lädt die Initiative "Gegenwind Altötting" zu einem Informationsvortrag mit Josef Erhard, Förster a. D.…

Donnerstag, 17. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden