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Mittwoch, 28. Juli 2021

28. Juli 2021, 20:52    Webmaster

Rothirsche säen Vielfalt – gebt ihnen den Raum dazu!


Der KJV Kempten hat eine interessante Pressemitteilung zum Thema „Biodiversität und Artenvielfalt sind in aller Munde“ veröffentlicht. Aber mal Hand aufs Herz, wann habt Ihr das letzte Mal einen Hirsch in der Natur gesehen? Nachfolgend präsentieren wir Euch den Originalbeitrag:

Rothirsche säen Vielfalt – gebt ihnen den Raum dazu!

Dabei ist er nicht nur Teil dieser Vielfalt, sondern nutzt ihr zusätzlich, zum Beispiel, indem er erstaunliche Mengen an Samen verbreitet.

 

Der Rothirsch und sein Geweih prägen unsere alpine Kultur. Nicht nur, dass die Gebirgler ihre Hirschlederne gegen nichts in der Welt tauschen würden – auch moderne Cafés, Kunst- und Souvenirläden kommen heute nicht mehr ohne die verästelten Stangen von Cervus elaphus aus. Als Krafttier verehrt die alternative Szene den Hirsch für Stolz und Stärke. Manche grafische Motive zeigen ihn mit Blumen im Geweih, verwoben in eine Vielfalt aus Ranken, Blättern oder Blüten.

 

„Ein sehr passendes Bild“, findet Dr. Manfred Ziegler, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Kempten (KJV), „denn immer mehr wissenschaftliche Studien zeigen: Der Hirsch spielt eine entscheidende Rolle für die Artenvielfalt.“ Ähnlich wie der Biber, der Bäume fällt und sich damit Wasserlandschaften kreiert, schafft der Hirsch sich sein Biotop, indem er Büsche oder Bäume anbeißt und damit die Wachstumschancen für einen vielfältigen Wald deutlich erhöht. In seinem Fell wie auch seinem Magen transportiert er unfassbare Mengen an Pflanzensamen, pro Tier geschätzte 300 Tausend im Jahr. Lässt man den Hirsch in Ruhe auf artenreichen Wiesen äsen, dann sind seine Kotkügelchen später die reinsten Blühbomben: Rund 36 Tausend Keimlinge von 206 Pflanzenarten wuchsen auf, als eine Wissenschaftlerin mal ein Jahr lang Hirschkot auf einem Truppenübungsplatz sammelte und dann im Gewächshaus aussäte. Darunter war ein hoher Anteil an wertvollen einheimischen und bedrohten Pflanzen. Pro Hektar brachten die Hirsche dort etwa eine halbe Million keimfähige Samen auf die Fläche – als kostenlose Dienstleistung an die Natur.

 

Aber während der Hirsch als Krafttier für Verantwortungsgefühl und Stärke steht, das sich selber, seine Familie und sein Territorium zu beschützen bestrebt ist, führen wir Menschen einen ziemlich ungerechten Krieg gegen ihn. Nur zwölf Prozent der Landesfläche in Bayern gesteht das Gesetz dem Rotwild als Lebensraum zu, und manchmal sind das sehr ungeeignete Flächen. Der Rest ist laut Jagdgesetz „rotwildfrei“ zu machen – das heißt, es muss auf alles geschossen werden, was kommt. Der KJV Kempten sieht das kritsch. „Wir müssen uns die Frage stellen, was diese brutale Ausrottung für unsere Biodiversität bedeutet“, meint Dr. Ziegler. „Wo wir Hirsche ausradieren, kappen wir auch ihre ökologische Funktion für die Landschaft. Können wir uns das in Zeiten von Insektensterben und Artenschwund eigentlich leisten?“

 

Ziegler hat insbesondere die Kürnach im Auge – ein Lebensraum, der immer wieder von Rotwild aufgesucht wird, das auf baden-württembergischer Seite in der Adelegg auch frei leben darf, nicht so jedoch in Bayern. „Das Rotwild wird hier nicht geduldet und wird ohne Abschussplan geschossen. Dabei gehört es zu unserer Natur wie Schmetterlinge, Lurche oder der Luchs auch.“

 

Quelle: KJV Kempten

Bildquelle: (c)KJV Kempten - Neugieriger Hirsch




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