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Mittwoch, 23. Dezember 2020

23. Dezember 2020, 20:52    Petra Sobinger

Staatsforst in Sachsen außer Rand und Band!


Die großen staatlichen Forstbehörden in den Bundesländern beginnen mehr und mehr ein Eigenleben zu zeigen. Besonders drastisch agiert seit Jahren der Staatsforst in Sachsen. Da hier Leitung des Forstbetriebs und behördliche Aufsicht quasi in einer Hand liegen, entzieht sich diese Landesbetrieb immer mehr einer demokratischen Kontrolle. Passen uns die Ansichten der Grund- und Reviernachbarn nicht? Zack! Wir treten aus dem großräumigen Management-Verbund, genannt Hegering, aus. Passen uns die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung zum Rotwild nicht? Zack! Wir verschließen den Forschern unsere Betriebsflächen und stellen keine Daten mehr zur Verfügung.

Die Sachsen sind ein eigensinniges Völkchen und lassen nicht gern „von oben“ bestimmen. Sie haben darin auch langjährige Erfahrung. Deshalb unterstützen wir die aufrichtigen Wildtierfreunde, die dort in der Bevölkerung fest verankert sind, bei ihrem Aufbegehren gegen Staatsforst-Willkür und der Vernichtung von Wildtieren im Namen einer Naturfeindlichen Ideologie.

 

Leserbrief, Marienberger Zeitung, 23.12.20, Seite 10: „Es ist erschreckend, was sich der Mensch anmaßt“

Zum Artikel vom 16. Dezember: „Auch bei der Jagd darf das Hygienekonzept nicht fehlen“: Im Juli 2020 fand bei uns – initiiert vom Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß – ein „Gespräch im Wald“ statt. Während dieses Gesprächs legte Prof. Herzog von der TU Dresden dar, dass Treibjagden für Rotwild „jede Menge Stress“ bedeuten, das Wild also noch mehr in Unruhe versetzt wird und dadurch Verbissschäden noch höher ausfallen können („Wissenschaftler vermitteln im Rotwildstreit im Erzgebirge“, „Freie Presse vom 21. Juli). Trotz dieser Veranstaltung und der wissenschaftlich fundierten Argumente bezüglich Wild und Jagd hat der Sachsenforst die Anzahl seiner Treibjagden mehr als verdoppelt.

Es wird gejagt, auch dort, wo es gar nicht nötig ist. Aber jetzt hat man ja einen Aufhänger zur Begründung der Treibjagden: die afrikanische Schweinepest (die es zum Glück hier bei uns noch nicht gibt). Aber warum schießt man dann nicht nur Schweine? Die Abschusszahlen sprechen eine andere Sprache: drei Schweine gegen 22 Stück Rot- und Rehwild. Und so ist das bei jeder Treibjagd – man muss sich nur die Abschusszahlen ansehen. Will man beim Sachsenforst etwa eine schwarze Null beim Rotwild stehen haben? Nimmt man damit nicht auch dem Wolf, der ja besonders geschützt werden soll, die Nahrungsgrundlage?

Im Artikel wird dem Leser vorgegaukelt, wie einfühlsam man mit dem Wild umgeht, wird man aber Zeuge einer solchen Jagd, stellt sich die Situation ganz anders dar. Sicher ist es lobenswert und natürlich auch nötig, dass das Corona- Hygienekonzept umgesetzt wurde, aber ist es nicht übertrieben, auf einem Ansitz Mundschutz zu tra- gen – oder sind die Fotos etwa gestellt? Einer Frau, die diese Treibjagden, den enormen Holzeinschlag (auch gesunder Fichtenbestände) und Zerstörung der Waldwege einmal kritisiert hatte, wurde gesagt: „Sie wasche ja auch nicht mehr mit dem Waschbrett.“ Allerdings muss man sagen, dass eine Waschmaschine mehrere Programme hat, und wenn man einen Wollpullover bei 90 Grad wäscht, kann man ihn sicher wegwerfen.

Wenn man im Wald rund um Satzung – und nicht nur da – unterwegs ist, hat man den Eindruck, es gibt nur noch 90-Grad-Vollwäsche. Berechtigte Kritik wird leider vom Sachsenforst meist energisch zurückgewiesen, wie man es in den letzten Jahren auch in der Presse verfolgen konnte. Wir sind mit der Natur aufgewachsen, haben das Waldsterben erleben müssen und waren froh, dass sich die Natur bis Anfang der 2000er-Jahre gut erholt hatte. Man konnte – wie zuvor auch – zum Beispiel die Hirschbrunft – ein einmaliges Naturschauspiel – noch vor der Haustür erleben. Das ist mittlerweile kaum noch zu beobachten, da Brunftplätze und Rotwildfamilien rigoros bejagt wurden. Selbst Petitionen mit mehreren tausend Unterschriften brachten keinen Erfolg.

Die Waffen- und Jagdlobby lässt grüßen. Es ist erschreckend, was sich der Mensch anmaßt, überall in die Natur einzugreifen und alles regulieren zu wollen. Wir sind mit unserer Heimat tief verwurzelt, uns liegt eine intakte Natur am Herzen und wir wollen keinen Wald, den man mit einem Pleite gegangenen Theater vergleichen kann: Wir haben eine Kulisse, aber keine Darsteller mehr. Das ist nicht nur meine persönliche Meinung, sondern die Meinung vieler Heimatfreunde des Erzgebirgszweigvereins Satzung. Andrea Lohs, Satzung

(Anmerkung der Redaktion „Marienberger Zeitung“: Jäger und Autor sind sich bei dem Fototermin räumlich nahe gekommen, sodass Masken getragen wurden.) Leserbriefe Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu bearbeiten. Die Lesermeinungen müssen nicht mit denen der Redaktion übereinstimmen. E-Mails müssen die vollständige Adresse enthalten. Anonyme Zuschriften werden grundsätzlich nicht veröffentlicht.




Hans-Jörg Schulte-Hostede schrieb:


Die in Sachsen geschilderten Zustände bestätigen und zeigen, dass der Staat ohne wenn und aber sein Programm durchzieht. Verbissgutachten werden als Grundlage für rigorose Drückjagden
instrumentalisiert , die dann gnadenlos durchgezogen werden. Am Staat prallt alles ab. Egal, was die wahren Fakten sind. Die waidgerechte Jagd wird belächelt und gilt nicht mehr.
Unsere Gesellschaft verändert sich , leider zum Schlechten ,das ist mittlerweile in den obersten Etagen unserer Regierung angekomnen.
Leider auch im Bereich Forstwirtschaft.

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