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Samstag, 21. November 2020

21. November 2020, 16:28    Petra Sobinger

Videobeitrag: Statt Fütterung im Angertal – Bundesforste erlegen Rotwild im Umfeld der Fütterung


Über Jahre hat das Rotwild im gesamten südlichen Angertal – einer touristischen Hochleistungsregion – im Salzburgischen Bezirk Pongau (Österreich) an der Winterfütterung von Thomas Tscherne einen sicheren und ruhigen Wintereinstand gefunden. Der einfühlsame Tscherne hat mit seinen Beobachtungen an der Fütterungen das Herz vieler Menschen für unsere scheuen und verfolgten Wildtiere gerührt.

(c)Screenshot Land Salzburg

Doch Verständnis für die Bedürfnisse der Natur und von unseren Wildtieren gefällt nicht jedem. So scheint es der Doktrin der Österreichischen Bundesforste zuwider zu laufen, wenn Wildtiere plötzlich positiv in der Öffentlichkeit erscheinen. Seit dem Wechsel an der Spitze der Aktionsgesellschaft ÖBF wurde „gegengesteuert“ und das Revier mit der letzen großen Rotwildfütterung im südlichen Angertal unter Beschuss genommen.

(c)Screenshot Land Salzburg

Eine kleine Pflanzfläche, die entgegen der Natura2000 Vorgaben unterhalb der Fütterung vor Jahren mit Baumschulware bestückt wurde, hat den Ausschlag für eine richterliche Entscheidung gegeben. Die vorbildlich geführte Rettenwandfütterung von Tscherne musste geschlossen werden. Die Bundesforste haben in ein paar hundert Meter Entfernung auf der Schattseite eine eigene „Fütterung“ angelegt. Und in deren Umfeld wird das dorthin ziehende Rotwild nun geschossen. Wir prüfen gerade die rechtlichen Schritte.

 

Aber macht Euch selbst ein Bild – und fragt beim Forstbetrieb Pongau nach. Der diese Entwicklung mit viel Herzblut verfolgende Forstmeister DI Üblagger kennt sicher die Details. Übrigens hat ein Gericht in Salzburg gerade bestätigt, dass die Bundesforste aus Gründen der Profitoptimierung bei ihrem Wildtiermanagement lieber Tiere verhungern lassen als sich in „unnötige Kosten“ zu stürzen.

Wir halten Euch auf dem Laufenden!

 

Bildquelle: (c)Wildes Bayern - Rotwildfuetterung Thomas Tscherne, (c)Screenshot Land Salzburg




Mathias Matt schrieb:


Das sind keine Jäger

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Regina Hagl schrieb:


Das, was Thomas Tscherne dort im Angertal die letzten Jahre gemacht hat, sucht seines Gleichen! Einfach großartig!
Im Winter konnte man von der gegenüberliegenden Junger-Alm die Wildfütterung mit prächtigem Rotwild beobachten.
Die ÖBF werfen ihm seit Jahren nur Steine in den Weg und überziehen ihn sogar mit Klagen!
Mit Waidgerechtigkeit hat das nichts zu tun!

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Achim Hinz schrieb:


Das ist das allerletzte, was da für ein Feldzug gegen das Rotwild gestartet wird. Leider ist es bei uns in Deutschland im Bundesforst genau so 😔

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Bruno Lumpert schrieb:


Traurig das man das Wild so quälen muss diese Tiere haben auch ein Recht auf dieser Welt.
Aber heutzutage sitzen nur noch Volltrotteln an der Spitze ohne Hausverstand.
Traurig

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Schilling schrieb:


Die Fütterung von Schalenwild (Reh, Hirsch, Wildschwein) ist in der Jägerschaft weit verbreitet und führt zu unnatürlich hohen Wildbeständen, die wiederum gravierende Schäden in den Wäldern verursachen. Schäden, auf denen die Waldeigentümer meist sitzenbleiben, da eindeutige Schadensregelungen fehlen. Wenn allein in Kärnten sich die Schäden auf 11,5 Millionen € summieren, so ist das nichts anderes als eine verdeckte Subvention für eine kleine, meist elitäre Minderheit, die ihr Hobby zu Lasten der Allgemeinheit ausübt. Auffallend ist auch, dass nur die Trophäen tragenden Wildtiere mit allerlei Futterusancen gehegt werden. Um die anderen, in der Natur lebenden Tiere macht man sich keine Sorgen. Dabei ist der Winter eine natürliche “Fastenzeit“ für das Wild. Die Wildtiere sind durch Jahrtausende lange Evolution daran angepasst. Winterverluste treffen in erster Linie die schwachen Individuen und dienen letztlich der Gesunderhaltung der Population. Da Großraubtiere zur Regulierung der Schalenwildpopulation fehlen, haben das die Jäger übernommen. Folgerichtig muß die Hege mit der Büchse erfolgen und die Wildbestände auf ein natürliches Maß abgesenkt werden. Ziel muß es sein, einen ökologisch tragfähigen Wildbestand in unseren Wäldern zu erhalten. Nur dann gelingt es artenreiche, stabile Mischwälder zu entwickeln, in denen auch die natürliche Verjüngung des Waldes ohne kostenintensive Schutzmaßnahmen möglich ist. Das sind die Förster und Waldbesitzer zukünftigen Generationen schuldig. Fazit: Wild soll „wild“ bleiben und die Fütterung dort wo sie hingehört – in die Viehhaltung!
DI Holger Schilling

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Christine Miller schrieb:


Sehr geehrter Herr DI,
viele mobile Tierarten, wie das Rotwild nutzen im Winter andere Lebensräume als im Sommer. Das ist in der Biologie dieser Art so „eingebaut“, genauso wie der Kuckuck nach Afrika fliegt und Frosch und Kröte im Frühjahr in ihre Laichgewässer hüpfen. Wir zwingen seit etwa 100 Jahren das Rotwild dazu in den Sommerlebensräumen zu überwintern – und erwarten, dass es sich dort auch nicht ernährt (natürliche Winteräsung für Rotwild ist unter anderem Baumrinde). Daher ist mir nicht klar, warum sich einige Grundeigentümern und Lobbyisten so auf den Standpunkt versteifen, dass in der unnatürlichen Situation (Überwinterung in Sommerlebensräumen) keine artgerechten und fachlich sinnvollen Managementmaßnahmen ergriffen werden sollen. Schließlich sind die Grundeigentümer als Inhaber des Jagdrechts dafür verantwortlich, dass auf ihren Flächen die Naturgüter und wildlebenden Tierarten artgemäß überleben können. Das ist die Aufgabe der Jagdrechtsinhaber im Rahmen ihrer Sozialpflichtigkeit.
Sehr richtig ist Ihr Hinweis darauf, dass auch andere Tierarten in unserer Kulturlandschaft und gelegentlich als Folge extremer Klimaereignisse Not leiden. Wir plädieren daher seit langem dafür auch Mäuseburgen für die Mäuse fressenden Greifvögel anzulegen oder andere Hilfsmaßnahmen wo notwendig zu ergreifen. Nachdem in unseren Reihen viele Fachleute und Experten (Biologen, Zoologen) sind, können wir jeweils einschätzen was, wo notwendig, sinnvoll und machbar ist.
Ihre Ausführungen vom „Überleben des Stärkeren“ in der Wildnis sind sehr laienhaft, was Ihnen natürlich als fachfremde Person in diesem Themenbereich (Ökologie, Bioogie) zugestanden werden muss. Wir können sehr wohl unterscheiden, wo natürliche Regulationsmechanismen bei Arten in natürlichen Umwelten greifen und was durch die Veränderung der Lebensräume und andere Einflüsse des Menschen zu erhöhten Verlusten in einer Population und zu vermeidbarem Tierleid führt. Mit diesem Wissen können wir entscheiden, wo es sinnvolle Eingriffe geben soll und wir auch eine ethische Verpflichtung zum Handeln ableiten.
Von Biologie und Ökologie müssen Sie nicht viel verstehen – das ist nicht Ihre Profession. Aber leider scheinen Sie auch in forstlichen Dingen nicht ganz sattelfest und up-to-date zu sein, wenn sie davon sprechen, dass artenreiche, stabile Mischwälder nur mit einem Mindestmaß an natürlich vorkommenden Pflanzenfressern möglich wären. Für eine derartige Aussage werden Sie keine seriöse fachliche Bestätigung finden. Sehr wohl aber können wir belegen, dass die artenreichsten und vielfältigsten Wälder dort sich entwickeln, wo es auch große und kleine Pflanzenfresser gibt (die Anwesenheit von Wolf und Luchs fällt hier weniger ins Gewicht).

Fazit: Förster und Waldbesitzer sind zukünftigen Generationen erstmal schuldig, dass sie ihre Hausaufgaben machen, sich informieren und an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren, anstatt nur billige Parolen vom schnellen Forst-Profit zu verbreiten. Wir alle sind es zukünftigen Genrationen schuldig, dass wir artenreiche, vielfältige Lebensgemeinschaften und Ökosysteme erhalten und schaffen, dass wir Wälder alt werden lassen, dass wir dort helfen, wo wir Tieren der Lebensraum genommen und ihn eingeschränkt haben. Und wir sind es schuldig, endlich damit aufzuhören von Dingen zu plappern, die wir nicht verstehen. Rotwild bleibt RotWILD, ob es im Winter in Auwälder ziehen kann oder ob es an einer artgerecht betriebenen Winterfütterung steht und dort wenig Scheu zeigt, weil die Betreiber ihr Handwerk verstehen.
mit freundlichen Grüßen
Dr. Christine Miller

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Norbert Koch schrieb:


Mir kommt es vor als wenn das Rotwild der größte Schädling ist wenn wir weiter so mit unserer größten Schalenwildart umgehen dann werden es meineEnkelkinder und Urenkel nur mehr auf Bildern sehen es ist eine Schande wie wir mit unserem Rotwild umgehen der Lebensraum wurde im in den letzten Jahren genommen und weil kein Platz mehr vorhanden ist muss es mit allen Mitteln bekämpft werden Eine Schande ist daß! Hauptsache es werden immer mehr Lifte und Pisten für den Tourismus gebaut

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Tatiana Pongratz schrieb:


Seit einem guten Jahr lebe ich in den schottischen Highlands und kann hier eine intakte Flora und Fauna sehen, wovon Deutschland sich schon vor Jahrzehnten verabschiedet hat. Ich kann Birkwild in Dorfrandnähe beobachten und Brachvögel, Austernfischer an den Seen, überall Schnepfen, Reb- und Rothuhn sowieso. Überall gibt es Totholz und alte Mauern und Steine für Deckung. Kein Landwirt käme hier darauf, wegen ein paar Quadratmetern mehr Anbaufläche alles platt zu machen. Rotwild, Sika- und Rehwild steht am helllichten Tag zwischen den Schafen und Rindern in der Offenlandschaft und keiner regt sich auf. Und wenn was aufgeforstet wird, dann wird eben gezäunt und fertig. Die Jagd hier ist natürlich, anders als in Deutschland, ein professionelles Geschäft. Aber irgendwie scheinen die Gamekeeper das gut zu beherrschen, wenn ich tagaktives Wild erlebe, dem ich mich auf 20 Meter nähern kann.

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Johann Reitbauer schrieb:


Es ist einfach nur mehr traurig wie man mit unserem Schalenwild umgeht , diese Tiere werden wie Schädlinge sinnlos bekämpft , jeder Jäger sollte erst einmal nachdenken , bevor er den Finger krumm macht, es kann doch nicht sein das wir uns als Jäger zu Schädlingsbekämpfer degradieren lassen.

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Österreichische Bundesforste schrieb:


Selbstverständlich wurden alle jagdrechtlichen und tierschutzethischen Bestimmungen eingehalten. Die Erlegung erfolgte in ausreichendem Abstand von der Fütterung – zusätzlich abgeschirmt durch einen Geländerücken und deutlich unterhalb der Fütterung -, um das Wild an der Fütterung nicht zu beunruhigen. Während des Zeitraums der Erlegung und Bergung haben an der Fütterung rund 40 Tiere vollkommen ungestört und ohne Fluchtverhalten Futter aufgenommen. Die im Video getätigten Aussagen entbehren daher jeglicher Grundlage und weiterer Diskussion.
Weitere Informationen zur Situation im Angertal, die auch bereits durch einschlägige Gerichtsurteile sinngemäß festgestellt wurde: https://bit.ly/376rywq

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Christine Miller schrieb:


Im Rahmen einer offenen Diskussion veröffentlichen wir auch diese Aussage des betroffenen Forstbetriebs, ohne die Möglichkeit zu haben, die gemachten Aussagen zu überprüfen. Aus den erwähnten Gerichtsakten geht hervor, dass eine bestehende Rotwildfütterung an einen weniger geeigneten, tieferen Standort verlegt wurde. Diese Fütterung wird nun vom Personal der Bundesforste betreut. Die Qualität des Fütterungsbetriebs kann nicht überprüft werden. Die Begründung für den Kampf der Bundesforste gegen die Hochlagenfütterung: eine vergraste und teilweise unter Weideeinfluss stehende Freifläche von 8 Hektar soll sich ohne begleitende forstliche Maßnahmen verjüngen. Als „Lösung“ wurde die Auflösung einer Hochlagenfütterung angeordnet, die als einzige Überwinterungseinrichtung für Rotwild im südlichen Hegering unterhalten wurde. Die als Begründung angeführten Schälschäden stehen in keinerlei ursächlichen Zusammenhang mit der Hochlagenfütterung. Anderslautende Aussagen stellen unwahre Tatsachenbehauptungen dar.

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