Blogpost
Montag, 04. Mai 2026

Scrollicon
Ein Berghang mit herbstlich gefärbten Laubbäumen, Blick von seitlich oben auf die dichte Kronendecke
04. Mai 2026, 12:30    office@wildes-bayern.de

Die Buche – Zukunftsbaum oder Todeskandidat?


Seit mindestens 40 Jahren wird uns die Buche als Deutschlands Heimatbaum verkauft. Buchenwälder sollen sozusagen das natürliche Kleid Deutschlands sein. Folglich gilt: Lässt das Wild die Buchen nicht in den Himmel wachsen, ist das ein Totschuss-Argument. Viele Jäger können wohl ein Lied davon singen, wie über das Thema Buchenverbiss im Vegetationsgutachten ihre Abschussvorgaben hochgeschraubt wurden.

Aber jetzt zeigt sich: die Baumart ist eine der Haupt-Leidtragenden bei Trockenstress – und das schon seit 20 Jahren. Warum das so ist, darüber grübeln die Forstbotaniker und Waldbauern. Klar ist jedenfalls: Sinkende Grundwasserspiegel und Hitzestress können zu schweren Schäden bei Altbäumen führen.

Ein deutliches Bild davon zeichnet die neue Broschüre: „Buche akut“ von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Schon im Inhaltsverzeichnis wird klar, dass hier keine frohen Zukunftsaussichten ausgebreitet werden. Es dominieren Begriffe wie „starke Schäden und erhöhte Mortalität“, „Krankheitsverlauf der Buchenvitalitätsschwäche“ oder „Risiko“.

Ob die Buche als bestandsbildende Baumart in Deutschland eine Zukunft hat, ist tatsächlich umstritten. Vielleicht helfen andere waldbauliche Eingriffe? Denn tiefbeastete Buchen scheinen etwas widerstandsfähiger zu sein, ebenso – vielleicht – Altbuchen, die in ihrer Jugend längere Stressphasen erlebt haben.

Während Forstwissenschaftler und Waldbesitzer sich noch den Kopf zerbrechen müssen, wie sie mit ihren Buchenbeständen umgehen sollen, bleibt für viele Wildtierfreunde die Erkenntnis: Die schlichte Formel „wenig Verbiss (also kaum noch oder kein pflanzenfressendes Wild im Wald) = top Wald(um)bau“ ist vor allem eines ist: sehr, sehr schlicht! Zukunftsweisend ist sie jedenfalls keineswegs.

Wie sich unsere Wälder entwickeln werden, wissen wir nicht. Es gibt Modelle, und diese Modelle müssen laufend an den jeweils aktuellen Kenntnisstand angepasst werden. Für Waldbesitzer heißt das, dass ihr Geschäft weniger kalkulierbar wird – eine Erkenntnis, die viele große Grundbesitzer schon länger haben. Nicht umsonst ist die Umwandlung von Waldflächen in Gewerbegebiete – zum Beispiel für Windkraft – bei der aktuellen Förderpraxis die gewinnbringendste Art der Forstwirtschaft.

Aber für alle, die bei Waldbegängen draußen über die Auswirkungen von Wildtieren auf die Waldentwicklung diskutieren (müssen), hier ein Tipp: Hinterfragen Sie genau, welchen Wald der Zukunft unsere Wildtiere denn angeblich verhindern. Denn mit Fakten haben die meisten dieser Diskussionen kaum etwas zu tun.

Die Broschüre „Buche akut“ können Sie sich hier herunterladen

Einen Bericht der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe zu dem Leitfaden finden Sie hier

Bildquelle: ma_frank/Pixabay




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Rotwildinitiative Schönbuch fordert Abschussstop

„Schädling“? Das Reh ist der Sündenbock der Forstlobby

Tagung Jagd & Artenschutz: Positionspapier jetzt im Landtag

Nennt es, was es ist: Schädlingsbekämpfung

Gastbeitrag: Zwischen Hegeauftrag und Waidgerechtigkeit

Vorträge zu „Naturschutzbeweidungen im Wald“ jetzt online

Wilde Schweine alt werden lassen!

Wildereifälle am Chiemsee – wer hat was gesehen?

„Sündenbock Reh“ – Film über Wild und Forst in der Mediathek

„Die Faust im Nacken“ der Jagdgenossen

Rotwild – Tier des Jahres oder Spielball von Forst und Jagd?

Treffpunkt Wurzelteller: Das „Marktcafé“ der Waldtiere

Bayern braucht eine Jagdpräsidentin UPDATE

Linktipp: Artikel über Österreichs Jagdpolitik

Vorfall Kanisfluh 2022: Drohnenpilot verurteilt

Jungjäger zum achtsamen Jagen bringen

Jagd oder Wilderei – wo sind hier die Grenzen?

Hirsch äst am Silo – abgeknallt

UPDATE Rottach-Egern: Jagdgenossen gehen auf die Barrikaden

Und wieder knallts in einer Eigenbewirtschaftung UPDATE

Was uns Jagdunfälle lehren müssen

UPDATE Jagdgesetz: Das Marode wird zementiert

Wildes Bayern-Vorsitzende sprach über den Schutz von Säugetieren

FILMTIPP: Berührende Gedanken zur Jagd auf Gams

Wildes Bayern setzt Maßstäbe! UPDATE

München: Wildes Bayern stoppt Baumfällungen UPDATE

Buchtipp: Die Besonderheiten der Borkenkäfer

Warum kein Gamsbock zwischen 4 und 12 Jahren sterben sollte

VIDEO Großartiges Fernseh-Duell: Tierschützerin trifft Jäger

UPDATE – EU verabschiedet Bodenüberwachungsgesetz






Aktuelle Informationen



Nicht vergessen: 20. Juni Mitgliederversammlung Hier zur Erinnerung nochmal der Termin der Wildes Bayern-Mitgliederversammlung: Wir treffen uns am 20. Juni 2026 im Gasthof Neuwirt in…

Dienstag, 16. Juni 2026
Jetzt lesen
Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus Wenn der Mensch im Wald Lücken im Blätterdach schafft und Totholz liegen lässt, kommen mehr Vögel und Fledermäuse in diesen…

Dienstag, 16. Juni 2026
Jetzt lesen
Vorbildliches Bündnis naturschützender Verbände in Herborn In Herborn in Hessen haben die Naturschutzverbände inklusive Jagdverband ein vorbildliches Bündnis geschlossen und sich gemeinschaftlich gegenüber der Stadt zur…

Dienstag, 16. Juni 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden