Seit mindestens 40 Jahren wird uns die Buche als Deutschlands Heimatbaum verkauft. Buchenwälder sollen sozusagen das natürliche Kleid Deutschlands sein. Folglich gilt: Lässt das Wild die Buchen nicht in den Himmel wachsen, ist das ein Totschuss-Argument. Viele Jäger können wohl ein Lied davon singen, wie über das Thema Buchenverbiss im Vegetationsgutachten ihre Abschussvorgaben hochgeschraubt wurden.
Aber jetzt zeigt sich: die Baumart ist eine der Haupt-Leidtragenden bei Trockenstress – und das schon seit 20 Jahren. Warum das so ist, darüber grübeln die Forstbotaniker und Waldbauern. Klar ist jedenfalls: Sinkende Grundwasserspiegel und Hitzestress können zu schweren Schäden bei Altbäumen führen.
Ein deutliches Bild davon zeichnet die neue Broschüre: „Buche akut“ von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Schon im Inhaltsverzeichnis wird klar, dass hier keine frohen Zukunftsaussichten ausgebreitet werden. Es dominieren Begriffe wie „starke Schäden und erhöhte Mortalität“, „Krankheitsverlauf der Buchenvitalitätsschwäche“ oder „Risiko“.
Ob die Buche als bestandsbildende Baumart in Deutschland eine Zukunft hat, ist tatsächlich umstritten. Vielleicht helfen andere waldbauliche Eingriffe? Denn tiefbeastete Buchen scheinen etwas widerstandsfähiger zu sein, ebenso – vielleicht – Altbuchen, die in ihrer Jugend längere Stressphasen erlebt haben.
Während Forstwissenschaftler und Waldbesitzer sich noch den Kopf zerbrechen müssen, wie sie mit ihren Buchenbeständen umgehen sollen, bleibt für viele Wildtierfreunde die Erkenntnis: Die schlichte Formel „wenig Verbiss (also kaum noch oder kein pflanzenfressendes Wild im Wald) = top Wald(um)bau“ ist vor allem eines ist: sehr, sehr schlicht! Zukunftsweisend ist sie jedenfalls keineswegs.
Wie sich unsere Wälder entwickeln werden, wissen wir nicht. Es gibt Modelle, und diese Modelle müssen laufend an den jeweils aktuellen Kenntnisstand angepasst werden. Für Waldbesitzer heißt das, dass ihr Geschäft weniger kalkulierbar wird – eine Erkenntnis, die viele große Grundbesitzer schon länger haben. Nicht umsonst ist die Umwandlung von Waldflächen in Gewerbegebiete – zum Beispiel für Windkraft – bei der aktuellen Förderpraxis die gewinnbringendste Art der Forstwirtschaft.
Aber für alle, die bei Waldbegängen draußen über die Auswirkungen von Wildtieren auf die Waldentwicklung diskutieren (müssen), hier ein Tipp: Hinterfragen Sie genau, welchen Wald der Zukunft unsere Wildtiere denn angeblich verhindern. Denn mit Fakten haben die meisten dieser Diskussionen kaum etwas zu tun.
Die Broschüre „Buche akut“ können Sie sich hier herunterladen
Bildquelle: ma_frank/Pixabay
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