„Die Faust im Nacken“ – so hieß ein alter Film mit dem jungen Marlon Brando, der als Rebell gegen die mafiösen Strukturen eines Lobbyverbandes (die Hafenarbeiter-Gewerkschaft) kämpfte. Daran musste ich denken, als ich den Bericht im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) über die Jahresversammlung des Kreisverbands der Jagdgenossenschaften Rosenheim las.
Das Hauptthema war dort, wie sicher in vielen Versammlungen von Jägern und Jagdgenossen (also Grundeigentümern), das neue Jagdgesetz. Es dürfte schwer sein, jemand zu finden, der über diese Verschlimmbesserungen am Jagdgesetz wirklich zufrieden ist. Zu groß sind die Ungenauigkeiten, die Schlampigkeiten in Formulierung und Ausgestaltung dieser Novelle.
Aber es zeigt auch, aus welcher Ecke der – bescheidene – Applaus kommt. Wir können hier dem Vorsitzenden des Kreisverbandes der Jagdgenossenschaften in Rosenheim, dem Franz Schnaiter, dankbar sein, dass er so deutlich und unverhohlen ausgesprochen hat, wes Geistes Kind er ist.
Zu den Mängeln des neuen Gesetzes gehört für ihn, dass es immer noch Bremsen für den rücksichtslosen Umgang mit den unerwünschten Kreaturen in Feld, Wald und Flur gibt. Nachtsichtgeräte müssen endlich auf alles Schalenwild erlaubt sein, damit man auch nachts die Tiere töten kann; Hegeschauen gehören endlich abgeschafft – zu viel Transparenz beim Umgang mit Wildpopulationen ist letztlich unerwünscht.
Denn – und hier zitieren wir wörtlich aus dem Bericht der Tageszeitung: „Die Jagdgenossenschaften und Jäger haben laut Schnaiter nicht nur das Gesetz, sondern auch Christine Miller im Nacken.“ Das mag der Herr Schnaiter nicht. Er möchte also lieber einen Freibrief für Naturvernichtung und niemanden, der ein kritisches Auge auf den Umgang mit unseren Naturschätzen durch die Jagdgenossen/Landwirte wirft.
Wenn man den Vergleich zwischen den Zuständen und Strukturen im heimischen Wald mit denen der Dockarbeiter im Brando-Film bemüht, dann gibt es auf der einen Seite mächtige Verbände, wie die ARGE (Arbeitsgemeinschaft) der Jagdgenossenschaften, den Bauernverband und den Waldbesitzerverband (WBV), die zusammen mit einem „neutralen Fachmann“ (so Schnaiters Beschreibung der Revierförster vom Amt für Land- und Forstwirtschaft) und einigen Parteien (CSU, GRÜNE) jetzt bestimmen, wie man mit Wildtieren und Natur und wie mit den Jägern umgehen kann. Die Naturfeinde nennen das „Stärkung der Eigenverantwortung“. Jeder kann selbst bestimmen, wieviel Natur und Wild er noch dulden möchte.
Auf der anderen Seite gibt es kaum noch ein Korrektiv. Das bisschen Rest-Gesetz, das noch für Ausgleich sorgen soll, sitzt dabei den braven Jagdgenossen ebenso „im Nacken“ wie offensichtlich ein kleiner Naturschutzverein, das Wilde Bayern.
Denn auch bei den Jägern, die eigentlich den gesetzlichen Auftrag haben, dafür zu sorgen, dass Wildtiere als gesunde und lebensfähige Elemente unserer Heimat erhalten bleiben, frohlocken einige über das neue Jagdgesetz, wie gerade erst bei einer Hegeschau bei Kempten in Schwaben gezeigt. Der dortige Kreisgruppenvorsitzende wurde nicht müde zu betonen, wie gut und modern die neuen Regelungen doch seien.
Auch ein Redner, der für einen Posten im Präsidium des Landesjagdverbandes kandidierte, lobte die neue „Eigenverantwortung“. Offensichtlich haben diese Jagdfunktionäre nicht verstanden, was das bedeutet: keine Abwägung mehr zwischen Wildtieren und Anspruchsdenken von Grundbesitzern und Jägern, keine großräumigere Betrachtung des Umgangs mit Wild, wie es noch in Hegegemeinschaften erforderlich ist.
Alles soll nun ins Belieben von Leuten gestellt werden, die sich um nichts anderes mehr Gedanken machen müssen als ihre eigenen Wünsche Ziele und Befindlichkeiten. Zum Glück gibt es noch jemand, der hier aufpasst und den Egoisten, Naturvernichtern und Wildhassern und ihrem enggewobenen Netz aus Lobbyverbänden, Behörden und Politikern im Nacken sitzt – das Wilde Bayern.
Vielleicht sollte ich mir noch eine Lederkombi und einen Enterhaken dazu kaufen.
CM
Den Artikel im OVB finden Sie hier zum Nachlesen
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