Blogpost
Freitag, 17. April 2026

Scrollicon
Schwarz-weiß-Foto des jungen Marlon Brando vor einem Schiff
17. April 2026, 11:43    office@wildes-bayern.de

„Die Faust im Nacken“ der Jagdgenossen


„Die Faust im Nacken“ – so hieß ein alter Film mit dem jungen Marlon Brando, der als Rebell gegen die mafiösen Strukturen eines Lobbyverbandes (die Hafenarbeiter-Gewerkschaft) kämpfte. Daran musste ich denken, als ich den Bericht im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) über die Jahresversammlung des Kreisverbands der Jagdgenossenschaften Rosenheim las.

Das Hauptthema war dort, wie sicher in vielen Versammlungen von Jägern und Jagdgenossen (also Grundeigentümern), das neue Jagdgesetz. Es dürfte schwer sein, jemand zu finden, der über diese Verschlimmbesserungen am Jagdgesetz wirklich zufrieden ist. Zu groß sind die Ungenauigkeiten, die Schlampigkeiten in Formulierung und Ausgestaltung dieser Novelle.

Aber es zeigt auch, aus welcher Ecke der – bescheidene – Applaus kommt. Wir können hier dem Vorsitzenden des Kreisverbandes der Jagdgenossenschaften in Rosenheim, dem Franz Schnaiter, dankbar sein, dass er so deutlich und unverhohlen ausgesprochen hat, wes Geistes Kind er ist.

Zu den Mängeln des neuen Gesetzes gehört für ihn, dass es immer noch Bremsen für den rücksichtslosen Umgang mit den unerwünschten Kreaturen in Feld, Wald und Flur gibt. Nachtsichtgeräte müssen endlich auf alles Schalenwild erlaubt sein, damit man auch nachts die Tiere töten kann; Hegeschauen gehören endlich abgeschafft – zu viel Transparenz beim Umgang mit Wildpopulationen ist letztlich unerwünscht.

Denn – und hier zitieren wir wörtlich aus dem Bericht der Tageszeitung: „Die Jagdgenossenschaften und Jäger haben laut Schnaiter nicht nur das Gesetz, sondern auch Christine Miller im Nacken.“ Das mag der Herr Schnaiter nicht. Er möchte also lieber einen Freibrief für Naturvernichtung und niemanden, der ein kritisches Auge auf den Umgang mit unseren Naturschätzen durch die Jagdgenossen/Landwirte wirft.

Wenn man den Vergleich zwischen den Zuständen und Strukturen im heimischen Wald mit denen der Dockarbeiter im Brando-Film bemüht, dann gibt es auf der einen Seite mächtige Verbände, wie die ARGE (Arbeitsgemeinschaft) der Jagdgenossenschaften, den Bauernverband und den Waldbesitzerverband (WBV), die zusammen mit einem „neutralen Fachmann“ (so Schnaiters Beschreibung der Revierförster vom Amt für Land- und Forstwirtschaft) und einigen Parteien (CSU, GRÜNE) jetzt bestimmen, wie man mit Wildtieren und Natur und wie mit den Jägern umgehen kann. Die Naturfeinde nennen das „Stärkung der Eigenverantwortung“. Jeder kann selbst bestimmen, wieviel Natur und Wild er noch dulden möchte.

Auf der anderen Seite gibt es kaum noch ein Korrektiv. Das bisschen Rest-Gesetz, das noch für Ausgleich sorgen soll, sitzt dabei den braven Jagdgenossen ebenso „im Nacken“ wie offensichtlich ein kleiner Naturschutzverein, das Wilde Bayern.

Denn auch bei den Jägern, die eigentlich den gesetzlichen Auftrag haben, dafür zu sorgen, dass Wildtiere als gesunde und lebensfähige Elemente unserer Heimat erhalten bleiben, frohlocken einige über das neue Jagdgesetz, wie gerade erst bei einer Hegeschau bei Kempten in Schwaben gezeigt. Der dortige Kreisgruppenvorsitzende wurde nicht müde zu betonen, wie gut und modern die neuen Regelungen doch seien.

Auch ein Redner, der für einen Posten im Präsidium des Landesjagdverbandes kandidierte, lobte die neue „Eigenverantwortung“. Offensichtlich haben diese Jagdfunktionäre nicht verstanden, was das bedeutet: keine Abwägung mehr zwischen Wildtieren und Anspruchsdenken von Grundbesitzern und Jägern, keine großräumigere Betrachtung des Umgangs mit Wild, wie es noch in Hegegemeinschaften erforderlich ist.

Alles soll nun ins Belieben von Leuten gestellt werden, die sich um nichts anderes mehr Gedanken machen müssen als ihre eigenen Wünsche Ziele und Befindlichkeiten. Zum Glück gibt es noch jemand, der hier aufpasst und den Egoisten, Naturvernichtern und Wildhassern und ihrem enggewobenen Netz aus Lobbyverbänden, Behörden und Politikern im Nacken sitzt – das Wilde Bayern.

Vielleicht sollte ich mir noch eine Lederkombi und einen Enterhaken dazu kaufen.

CM

Den Artikel im OVB finden Sie hier zum Nachlesen

Bildquelle: Foto aus "On the Waterfront" von 1954




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Rotwild – Tier des Jahres oder Spielball von Forst und Jagd?

…und in wenigen Tagen Jagd?!

Bayern braucht eine Jagdpräsidentin UPDATE

Linktipp: Artikel über Österreichs Jagdpolitik

Vorfall Kanisfluh 2022: Drohnenpilot verurteilt

Jagdgesetz – Bayerns Abschied von der Fairness

Jungjäger zum achtsamen Jagen bringen

Jagd oder Wilderei – wo sind hier die Grenzen?

Jetzt anmelden: Tagung Jagd & Artenschutz

UPDATE Rottach-Egern: Jagdgenossen gehen auf die Barrikaden

Was uns Jagdunfälle lehren müssen

Wildtierrettung – was die Jagd betrifft

UPDATE Jagdgesetz: Das Marode wird zementiert

Wildes Bayern-Vorsitzende sprach über den Schutz von Säugetieren

FILMTIPP: Berührende Gedanken zur Jagd auf Gams

Wildes Bayern setzt Maßstäbe! UPDATE

Warum kein Gamsbock zwischen 4 und 12 Jahren sterben sollte

VIDEO Großartiges Fernseh-Duell: Tierschützerin trifft Jäger

Jetzt Mitglied werden und kostenlos die Messe in Grünau besuchen!

Polizei ermittelt in Enterrottach: Jungtier krankgeschossen und liegen gelassen

Bunte Akrobatik mit Abschusszahlen im Unterallgäu

Wundersame Reviervermehrung im Forstbetrieb Berchtesgaden UPDATE

Zugvögel in Gefahr? Turteltaubenjagd in Malta

UPDATE Saufang „Pig Brig“ – was der Einsatz wirklich bedeutet

St. Gallen – eindrucksvolles Eintreten fürs Wild

Wozu braucht es altes Wild?

UPDATE Gams-Freihaltungen in Vorarlberg unionsrechtswidrig

Rotwild-Forum Werra-Fulda fordert Jagdbeginn nicht vor 1. Mai

Ausstellung Jagd-Hund-Mensch in Südtirol

UPDATE Mehr Nachtzieltechnik, weniger Waidgerechtigkeit






Aktuelle Informationen



Eichhörnchen in der Stadt - besser oder schlechter dran? Zwischen Parkbank und Baumkrone entscheidet sich ein von uns fast unbemerkter Wettkampf ums Überleben: Mitten in unseren Städten passen sich…

Freitag, 17. April 2026
Jetzt lesen
Naturinteressierte Wanderer gesucht in der Rhön Die Regierung von Unterfranken sucht Naturinteressierte in der Rhön für die Suche nach dem seltenen Schwarzen Apollo, einer Tagfalterart. Der…

Donnerstag, 16. April 2026
Jetzt lesen
Rotwild – Tier des Jahres oder Spielball von Forst und Jagd? Ein Gastbeitrag von Wildmeister Dieter Bertram Jahrhunderte alt sind die Wechsel der Hirsche zwischen Eifel und Ardennen. Doch die Willkommenskultur…

Donnerstag, 16. April 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden