Blogpost
Donnerstag, 29. Januar 2026

Scrollicon
Was uns Jagdunfälle lehren müssen
29. Januar 2026, 12:03    office@wildes-bayern.de

Was uns Jagdunfälle lehren müssen


Am Abend des 9. Januar kam es in Norddeutschland zu einem tragischen und schockierenden Jagdunfall, bei dem ein 23-jähriger Jäger von einem Jagdkollegen erschossen wurde. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen ihm nahestehenden Menschen.

Der Vater, selbst Jäger und Schweißhundeführer, ist trotz oder gerade wegen seiner tiefen Trauer in die Öffentlichkeit gegangen und findet starke Worte dafür, was sich in der Jagd ändern muss. Wir möchten dafür hier Raum geben, denn das, was er aufgreift, betrifft ansonsten auch Tag für Tag unsere Wildtiere – doch niemand entdeckt deren Leiden so, wie es offengelegt wird, wenn ein Mensch betroffen ist.

Wir möchten in diesem Zusammenhang zum Beispiel auf den Vorfall von Rottach-Egern hinweisen, wo offenbar nach Dunkelheit ein führendes Alttier geschossen wurde, ebenso wie – ganz aktuell – auf eine nächtens erlegte Rehgeiß, die bei einer Polizeikontrolle in einem Auto entdeckt wurde … all das sind nur Schlaglichter, die das gleiche zugrundeliegende Problem erahnen lassen. Der Vater des verstorbenen jungen Jägers spricht einen Teil davon an. Seine Kritik gilt mangelnder Ausbildung und zu geringer jagdlicher Erfahrung in Kombination mit hoch leistungsfähiger Technik, insbesondere für die Nachtsicht. Sitzt dann der Finger des Schützen auch noch zu locker, kann das tragische Folgen haben.

Der Überläufer-Chefredakteur Lucas von Bothmer führte ein gut halbstündiges Gespräch mit dem Vater, das Sie sich hier im Überläufer-Podcast online anhören können.

Darüber hinaus schreibt Lucas von Bothmer auf seinem facebook-Account Folgendes (Auszüge) https://www.facebook.com/lucas.bothmer:

„Den gestrigen Sonntag verbrachte ich bei und mit Wilfried Kersting. Bis vor zweieinhalb Wochen war der Mann eine baumlange, westfälische Eiche, die nix umhauen konnte. Ein warmherziger Machertyp, leidenschaftlicher Jäger und passionierter Schweißhundeführer, bekannt für seine Lebensfreude.

Doch diese verschwand in der Nacht des 9. Januars spurlos. Sie wich erst einem totalen Schock, dann tiefer Verzweiflung und hat nun einem ehrlichen Entsetzen über Fehlentwicklungen innerhalb der Jägerschaft Platz gemacht, die krank machen. (…)

Denn am 9. Januar 2026 um etwa 20.24 wurde sein einziger Sohn Kevin im eigenen Revier Opfer eines Jagdunfalls, der einfach nur ratlos macht.

(…)

Es deutet – in Ermangelung anderer Erklärungen – vieles darauf hin, dass bei diesen (und etlichen anderen Unfällen seit 2019) jener neuartige „Vierklang“ aus unkontrollierbarem Beutetrieb, fehlender Erfahrung, heilloser Selbstüberschätzung und missbräuchlicher Verwendung modernster Präzisionstechnik vorgelegen hat. Es ist dabei völlig egal, wieviele von uns und Euch mit dieser hochpräzisen Technik wie gute Erfahrungen gemacht- und wie wenige von uns sie im Revier noch missen wollen. Es geht nicht um all die vermutlich vielen, die fast alles richtig machen! Es geht um die (gar nicht so) wenigen, die nachweislich alles völlig falsch machen! Und diese werden erstens täglich mehr- und schlimme Unfälle häufen sich zweitens… (…)
Wenn alle Jagdschulen ähnlich gut und liebevoll ausbilden,- Prüfer überall gleich und richtig streng prüfen würden -, und sich Reviere nicht allmählich in „World of Warcraft“ Kulissen verwandeln würden, wäre sein Sohn wohl noch am Leben. Nach dem Gespräch und dem Besuch gestern ist mir unweigerlich klar geworden, dass die Jagd in Deutschland, wenn wir keinen drastischen Kurswechsel vornehmen – tatsächlich „mit der Zeit geht“ – und zwar aus privaten – direkt in staatliche Jägerhände.“

Bildquelle: privat




Ludwig Fegg schrieb:


Es tut so weh!
Nachtzielgeräte sind entwickelt worden für militärische Einsätze. Leider meinen manche „jagdlichen Waffenträger“, ich will sie nicht als Jäger bezeichnen, dass es vornehmlich gilt, zu schießen.
Nein, Jagd ist der richtige Umgang mit der Natur, dem Wild, dessen Lebensräumen, den Wäldern und den Wiesen. Jagd ist ein Handwerk, das erlernt sein will. Auf helle Flecken in absoluter Dunkelheit mit dem Nachtzielgerät zu schießen kann der Dümmste. Ob dabei richtig angesprochen wurde, steht auf einem anderen Blatt, ist aber das Wichtigste!
Dem Wild werden heute vielfach die Lebensräume, die Äsungsmöglichkeiten und Ruhezonen genommen.
Wann eigentlich soll das Wild noch in Ruhe äsen und auf den Läufen sein? Tagsüber sind wir Menschen doch sowieso überall, auch in entlegensten Gebieten unterwegs. So sollte doch wenigstens die Nacht den Wildtieren gehören.
Bin in einer Jägerfamilie groß geworden. Zur Jagd gehört das Erlegen von Wild. Aber das muss ordentlich geschehen!
Bin der festen Überzeugung, dass Nachtzielgeräte nicht in die Hände von Privatpersonen gehören. Solche Geräte braucht wohl in erster Linie das Militär die Polizei und ähnliche Behörden. Vielleicht auch in gewissen Bereichen und in beschränkter Zahl und genau überwacht, an erfahrene Schwarzwildjäger, die damit umsichtig jagen sollten.
Ich spreche Herrn Wilfried Kersting hiermit mein aufrichtiges Beileid aus und stimme ihm voll zu!
Danke für die offenen Worte und seinen Willen hier wieder einen besseren Weg zu finden.
Als Jäger mit über 40 Jahresjagdscheinen muss auch ich hier laut geben!
Mit Waidmannsheil
Ludwig Fegg

Antworten
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Jungjäger zum achtsamen Jagen bringen

Jagd oder Wilderei – wo sind hier die Grenzen?

Jetzt anmelden: Tagung Jagd & Artenschutz

UPDATE Jagdgesetz: Das Marode wird zementiert

Wildes Bayern-Vorsitzende sprach über den Schutz von Säugetieren

FILMTIPP: Berührende Gedanken zur Jagd auf Gams

Wildes Bayern setzt Maßstäbe! UPDATE

Warum kein Gamsbock zwischen 4 und 12 Jahren sterben sollte

VIDEO Großartiges Fernseh-Duell: Tierschützerin trifft Jäger

Jetzt Mitglied werden und kostenlos die Messe in Grünau besuchen!

Polizei ermittelt in Enterrottach: Jungtier krankgeschossen und liegen gelassen

Bunte Akrobatik mit Abschusszahlen im Unterallgäu

Wundersame Reviervermehrung im Forstbetrieb Berchtesgaden UPDATE

Zugvögel in Gefahr? Turteltaubenjagd in Malta

UPDATE Saufang „Pig Brig“ – was der Einsatz wirklich bedeutet

St. Gallen – eindrucksvolles Eintreten fürs Wild

Wozu braucht es altes Wild?

UPDATE Gams-Freihaltungen in Vorarlberg unionsrechtswidrig

Rotwild-Forum Werra-Fulda fordert Jagdbeginn nicht vor 1. Mai

Ausstellung Jagd-Hund-Mensch in Südtirol

UPDATE Mehr Nachtzieltechnik, weniger Waidgerechtigkeit

Sonderausstellung Fuchs im Bündner Naturmuseum

Wie EU-Rechts-konform ist das Jagdgesetz Oberösterreich? UPDATE

21. Mai Vortrag – Warum Wildtiere erfassen?

Umgang mit dem Muffelwild in Rheinland-Pfalz

UPDATE – Position: Strukturierte Abschusspläne wichtiger denn je!

UPDATE: Warum die Jagd im April der falsche Weg ist

UPDATE Schonzeitaufhebung – nächster Etappensieg, doch der Kampf geht weiter

Schonzeit der Rehe muss auch in Hof erhalten bleiben!

Ausstellungstipp im Nachhinein: „Hello Nature“






Aktuelle Informationen



Walzverbot gelockert: Für Märzhasen und Gelege der Tod Wiesen und Grünland dürfen in Bayern dieses Jahr nicht nur bis zum 15. März, sondern bis zum 1. April gewalzt…

Dienstag, 17. März 2026
Jetzt lesen
Was bringt der Biber? In den Nationalparks Bayerischer Wald und Sumava/Tschechien wird der Einfluss des Bibers auf die Natur erforscht. Das hat der Nationalpark…

Dienstag, 17. März 2026
Jetzt lesen
protectAlps: Schlechte Neuigkeiten für alpine Insekten Unsere vermeintlich heile, gesunde Bergwelt leidet längst unter den Emissionen von dicht besiedelten Gebieten im Tal - das ist nicht…

Dienstag, 17. März 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden