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Samstag, 09. August 2025

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St. Gallen – eindrucksvolles Eintreten fürs Wild
09. August 2025, 07:23    office@wildes-bayern.de

St. Gallen – eindrucksvolles Eintreten fürs Wild


So einen Auftritt könnte man sich von den heimischen Jagdverbänden, speziell in Bayern, nur wünschen: Die Jägerschaft im Kanton St. Gallen hat es geschafft, sich mithilfe einer fundierten, umfangreichen Stellungnahme zum Rotwild das Eingreifen staatlicher Wildhüter vom Hals zu halten.

Das Ganze hat schon 2022 seinen Lauf genommen: Da wurde im Zuge der Jagdgesetzänderung in St. Gallen über die künftige Regelung zur Vergabe von Revieren an Jagdgesellschaften entschieden. Im Zuge dessen kam es aber auch zu einem Vorstoß, der die Rotwildjagd deutlich verschärfen sollte: Weil nicht alle Rotwildgemeinschaften ihre Abschusspläne erfüllten, sollten nach Vorstellung der Regierung „neue gesetzliche Grundlagen für die Jagdplanung und Steuerung der Rotwildpopulation im Kanton St.Gallen“ geschaffen werden. „Die einzelnen Jagdreviere sollen innerhalb der Rotwildhegegemeinschaften stärker in die Jagdplanung eingebunden und in die Pflicht genommen werden. Die kantonalen Jagdbehörden sollen die notwendigen Instrumente erhalten, um die Abschussvorgaben durchzusetzen“ – sprich, die Wildhut sollte eingreifen dürfen.

Doch die Jägerschaft war auf Zack und reagierte mit einer umfassenden Stellungnahme. Dank ihrer Broschüre „Wald ist mehr als Bäume“ konnte sie belegen, dass die Schuld an Waldproblemen nicht beim Rotwild lag. Der Kantonsrat kippte in der Folge die von der Regierung unterstützte Motion mit 70 zu 42 Stimmen.

Jetzt melden sich die Jäger aus aktuellem Anlass wieder zu Wort und haben ihre Stellungnahme als Broschüre herausgegeben. Hier einige geraffte Auszüge aus einer Pressemitteilung dazu von RevierJagd St. Gallen:

  • Jahrzehntelange Monokulturförderung (v. a. Rottanne), Klimastress, Windwurf, Borkenkäferbefall, intensive Landwirtschaft etc. tragen wesentlich zur aktuellen Wald-Wild-Problemaik bei. Der Wildverbiss mag lokal ein Symptom sein, das unter anderem mit Hilfe der Jagd angegangen werden muss.
  • Der Rückgang offener Weideflächen infolge aufgegebener Alpweiden, dichte Waldbestände mit wenig Lichteinfall, zuwachsende Äsungsflächen und intensive Freizeitnutzung führen dazu, dass sich das Wild dorthin zurückziehen muss, wo Nahrung und Deckung noch vorhanden sind. Dies kann lokal zu erhöhtem Wilddruck führen, weil geeignete Rückzugs- und Ruhebereiche immer seltener werden. Es ist die gemeinsame Aufgabe von Jagd, Forst, Landwirtschaft und Behörden, Lebensräume zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Natur reguliert sich nicht allein über politisch verordnete Bejagung. Lebensraumgestaltung und Waldumbau gehören zwingend dazu.
  • Die Abschusspläne werden im Kanton St.Gallen weitgehend erfüllt und teilweise sogar übertroffen. So wird erfolgreich auf eine Regulation des weiblichen Rotwildbestands hingearbeitet, um die Reproduktion nachhaltig zu beeinflussen (Rückgang gemäss Zählung 2025 im Sarganserland um über 10%).
  • Statt einseitiger Stimmungsmache über die Medien, braucht es einen lösungsorientierten Dialog zwischen Förstern, Jägern, Waldeigentümern, Landwirten und Behörden. Schutzwaldpflege, Lebensraumverbesserung, Bejagung und Eigentümerverantwortung müssen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. Die Politik ist gefordert, diesen Prozess aktiv zu unterstützen.

Die vollständige Broschüre „Wald ist mehr als Bäume“ könnt Ihr hier herunterladen




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