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Mittwoch, 10. Juni 2026

Scrollicon
Foto einer Waldfront aus komplett abgestorbenen Fichten
10. Juni 2026, 10:23    office@wildes-bayern.de

Der Buchdrucker – Mahner für den Mischwald


Das bundesweite Rote Liste-Zentrum hat bei seiner „Art des Monats“ eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Wahl getroffen: den Buchdrucker! Wie bitte, Deutschlands wohl verhasstester Waldschädling neben dem Reh soll hier aufs Podest gehoben werden?

Aber wie auch beim Reh zeigt sich: Der Status des Schädlings ist äußerst relativ, und von einer anderen Seite betrachtet, ist der Buchdrucker erstmal ein ganz normaler Teil des Ökosystems Wald, mit allen Stärken und Schwächen. Blöd halt, dass er sich ausgerechnet auf Deutschlands „Brotbaum“, die Fichte, spezialisiert hat.

Die ist nicht nur massenhaft in Monokultur vorhanden, sondern aufgrund der aktuellen klimatischen Entwicklungen oft auch schwächer in ihrer Abwehr, als es gut wäre. Der Buchdrucker wittert hier also seine Chance und setzt alle seine evolutionär ausgefeilten Strategien in Gang, um die Bäume zu erobern. Im Porträt wird er dafür sogar als „urtümlicher Landwirt“ bezeichnet, denn er zersetzt den Rindenbast mithilfe eines Pilzes, mit dem er das Holz beimpft.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen in unseren Forsten läuft es für den Buchdrucker schlicht optimal, und das spiegelt sich in seiner Fortpflanzungsrate wider. Die Weibchen haben bis zu 50 Nachkommen und das mehrmals im Jahr – zehntausende Käfer entwickeln sich so in den Versorgungsadern des Baumes, der aushungert und abstirbt.

Und doch kommt es an irgendeinem Punkt zu einem Abklingen der Massenvermehrung. Woran das liegt, wird noch erforscht. Tatsache ist allerdings: Nicht der Borkenkäfer ist das Problem, sondern er führt uns bloß allzu deutlich vor Augen, wie ungesund Monokulturen sind. Die Frage der Borkenkäfer“bekämpfung“ ist also letztlich die einer Vorbeugung, also des Anbaus von gemischten Wäldern.

Das vollständige, sehr lesenswerte Porträt des Buchdruckers als Art des Monats im bayerischen Rote Liste-Zentrum finden Sie hier

Bildquelle: Ulrich Rüger/Pixabay.de




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