Blogpost
Dienstag, 17. Juni 2025

Scrollicon
Abendroter Himmel mit grauen Wolkenfetzen, davor schwebt eine Fledermaus
17. Juni 2025, 16:32    office@wildes-bayern.de

Wohnungsnot bei Wald-Fledermäusen


Viele heimische Fledermausarten sind eigentlich Waldbewohner. Aber was soll man tun, wenn die gewünschten „Immobilien“ vom Eigentümer nicht mehr in Schuss gehalten oder überhaupt angeboten werden? Kleinabendsegler zum Beispiel sind auf Baumhöhlen und strukturreiche Wälder angewiesen – was ihnen in forstlich genutzten Kulturen zunehmend fehlt.

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat jetzt detailliert untersucht, wie Kleinabendsegler ihre Lebensräume nutzen, und welche Tagesquartiere sie aufsuchen. Ergebnis: Eine Landflucht hat eingesetzt. Die Waldbewohner suchen vermehrt Unterschlupf in Altbaumbeständen von Siedlungen und in alten Gebäuden, wie zum Beispiel Dorfkirchen. In einer Pressemitteilung zur Studie heißt es: „Europäische Wälder werden seit Langem intensiv bewirtschaftet, was negative Folgen für viele spezialisierte Arten wie den Kleinabendsegler haben kann.“ Der Kleinabendsegler ist zwar in Deutschland weit verbreitet, seine exakten Bestandsgrößen sind aber unbekannt.

Für die Studie stattete das Forschungsteam 32 ausgewachsene Kleinabendsegler in Brandenburg mit Mini-GPS-Loggern aus. Dadurch konnten ihre Nahrungssuche, Tagesruhe und Transferflüge präzise verfolgt werden. Den Forschern war es möglich, „Analysen bis auf die Ebene einzelner Waldbaumarten sowie kleinräumiger Strukturen wie Feldgehölze, Hecken oder Baumreihen“ durchzuführen. Die Auswertung des Teams zeigt deutlich: Der Kleinabendsegler bevorzugt strukturreiche Eichenwälder als Lebensraum und meidet bestimmte Nadelwälder, darunter Fichtenwälder. Die Daten belegen auch die Nutzung von Siedlungsräumen durch die Fledermausart.

Die Wissenschaftler empfehlen zwar auch einen Erhalt dieser alternativen Siedlungsquartiere, vor allem aber sollte eine ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft praktiziert werden, die den Erhalt alter Bäume und strukturreiche Laub- und Mischwälder fördert. Nur so können Waldfledermäusen wie der Kleinabendsegler auch langfristig in den forstlich genutzten Wäldern überleben. Dazu zählen Maßnahmen wie eine schonende Holzentnahme, längere Wachstumszeiten der Bäume vor der Ernte und das Fördern von Wäldern mit unterschiedlich alten Bäumen.

Darüber hinaus sollte das Grün in unseren Siedlungen stärker als Rückzugsraum für Wildtiere wie Fledermäuse begriffen werden, meint das Forscherteam. Alte und höhlenreiche Bäume sollten nicht nur in Forstplantagen, sondern auch im Siedlungsbereich für Wildtiere wie den Kleinabendsegler erhalten bleiben.

Ein weiteres Problem sind Windkraftanlagen: Hier kommen Kleinabendsegler regelmäßig zu Tode. Die Anlagen scheinen die Fledermaus anzulocken, aber da sie auf Höhe der Rotoren fliegen, kommt es häufig zu Kollisionen. Der Ausbau der Windenergienutzung im Wald könnte die Bestandsentwicklung dieser Art negativ beeinflussen, befürchten die Wissenschaftler. Definitiv sollten keine neue Windenergieanlagen in der Nähe strukturreicher Laubwälder oder in der Nähe von Fledermausquartieren errichtet werden.

Mehr Informationen und einen Link zur Original-Studie findet Ihr hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Forschungsprojekt: Verbiss gegen Feuer und für die Vielfalt

„Sündenbock Reh“ – Film über Wild und Forst in der Mediathek

Rechtzeitig anmelden: Tagung zu Waldnaturschutz

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz

Treffpunkt Wurzelteller: Das „Marktcafé“ der Waldtiere

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Eichhörnchen – Daten sammeln und helfen!

Kreuzottern – jetzt gut darauf achtgeben!

Was bringt der Biber?

protectAlps: Schlechte Neuigkeiten für alpine Insekten

Großartiges Video über Winzlinge im Wald

Ohne Wildschweine weniger Artenvielfalt UPDATE

Wählen Sie Ihr Gartentier des Jahres!

Jetzt anmelden: Tagung Jagd & Artenschutz

Dem Bösewicht auf der Spur: Erster Waldschädling entdeckt

UPDATE Windkraft Öttinger Forst: Vortrag von Christine Miller

Podcast der Boku zu Wildtieren und Energiewende

17. Januar Amphibienschutztagung

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

Save the date: Internationale Igelkonferenz in Kopenhagen

UPDATE Gefährdete Gefährder – das Katzendilemma * PETITION

HEUTE Wildkatzen-Webinar der Wildtier Stiftung

Ausstellung in München: Invasive Arten

Buchtipp: Die Besonderheiten der Borkenkäfer

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

Wildtierschutz-Interview: gegen den Strich oder auf den Punkt?

Diese Woche neue Online-Igelvorträge von Ninja Winter

Studie: Laufkäfer brauchen Lebensräume

Die Halloween-Studie: Ratten fressen Fledermäuse * VIDEO

UPDATE Gartenschläfer – alarmierende Studie aus dem Schwarzwald






Aktuelle Informationen



Wilde Schweine alt werden lassen! Die ohnehin starke Bejagung von Wildschweinen als "Schädlinge" ist durch den Seuchenzug der Afrikanischen Schweinepest (ASP) regelrecht aus dem Ruder…

Samstag, 02. Mai 2026
Jetzt lesen
Wilde Gärten-Vortrag im Schwarzwald "Wilde" oder naturnahe Gärten werden immer wichtiger für den Erhalt der biologischen Vielfalt, weil sich hier auf kleinem Raum Arten…

Freitag, 01. Mai 2026
Jetzt lesen
Neue Igel-Infos vom Umweltministerium Auf ein allgemeines Verbot des Nachtbetriebs für Mähroboter kann sich die Politik partout nicht einigen. Jetzt hat das Bayerische Landesamt…

Donnerstag, 30. April 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden