Blogpost
Donnerstag, 09. April 2026

Scrollicon
Eine Haselmaus schaut zwischen den Stängeln von Himbeerpflanzen hervor
09. April 2026, 15:07    office@wildes-bayern.de

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz


Mäuse und andere „Geschenke“, die Katzen ihren Besitzern bringen, werfen diese meistens nur angeekelt weg. Aber ist das vielleicht eine echte Verschwendung genetischer Informationen? Die Schweiz jedenfalls forscht lebhaft an den kleinen Nagern – und verwendet die Daten zu deren Schutz.

Die Arbeitsgruppe Kleinsäuger in der Schweiz, die schon seit 2018 als Teil der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtiere existiert, hat in einem Citizen Science-Projekt Bürger vor Jahren schonmal gebeten, Totfunde von Kleinnagern einzusenden. Diese nutzten unter anderem ihre Katzen als Lieferanten. Die Kadaver wurden anschließend genetisch identifiziert. Die Ergebnisse waren üppig: Insgesamt 759 Tiere wurden untersucht, davon stammt ein Großteil aus den Fängen von Katzen. 23 Arten waren vertreten, von denen bei einigen Wissenslücken zur Verbreitung geschlossen werden konnten, wie bei der Erdmaus oder der Wasserspitzmaus.

Die Ergebnisse wurden unter anderem genutzt, um Katzenbesitzer für den Schutz von Kleinsäugern zu sensibilisieren. Im Schlussbericht heißt es: „Katzen sind hocheffiziente Jägerinnen – und sie machen keinen Unterschied zwischen geschützten und gefährdeten Arten. Zwar werden wohl Tierarten, die häufig vorkommen, häufiger erbeutet. Doch können Katzen die Populationen kleiner Säugetiere empfindlich schwächen oder gar zum lokalen Aussterben bringen. Ein wichtiger Schritt zum Schutz der Kleinsäuger ist daher die Bereitstellung von Unterlagen, wie man den eigenen Garten oder die Umgebung für Kleinsäuger – insbesondere für geschützte Arten – katzensicher gestalten kann. Dabei spielen Verstecke wie Asthaufen oder Rückzugsmöglichkeiten in Mauerspalten eine
ganz entscheidende Rolle.“

Auch in den Jahren 2021 bis 2025 wurden wieder 293 Analysen von Mäuse-Totfunden durchgeführt. Die Proben stammen von über 90 Einsendern aus 22 Kantonen und ergaben 25 verschiedene Mäusearten. Unter ihnen war die östlichste bisher gefundene Westliche Haselmaus. Außerdem landeten seltene Arten wie die Etruskerspitzmaus im Tessin oder die Kleinwühlmäuse Alpen-Kleinwühlmaus im Tessin und die Kurzohrmaus in Graubünden und Obwalden auf dem Tisch der Forscher. Die seltene Sumpfspitzmaus trat gleich in sechs verschiedenen Kantonen auf, darunter in den Voralpengebieten bei Interlaken (BE) und Steinen (SZ).

In den Projekten zur Kleinsäugerforschung ist auch das Naturmuseum Solothurn wichtiger Partner.

Weiterführende Infos zur Kleinsäugerforschung in der Schweiz finden Sie hier

Infos und Ergebnisse des Projekts „Zeig mir Deine Maus, Katze!“ finden Sie hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Ideologie managt keine Arten

Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen!

Was unsere Vögel wirklich beeinflusst

Wie Wildtiere Spurenelemente verteilen

Junge Steinadler verraten Wichtiges über Nesthocker

Käferstudie zeigt, wie sich Elternfürsorge auszahlt

Aale brauchen Lebensraum, aber vor allem Beute

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Eichhörnchen sind eine Leitart für Stadtnatur

Wölfe – nicht die Jagd bewegt sie, sondern die Beute!

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Das geheime Leben der „Solitärbienen“

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Pinguine als Schadstoff-Frühwarnsystem

Fischotter – weit mehr als ein Problemfall

Archäologie im Bartgeierbett

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Nennt es, was es ist: Schädlingsbekämpfung

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Nicht jeder Mischwald ist gut fürs Ökosystem

Ein Managementplan für Stadtbienen

Wespenspinne: Rasante Verbreitung durch Anpassung

Forschungsprojekt: Verbiss gegen Feuer und für die Vielfalt

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller






Aktuelle Informationen



Ideologie managt keine Arten Mit großer Neugier verfolgen wir vom Wilden Bayern gerade immer wieder die Geschichten von Tom Opre von den "Shepherds of…

Dienstag, 08. September 2026
Jetzt lesen
Neues Landesplanungsgesetz – nur noch die Windkraft zählt Das bayerische Wirtschaftsministerium hat den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Landesplanungsgesetzes in die öffentliche Anhörung gegeben. Dabei geht es…

Dienstag, 08. September 2026
Jetzt lesen
Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen! Es gibt immer mehr Studien, die aufzeigen, dass große Pflanzenfresser unsere Natur vielfältig und artenreich gestalten. Hier kommt eine neue,…

Dienstag, 08. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden