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Dienstag, 21. Oktober 2025

Scrollicon
Das Foto zeigt vier Bilder sehr ähnlicher kleiner Singvögel, die alle schwarz-weißes Gefieder haben.
21. Oktober 2025, 10:05    office@wildes-bayern.de

Forscher warnen: Genetische Vielfalt nicht außer Acht lassen! UPDATE


Das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) hat zusammen mit der Schweizerischen Vogelwarte untersucht, ob die genetische Vielfalt einer Art sich auf ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen auswirkt.

Das Forschungsteam nahm die evolutionäre Entstehung der Gefiederfärbung bei Steinschmätzern unter die Lupe. Dabei zeigte sich: Nahe verwandte Arten konnten sich durch den Austausch von Erbanlagen, die für die Gefiederfarbe verantwortlich sind, schnell an neue Umweltbedingungen anpassen.

Veränderungen in einem einzigen Gen im Verlauf der Evolution führten beim Balkansteinschmätzer zu einem weißen Gefieder an Kehle und Rücken.
Diese genetischen Varianten wurden anschließend durch Kreuzung an den Maurensteinschmätzer weitergegeben. In beiden Arten ersetzte schließlich die weiße Rückenfärbung die ursprüngliche schwarze. Die Kehlen zeigen heute beide Färbungen – schwarz und weiß –, was mit unterschiedlichen Nahrungsnischen der Tiere zusammenhängt. Die Ergebnisse zeigen, dass evolutionäre Innovationen oft das Ergebnis eines genetischen Mosaiks sind. Der Austausch von Erbinformationen über Artgrenzen hinweg kann genetischer Module neu kombinieren. Damit bleibt die Art flexibel und „plastisch“, wenn sich Umweltbedingungen einmal ändern.

Hier könnt Ihr die vollständige Pressemitteilung zur Genetik der Steinschmätzer nachlesen

 

Meldung vom 30. September 2025

Ein Forschungsteam des Senckenberg Forschungsinstituts, des Naturmuseums sowie der Goethe-Universität Frankfurt fordert mehr Fokus auf genetische Vielfalt im Biodiversitätsschutz. Die genetische Vielfalt – die Diversität innerhalb von Arten – sei eine entscheidende, jedoch oftmals unterschätzte Grundlage für den Schutz der biologischen Vielfalt, heben die Wissenschaftler in einer Pressemitteilung hervor.

In einer aktuellen Publikation, die unter anderem von der Senckenberg-Forscherin Deborah M. Leigh geleitet wurde, wird die zentrale Rolle genetischer Diversität für eine „naturpositive“-Zukunft betont. Darunter versteht man einen Zustand, in dem Naturverluste nicht nur gestoppt, sondern auch rückgängig gemacht werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, müsse die genetische Vielfalt bei der Erstellung von Management- und Schutzkonzepten berücksichtigt werden, so das internationale Forschungsteam.

Ohne genetische Vielfalt fehle der Natur die Fähigkeit zur Anpassung – sei es an Krankheiten, den Klimawandel oder andere Umweltveränderungen. Vielfalt sei die Grundlage für Resilienz und das langfristige Überleben von Arten – und somit auch für die Stabilität ganzer Ökosysteme.

Die Forscher warnen, dass die genetische Vielfalt trotz ihrer fundamentalen Bedeutung bislang in politischen Konzepten, Umweltberichten und wirtschaftlichen Maßnahmen oft vernachlässigt werde. Neben der Arten- und Ökosystemvielfalt sei sie die dritte und ebenso wichtige Komponente der Biodiversität. Es sei heute möglich, genetische Vielfalt kostengünstig und großflächig zu erfassen – auch mithilfe sogenannter Proxydaten, also Daten, die nur indirekt gemessen werden können.

Der 2022 auf der UN-Biodiversitätskonferenz beschlossene internationale „Kunming-Montreal-Vertrag“ besagt, dass bis 2030 messbare Verbesserungen im Zustand von Arten, Ökosystemen und natürlichen Prozessen erreicht werden müssen – mit dem Fernziel einer vollständigen Erholung bis 2050. Der dort festgehaltene „naturpositive“ Ansatz hat das Ziel, den Verlust der Natur nicht nur zu stoppen, sondern umzukehren und die biologische Vielfalt aktiv wiederherzustellen.

Dieses Ziel, wie es auch die International Union for Conservation of Nature (IUCN) definiert, geht über reinen Schutz hinaus und setzt auf die regenerative Stärkung natürlicher Systeme, um ihre Integrität, Vielfalt und Anpassungsfähigkeit langfristig zu sichern. Es sei fahrlässig, dabei die genetische Vielfalt außer Acht zu lassen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten diesen essenziellen Baustein ernst nehmen und die genetische Diversität in ihren Handlungsrahmen verankern. Ein naturpositives Ziel, das genetische Vielfalt ignoriert, läuft Gefahr, ins Leere zu laufen.


Bildquelle: Reto Burri




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