Im Jahr 2025 wurden in 15 Kantonen der Schweiz fast 1000 Rehkitze markiert. Besonders viele Markierungen fanden im Kanton Graubünden (369) und Luzern (190) statt. Die Mehrheit der Kitze befand sich in Wiesen (84 %), während der Rest in Wäldern, Feldern oder am Waldrand gefunden wurde.
Das erste Rehkitz wurde am 26. April im Kanton Luzern markiert, das letzte am 13. Juli im Kanton Graubünden. Der milde und regenreiche Winter und Frühling 2025 in der Schweiz verzögerten die Mahd, die oft erst stattfand, als die Kitze bereits mobil waren.
Das Projekt Rehkitzmarkierung Schweiz liefert mit rund 24.500 markierten Kitzen seit den 1970er Jahren wertvolle Grundlagendaten für die Forschung. Wesentliche Aussagen werden durch die Wiederfunde möglich gemacht.
2025 wurden 242 Wiederfunde gemeldet. Das älteste Reh, dessen Wiederfund bestätigt werden konnte, war zehn Jahre alt und lebte von 2015 bis 2025 im Kanton Graubünden.
Von allen gemeldeten Wiederfunden wurden die meisten Tiere erlegt (176), weitere 28 starben durch den Verkehr. Einzelne wurden gerissen oder waren krank – allerdings ist bei diesen Todesursache die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch, weil die Kadaver nicht unbedingt von Menschen entdeckt werden.
61 Tiere, die tot wiedergefunden wurden, waren erst 2025 geboren und markiert worden. Bei den Rehen, welche unter einem Alter von 30 Tagen gestorben sind, war die Mahd die Haupttodesursache. Das legt den Schluss nahe, dass das einmalige Auffinden eines Kitzes (und Retten) in einer Wiese vor der Mahd oft nicht verhindert, dass es an einem anderen Ort oder bei einem späteren Mähgang doch noch durch die Maschine zu Tode kommt.
Die seit dem Jahr 2000 gesammelten Daten zeigten, dass die Höhenlage des Markierungsorts die erwartete Abwanderungsdistanz der Rehe beeinflusst: Pro 1.000 Meter Höhenanstieg wandert ein Reh bis zu seinem Todeszeitpunkt etwa um 62 Prozent weiter von seinem Markierungsort weg. Dabei wurden nur Rehe von über einem Jahr berücksichtigt. Die Wissenschaftler vermuten, dass es mit schlechterer Nahrungsverfügbarkeit zu tun haben könnte.
Eine sehr interessante Aussage ergab auch eine Masterarbeit, die sich mit dem Liegeplatz der Kitze beschäftigte: Anhand der Bewegungsdaten von 60 Rehkitzen fand diese heraus, dass die Kitze mit größerer Wahrscheinlichkeit in flachem statt geneigtem Gelände und eher im Umkreis von ca. 100 Metern von Waldrändern liegen statt weiter weg.
In offenen Flächen liegen Kitze eher bei kühleren Temperaturen, wenig Niederschlag sowie tagsüber. Mit zunehmender Temperatur, zunehmendem Niederschlag sowie nachts steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rehkitz sich in den Wald begibt.
Die Analyse zeigt, dass die Umstände, bei denen Kitze eher in der Wiese liegen, sich stark mit den idealen Umständen für die Mahd überlappen: tagsüber, bei wenig Niederschlag und bei niedrigeren Temperaturen, wie frühmorgens.
Glaubt man der Studie, dann ist das Risiko, ein Kitz zu vermähen, theoretisch geringer, wenn eine Fläche gegen Abend gemäht wird, insbesondere bei warmen Temperaturen.
Den vollständigen Bericht „Rehkitzmarkierung Schweiz 2025“ finden Sie hier
Meldung vom 23. März 2026
Der Tiroler Jägerverband führt schon seit vielen Jahren eine Rehkitzmarkierung durch und hat so Daten von über 1.000 Wildtieren sammeln können. Gerade im Zuge der Rehkitzrettung vor der Mahd ist es ein einfacher Schritt, das Wild mit einer Ohrmarke zur Wiedererkennung zu versehen. Das darf aber nicht einfach so geschehen – in Bayern braucht es dafür einen Antrag auf einen Tierversuch. Die TU München hat in den vergangenen Jahren Rehkitze markiert und mithilfe von GPS-Sendern erforscht.
In der März-Ausgabe der „Jagd in Tirol“ ist dargestellt, welche wertvolle Daten dort in den letzten Jahren gewonnen werden konnten. Hier mal eine kurze Zusammenfassung:
Die Jäger in Österreich sind aufgerufen, weiterhin alle Erlegungen und Funde markierter Rehe an die Plattform rehkitzrettung.at zu melden. Es stellt keinen Nachteil da, wenn das Stück erlegt wurde – wichtig ist, die Daten für die Auswertung einzuspeisen.
Den vollständigen Beitrag in der Jagd in Tirol März 2026 können Sie hier ab S. 22 nachlesen.
Über die bayerische Forschung an Rehkitzen sprach Ferdinand Stehr von der TU München bei der KitzCon in München. Er hat in den Jahren 2020 bis 2023 an drei verschiedenen Orten in Bayern über 1300 Rehkitze markiert und 136 mit einem GPS-Sender versehen, um Bewegungsprofile zu erstellen und zum Beispiel die Wirkung von Wildscheuchen an ihnen zu erproben.
Zu seinen Ergebnissen zählen folgende:
An 57 besenderten Kitzen wurden zudem Versuche mit Wildscheuchen unternommen. Dabei wurden vom Plastiksack über den L.A.R.S. Wildretter bis hin zu Rauchmeldern verschiedene Formen von Wildrettern ausprobiert.
Ergebnis: durchschnittlich haben 36 Prozent der Kitze die Fläche verlassen, nachdem dort eine Wildscheuche aufgestellt wurde, es kamen aber auch welche zurück, so dass immer rund 50 Prozent in der Fläche waren. Durchschnittlich waren 20 Stunden nach Aufstellen der Scheuchen die wenigsten Kitze in der Fläche.
Einflussfaktoren waren:
Einen Überblick über die Ergebnisse finden Sie hier in einem Interview mit der Pirsch
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