Momentan dominiert der „Klimawald“ die forstlichen Zielsetzungen. Tenor: Ein gut gemischter Wald könne mehr CO2 binden und sei resistenter gegen klimabedingte Phänomene, wie Dürren oder Stürme. Aber stimmt das wirklich?
Eine Studie innerhalb des Projekts SoilForEUROPE hat festgestellt, dass man vielleicht mehr Augenmerk auf gesunde Waldböden legen sollte – und die werden von gemischten Baumarten nicht automatisch besser erreicht.
Pflanzen spielen eine zentrale Rolle für gesunde Böden: Durch abgestorbene Pflanzenteile und über ihre Wurzeln liefern sie die Energie für die Nahrungsnetze im Boden. Diese Netzwerke beruhen auf einem komplexen Zusammenspiel von Bodenorganismen wie Bakterien, Pilzen, Regenwürmern und Insekten, die organisches Material zersetzen.
Ein internationales Forschungsteam von neun europäischen Instituten hat nun untersucht, wie stark die Aktivität solcher Nahrungsnetze in Waldböden von der Art der Bäume abhängt. Die Forschenden zeigen, dass die speziellen Eigenschaften von Baumarten in Bezug darauf, wie sie Energie und Nährstoffe gewinnen und speichern, einen größeren Einfluss auf die Nahrungsnetze haben, als bislang gedacht.
Die Studie zeigt, dass allein das Mischen bestimmter Baumarten und damit eine höhere Biodiversität in den Wäldern nicht ausreicht, um funktionsfähige Böden zu erhalten. Ganz im Gegenteil: Die Effekte von Baumartenmischungen können sich ober- und unterirdisch komplett entgegenlaufen. Mehr Baumwachstum durch Mischung führt nicht zu einer höheren Funktionalität der Nahrungsnetze in Böden.
Das Team hat für seine Studie 64 Wälder in vier europäischen Ländern untersucht. Es zeigte sich, dass Wälder, die von schnell wachsenden Baumarten mit einer hohen Photosyntheseleistung, wie Birken oder Hainbuchen, dominiert werden, eine höhere Bodenaktivität aufweisen. Diese Bäume liefern der Studie zufolge nährstoffreichere organische Substanz und schaffen ein wärmeres Waldinnenklima. Das verstärkt den Stoffwechsel von Bodenorganismen, die schneller Material zersetzen, was den ganzen Nährstoffkreislauf beschleunigt.
Im Gegensatz dazu zeigten Wälder, die von langsamer wachsenden Arten dominiert werden, wie Tanne oder Kiefer, eine verringerte Bodenaktivität. Sie speisen weniger Energie und Nährstoffe in die Nahrungsnetze ein, also verläuft hier alles langsamer.
Das bloße Mischen verschiedener Baumarten verstärkte die Prozesse im Boden also nicht, sondern reduzierte sie oft sogar leicht – trotz einer erhöhten oberirdischen Produktivität der Bäume.
Laut den Forschern liefert die Studie wichtige Hinweise für die Waldbewirtschaftung: Künftig könnte es effektiver sein, Baumarten auf Grundlage ihrer funktionellen Eigenschaften gezielt einzubringen, um wichtige Ökosystemprozesse aufrechtzuerhalten.
Die vollständige Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen
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