Blogpost
Donnerstag, 21. Mai 2026

Scrollicon
Ein lichter Wald mit Jungwuchs aus Laubbäumen
21. Mai 2026, 11:25    office@wildes-bayern.de

Nicht jeder Mischwald ist gut fürs Ökosystem


Momentan dominiert der „Klimawald“ die forstlichen Zielsetzungen. Tenor: Ein gut gemischter Wald könne mehr CO2 binden und sei resistenter gegen klimabedingte Phänomene, wie Dürren oder Stürme. Aber stimmt das wirklich?

Eine Studie innerhalb des Projekts SoilForEUROPE hat festgestellt, dass man vielleicht mehr Augenmerk auf gesunde Waldböden legen sollte – und die werden von gemischten Baumarten nicht automatisch besser erreicht.

Pflanzen spielen eine zentrale Rolle für gesunde Böden: Durch abgestorbene Pflanzenteile und über ihre Wurzeln liefern sie die Energie für die Nahrungsnetze im Boden. Diese Netzwerke beruhen auf einem komplexen Zusammenspiel von Bodenorganismen wie Bakterien, Pilzen, Regenwürmern und Insekten, die organisches Material zersetzen.

Ein internationales Forschungsteam von neun europäischen Instituten hat nun untersucht, wie stark die Aktivität solcher Nahrungsnetze in Waldböden von der Art der Bäume abhängt. Die Forschenden zeigen, dass die speziellen Eigenschaften von Baumarten in Bezug darauf, wie sie Energie und Nährstoffe gewinnen und speichern, einen größeren Einfluss auf die Nahrungsnetze haben, als bislang gedacht.

Die Studie zeigt, dass allein das Mischen bestimmter Baumarten und damit eine höhere Biodiversität in den Wäldern nicht ausreicht, um funktionsfähige Böden zu erhalten. Ganz im Gegenteil: Die Effekte von Baumartenmischungen können sich ober- und unterirdisch komplett entgegenlaufen. Mehr Baumwachstum durch Mischung führt nicht zu einer höheren Funktionalität der Nahrungsnetze in Böden.

Das Team hat für seine Studie 64 Wälder in vier europäischen Ländern untersucht. Es zeigte sich, dass Wälder, die von schnell wachsenden Baumarten mit einer hohen Photosyntheseleistung, wie Birken oder Hainbuchen, dominiert werden, eine höhere Bodenaktivität aufweisen. Diese Bäume liefern der Studie zufolge nährstoffreichere organische Substanz und schaffen ein wärmeres Waldinnenklima. Das verstärkt den Stoffwechsel von Bodenorganismen, die schneller Material zersetzen, was den ganzen Nährstoffkreislauf beschleunigt.

Im Gegensatz dazu zeigten Wälder, die von langsamer wachsenden Arten dominiert werden, wie Tanne oder Kiefer, eine verringerte Bodenaktivität. Sie speisen weniger Energie und Nährstoffe in die Nahrungsnetze ein, also verläuft hier alles langsamer.

Das bloße Mischen verschiedener Baumarten verstärkte die Prozesse im Boden also nicht, sondern reduzierte sie oft sogar leicht – trotz einer erhöhten oberirdischen Produktivität der Bäume.

Laut den Forschern liefert die Studie wichtige Hinweise für die Waldbewirtschaftung: Künftig könnte es effektiver sein, Baumarten auf Grundlage ihrer funktionellen Eigenschaften gezielt einzubringen, um wichtige Ökosystemprozesse aufrechtzuerhalten.

Die vollständige Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Sand-Lebensräume für Heuschrecken pflegen

Schweizer Studie wertet langjährige Entwicklung der Insekten aus

Kleinteilige Feldnutzung steigert Artenvielfalt – Modell der Zukunft?

Lesegenuss: „Die Welt unter unseren Füßen“

Feld- und Schneehase: Wie teilen sie sich die Nahrung?

Zu wenige Städte nutzen Grün fürs Klima

Neues Landesplanungsgesetz – nur noch die Windkraft zählt

Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen!

Was unsere Vögel wirklich beeinflusst

Wie Wildtiere Spurenelemente verteilen

Junge Steinadler verraten Wichtiges über Nesthocker

Käferstudie zeigt, wie sich Elternfürsorge auszahlt

Aale brauchen Lebensraum, aber vor allem Beute

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Wir brauchen unsere Wälder nötiger denn je

Eichhörnchen sind eine Leitart für Stadtnatur

Wölfe – nicht die Jagd bewegt sie, sondern die Beute!

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

NCP – was Wildtiere für uns leisten und bedeuten

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Archäologie im Bartgeierbett

Pflanzenfresser als Faktor in Klimamodellen berücksichtigen!

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Rotwild-Genetik-Studie: Kanibers Hütchenspieler

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus






Aktuelle Informationen



Sand-Lebensräume für Heuschrecken pflegen Der folgende Bericht und die Studie stammen eigentlich aus der Lüneburger Heide. Aber: Auch in Bayern haben wir zahlreiche Sand-Lebensräume,…

Dienstag, 20. Oktober 2026
Jetzt lesen
Unser "Clown der Woche": Bernie Breitsameter Bernhard Breitsameter ist Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes – und erhält von Wildes Bayern anlässlich der Messe "Interforst" den Titel: der…

Dienstag, 20. Oktober 2026
Jetzt lesen
Naturschutzfachvorträge – online und kostenlos! Die Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) bietet im Rahmen ihres Kolloquiums im Winterhalbjahr wieder interessante Fachbeiträge zu unterschiedlichen Naturschutzthemen…

Dienstag, 20. Oktober 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden