Über die negativen Auswirkungen von künstlichem Licht in der Nacht berichten wir an dieser Stelle öfters, aber sie sind offenbar weitreichender als bisher bekannt. Eine neue Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zeigt jetzt, dass Lichtverschmutzung die Ernährung von Organismen am und im Wasser verändert und so das ganze Nahrungsnetz beeinträchtigt. Die Wirkung von Licht ist dabei sogar stärker als die von eingeschleppten invasiven Arten. Künstliche Beleuchtung kann ganze Ökosystemverbindungen verschieben.
In der Studie haben sie untersucht, wie jeweils nächtliche Beleuchtung und der invasive Signalkrebs das Fressverhalten von räuberischen Spinnen an den Ufern beeinflussen. Diese Spinnen sind wichtige Bestandteile der Nahrungsnetze an Land und ernähren sich vor allem von Insekten, die aus dem Wasser schlüpfen.
Für seine Studie nutzte das Forschungsteam eine spezielle Experimentalanlage in Landau mit 16 künstlichen Bächen und angrenzenden Uferbereichen, die miteinander verknüpfte Wasser- und Landökosysteme realitätsnah simuliert. Mithilfe von Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen, die sich besonders für die Erforschung von Nahrungsnetzen eignen, verfolgten die Forschenden den Transport von Energie und Nährstoffen zwischen den beiden Lebensräumen Wasser und Land.
Dabei zeigte sich: Während sich die Spinnen unter normalen Bedingungen stark von Organismen aus dem Wasser ernährten, fraßen sie unter nächtlicher Beleuchtung eine größere Vielfalt an Beutetieren. Auch der invasive Signalkrebs veränderte bei Lichtverschmutzung sein Fressverhalten und ernährte sich stärker von Zuckmückenlarven und kleinen Krebstieren (Gammariden). Dieser stärkere Fraßdruck auf die Zuckmückenlarven wirkt sich über den verringerten Schlupf dieser Insekten auch auf die Spinnen an Land aus. Insgesamt beeinflusste die Lichtverschmutzung die Nahrungsnetze deutlich stärker als die invasive Art.
Die Forscher halten fest, dass ihre Ergebnisse zeigen, dass Lichtverschmutzung als Umweltfaktor bislang unterschätzt wird. Eine zunehmender Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung entlang von Flussufern verändert den Energiefluss und den Nährstofftransport zwischen Wasser und Land erheblich – selbst dann, wenn weitere Stressfaktoren, wie invasive Arten, vorhanden sind.
Die Wissenschaftler fordern, dass Lichtverschmutzung deshalb stärker in Schutz- und Planungsmaßnahmen einbezogen werden sollte, um die Biodiversität an Flüssen und Bächen langfristig zu erhalten.
Die original Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen
Bildquelle: Patty Jansen
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