Über die gefährliche Ewigkeitschemikalie PFAS berichten wir hier im Blog immer wieder. Bekannt ist, dass sie sich bereits weltweit bis in die entlegensten Winkel und die Körper komplett wild lebender Tiere verbreitet hat. Aber wie wird sowas überhaupt erforscht? Eine Studie berichtet jetzt über ein Schadstoffmonitoring mithilfe von wilden Magellan-Pinguinen.
Diese Meeresvögel, die an den abgelegenen Küsten des argentinischen Patagoniens leben, wandern in ihrem Alltag zwischen den Kieselstränden und dem Atlantik hin- und her. Einige von ihnen tragen dabei nun ein ungewöhnliches Accessoire: ein weiches Silikonband am Knöchel, das sie zu einer Art Detektive mit einer wichtigen Mission macht. Diese Bänder absorbieren Spuren der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Weil diese krebserzeugend sind und sich zudem viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte lang in der Umwelt halten, ist ihre Überwachung von entscheidender Bedeutung für den globalen Naturschutz.
PFAS umfassen über 8.000 künstlich hergestellte Verbindungen, die wegen ihrer Hitze- und Wasserbeständigkeit in Produkten wie Outdoor-Kleidung oder Lebensmittelverpackungen verwendet werden. Da diese Stoffe extrem stabil sind, werden sie über Luft- und Meeresströmungen weltweit verteilt und reichern sich in der Nahrungskette an. Bei Menschen wurden sie bereits mit Immunschwächen und erhöhten Krankheitsrisiken in Verbindung gebracht. Wer mehr dazu wissen will, sollte unbedingt das wichtige Buch „Die Vergiftung der Welt lesen“, das wir hier im Blog besprochen haben.
Bisher erforderten Schadstoffuntersuchungen oft invasive Blutproben oder das Zupfen von Federn, was für Pinguine neben dem Gefangenwerden weiteren erheblichen Stress bedeutete. Die neuen Silikonbänder fungieren, einmal am Pinguin befestigt, als passive Sammler, die Chemikalien aus Wasser, Luft und Nestmaterial absorbieren, ohne das Wohlbefinden oder die Bewegung der Tiere weiter einzuschränken. In einer Pilotstudie wurden diese Bänder für zwei bis neun Tage bei 55 Pinguinen eingesetzt und anschließend im Labor analysiert. Diese Technologie ist kostengünstig, sicher und ermöglicht eine wiederholte Überwachung bedrohter Arten.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 90,7 Prozent der untersuchten Tiere Kontakt mit Schadstoffen hatten. Forscher identifizierten neun verschiedene PFAS-Verbindungen, darunter auch die in Argentinien seit 2019 verbotene PFOS (Perfluoroctansulfonsäure). Die Belastung schwankte je nach Saison und Standort, was die Dynamik der chemischen Verschmutzung verdeutlicht. Dass selbst in einer so dünn besiedelten Region wie Patagonien derart hohe Nachweisraten erzielt wurden, unterstreicht die massive globale Reichweite dieser Chemikalien.
Magellan-Pinguine fressen als Spitzenprädatoren verschiedene Fischarten, die selbst bereits mit Schadstoffen belastet sind. Durch diesen Verzehr reichern sich die giftigen Verbindungen in ihrem eigenen Gewebe an, was sie zu einem Spiegelbild der Belastung der gesamten Nahrungskette macht. Während die Vögel auf ihren Beutezügen entlegene Meeresregionen durchqueren, die für Menschen schlecht zugänglich sind, kehren sie zur Brutzeit immer wieder in ihre festen Kolonien zurück. Diese Standorttreue ermöglicht es den Wissenschaftlern, die angebrachten Silikonbänder sicher wieder einzusammeln und so Daten aus dem offenen Ozean zu bekommen. Als sogenannte „Sentinel Species“ fungieren die Pinguine wie ein als biologisches Warnsystem, dessen chemische Belastungsprofile uns extrem gute Einblicke in den ökologischen Zustand des südatlantischen Ozeans erlauben.
Aufgrund des Erfolgs soll die Methode künftig auf andere Arten, wie Kormorane, ausgeweitet werden, um auch tiefere Wasserschichten zu untersuchen. Die Studie liefert einen wichtigen Beweis dafür, dass solche passiven Sammler ein wirksames, nicht-invasives Werkzeug für den weltweiten Naturschutz sind. Letztlich ist die Botschaft der Pinguine ein dringender Appell, den Schutz unserer Ozeane vor chemischen Altlasten nachhaltig zu verstärken.
MW mit KI
Die original Studie in englischer Sprache finden Sie hier
Bildquelle: florcos/Pixabay.de
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