Blogpost
Mittwoch, 27. August 2025

Scrollicon
Ein Hai schwimmt in grünem Wasser
27. August 2025, 19:06    office@wildes-bayern.de

Smile! Fotos als Datenquelle für den Artenschutz


Wer einen Hai zu Gesicht bekommt und nicht gerade vor ihm im Wasser herum paddelt, wird sicher eins tun: Das Handy zücken und ihn fotografieren. Ihre Spektakularität könnte den großen Meeressäugern jetzt zugute kommen, indem es ihre Schutzprogramme stärkt.

Haie gehören zu den am stärksten bedrohten Meereslebewesen, doch Forschenden stehen in der Regel nicht genügend Daten für ihre Untersuchungen zur Verfügung. Obwohl die meisten Arten stark überfischt werden, sind ihre Häufigkeit, Verbreitung und Biologie nicht ausreichend bekannt. Ohne diese Informationen lassen sich Haie nur schwer bewirtschaften und schützen.

Das Forschungsteam hinter der neuen Plattform „SharkPulse“ hat ein System entwickelt, um solche Wissenslücken zu schließen. SharkPulse sammelt Haibilder und -videos aus unterschiedlichen Quellen, darunter soziale Medien, Bürgerforschungsplattformen und private Archive. Die Aufnahmen werden anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert, um die Art zu bestimmen, Orts- und Zeitangaben zu extrahieren und sie in wissenschaftliche Datensätze umzuwandeln. Ein menschliches Prüfverfahren stellt die Genauigkeit sicher, bevor die Daten in die zentrale Datenbank aufgenommen werden.

In der Anwendung werden die Informationen für Forschungs- und Schutzmaßnahmen genutzt – etwa zur Kartierung von Verbreitungsmustern, zur Identifizierung von Hotspots oder zur Schätzung von Bestandstrends.

Bis heute hat das Projekt weltweit mehr als 91.000 verifizierte Datensätze zu 285 Haiarten gesammelt – und das entspricht mehr als der Hälfte aller bekannten Hai-Arten. Die Daten ermöglichen es Forschenden, die Verbreitung der Tiere nachzuvollziehen, Schutz-Hotspots zu identifizieren und Ergebnisse mit bestehenden Quellen, wie der IUCN Rote Liste, zu vergleichen.

SharkPulse könnte sich zu einem funktionalen Überwachungssystem für Haibestände entwickeln. Mit präziseren KI-Modellen und weiteren Datenquellen wird die Plattform den Bedarf an menschlicher Überprüfung verringern und auch schwer erfassbare Arten aus entlegenen oder tiefen Meeresregionen einbeziehen können. Die Autoren schlagen zudem vor, das Modell auch auf andere bedrohte Tiergruppen, wie Meeresschildkröten, Quallen, Amphibien oder Fledermäuse anzuwenden, um eine größere Familie von „Pulse“ Plattformen zum Schutz der weltweiten Biodiversität zu schaffen.

Ob diese Arten so erfolgreich verfolgt werden können wie die eindrucksvollen Haie, muss sich dann zeigen.

UC

Die original Studienveröffentlichung findet Ihr hier

Bildquelle: G.M./Pixabay




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Feld- und Schneehase: Wie teilen sie sich die Nahrung?

Zu wenige Städte nutzen Grün fürs Klima

Ideologie managt keine Arten

Pflanzenfresser ansiedeln statt auslöschen!

Was unsere Vögel wirklich beeinflusst

Wie Wildtiere Spurenelemente verteilen

Junge Steinadler verraten Wichtiges über Nesthocker

Käferstudie zeigt, wie sich Elternfürsorge auszahlt

Aale brauchen Lebensraum, aber vor allem Beute

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Eichhörnchen sind eine Leitart für Stadtnatur

Wölfe – nicht die Jagd bewegt sie, sondern die Beute!

Entwurmungsmittel bringt Nahrungskette durcheinander

Das geheime Leben der „Solitärbienen“

Amerikanische Bisons als Blaupause für unser Wild UPDATE

Jetzt noch anmelden: 19. September Artenschutztag im Steinwald!

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Pinguine als Schadstoff-Frühwarnsystem

Fischotter – weit mehr als ein Problemfall

Igelpäppler bitte melden: „Igel in Zahlen“

Archäologie im Bartgeierbett

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Rotwild-Genetik-Studie: Kanibers Hütchenspieler

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Was kostet die KI unsere Umwelt?






Aktuelle Informationen



Glockenblumen im Garten als Augen- und Bienenweide Glockenblumen sind nicht nur zauberhaft anzuschauen, sondern ökologisch wirklich wichtig. Wer einen Garten hat, sollte sich sogar mit ein paar…

Dienstag, 15. September 2026
Jetzt lesen
18. bis 28. September: Deutschland sucht Igel und Maulwurf - macht mit! Die Aktion "Deutschland sucht Igel und Maulwurf" geht wieder los - diesmal vom 18. bis 28. September! Alle Infos dazu…

Dienstag, 15. September 2026
Jetzt lesen
Wasserkäfer: Von Profi-Tauchern und U-Booten Wer glaubt, ein Insekt mit Panzer und Flügeln könne nur über der Wasseroberfläche vorkommen, der irrt gewaltig: Es gibt auch…

Dienstag, 15. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden