Wer einen Hai zu Gesicht bekommt und nicht gerade vor ihm im Wasser herum paddelt, wird sicher eins tun: Das Handy zücken und ihn fotografieren. Ihre Spektakularität könnte den großen Meeressäugern jetzt zugute kommen, indem es ihre Schutzprogramme stärkt.
Haie gehören zu den am stärksten bedrohten Meereslebewesen, doch Forschenden stehen in der Regel nicht genügend Daten für ihre Untersuchungen zur Verfügung. Obwohl die meisten Arten stark überfischt werden, sind ihre Häufigkeit, Verbreitung und Biologie nicht ausreichend bekannt. Ohne diese Informationen lassen sich Haie nur schwer bewirtschaften und schützen.
Das Forschungsteam hinter der neuen Plattform „SharkPulse“ hat ein System entwickelt, um solche Wissenslücken zu schließen. SharkPulse sammelt Haibilder und -videos aus unterschiedlichen Quellen, darunter soziale Medien, Bürgerforschungsplattformen und private Archive. Die Aufnahmen werden anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert, um die Art zu bestimmen, Orts- und Zeitangaben zu extrahieren und sie in wissenschaftliche Datensätze umzuwandeln. Ein menschliches Prüfverfahren stellt die Genauigkeit sicher, bevor die Daten in die zentrale Datenbank aufgenommen werden.
In der Anwendung werden die Informationen für Forschungs- und Schutzmaßnahmen genutzt – etwa zur Kartierung von Verbreitungsmustern, zur Identifizierung von Hotspots oder zur Schätzung von Bestandstrends.
Bis heute hat das Projekt weltweit mehr als 91.000 verifizierte Datensätze zu 285 Haiarten gesammelt – und das entspricht mehr als der Hälfte aller bekannten Hai-Arten. Die Daten ermöglichen es Forschenden, die Verbreitung der Tiere nachzuvollziehen, Schutz-Hotspots zu identifizieren und Ergebnisse mit bestehenden Quellen, wie der IUCN Rote Liste, zu vergleichen.
SharkPulse könnte sich zu einem funktionalen Überwachungssystem für Haibestände entwickeln. Mit präziseren KI-Modellen und weiteren Datenquellen wird die Plattform den Bedarf an menschlicher Überprüfung verringern und auch schwer erfassbare Arten aus entlegenen oder tiefen Meeresregionen einbeziehen können. Die Autoren schlagen zudem vor, das Modell auch auf andere bedrohte Tiergruppen, wie Meeresschildkröten, Quallen, Amphibien oder Fledermäuse anzuwenden, um eine größere Familie von „Pulse“ Plattformen zum Schutz der weltweiten Biodiversität zu schaffen.
Ob diese Arten so erfolgreich verfolgt werden können wie die eindrucksvollen Haie, muss sich dann zeigen.
UC
Die original Studienveröffentlichung findet Ihr hier
Bildquelle: G.M./Pixabay
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