Die so genannte Bonner Konvention ist ein internationales Abkommen, das seit 1979 gezielt dem Schutz wandernder Tierarten dient. Doch offenbar wird eine Tiergruppe darin nicht ausreichend berücksichtigt: Die Süßwasserfische. Das zeigt eine Studie eines internationalen Forscherteams, zu dem auch Mitglieder des Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gehörten.
Süßwasserfische gehören laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen. Rund ein Viertel von ihnen ist laut der Roten Liste der IUCN sogar vom Aussterben bedroht. Das hat gerade erst eine weitere aktuelle Studie aufgezeigt, die Sie hier nachlesen können. Diese Studie legt ein Hauptaugenmerk auf die Ursachen. Zu diesen zählt der Lebensraumverlust, zum Beispiel dadurch, dass über ein Drittel der Flüsse weltweit nicht mehr in ihrer vollen Länge frei fließen. Doch trotz dieses erhöhten Schutzbedarfs gibt es insgesamt wenig Daten zu Süßwasserfischen, bemängeln die Autoren beider Studien. Betroffen sind laut dem IGB beispielsweise der Atlantische Lachs, der Maifisch, die Nase, der Atlantische wie auch der Europäische Stör oder das Flussneunauge – einige davon sind Namen, die wir aus den Alarmrufen unserer heimischen Fischereiverbände nur zu gut kennen.
Das IGB schreibt dazu: „Erstens fehlen umfassende Bewertungen darüber, wie viele Fischarten im Süßwasser und über nationale Grenzen hinweg wandern, um ihren Lebenszyklus zu vollenden. Zweitens sind etwa ein Drittel aller beschriebenen Süßwasserfischarten auf der Roten Liste als „Nicht bewertet“ oder „Daten unzureichend“ eingestuft. Ohne belastbare Basisdaten ist es aber schwierig festzustellen, welche Arten die Kriterien der grenzüberschreitenden Wanderung und eines schlechten Erhaltungszustands gemäß Bonner Konvention erfüllen. Drittens sind viele Länder mit grenzüberschreitenden Flusseinzugsgebieten – insbesondere in Asien und Nordamerika – keine Vertragsparteien des Abkommens. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Arten aus diesen Regionen vorgeschlagen und in die Anhänge aufgenommen werden.“
Die Wissenschaftler schlagen angesichts dieser unbefriedigenden Situation Alarm, denn für die Bestände wandernder Süßwasserfische, für die es ein Monitoring gibt, ist in den vergangenen rund 50 Jahren ein Rückgang von über 80 Prozent dokumentiert worden. Die Bonner Konvention hätte ein großes Potenzial, diese Situation vielleicht zu ändern. Davor muss allerdings ausführliche Forschung stehen, für die es die entsprechenden Mittel braucht.
Für die anstehende Konferenz der Unterzeichner der Bonner Konvention (CMS COP 15) haben die Wissenschaftler ein Dokument mit Vorschlägen für 30 Top-Prioritäten für Wanderfische, die noch in die Bonner Konvention aufgenommen werden sollten, erarbeitet. Die Vorschläge sind priorisiert aufgrund ihres Vorkommens und Wanderverhaltens über die Grenzen der Mitgliedsstaaten der Bonner Konvention hinweg sowie gemäß ihrem Gefährdungsstatus laut der Roten Liste der IUCN, wie man auf Seite 16 nachlesen kann.
Die Pressemitteilung des IGB zu der Studie können Sie hier lesen
Die original Studie zu den Süßwasserfischen in der Bonner Konvention in englischer Sprache ist (gegen Gebühr) hier erwerbbar
Die Studie der IUCN zur Gefährdung der Süßwasserfauna insgesamt können Sie hier nachlesen
Hier finden Sie das Dokument für die COP15 mit den konkreten Vorschlägen der Wissenschaftler (sehr komplex und in englischer Sprache…)
Anmerkung: Unser Aufmacherbild zeigt symbolisch einen Baltischen oder Ostsee-Stör. Diese Art ist bereits in der Bonner Konvention gelistet.
Bildquelle: Marco Prosch
Ohne Wildschweine weniger Artenvielfalt UPDATE
Soziale „Revolution“ bei Pavianen in Kenia
Schmelzendes Eis: Nicht alle Eisbären leiden gleichermaßen
Gänsestudie: Fressen ist wichtiger als fürchten
Mit eDNA seltene Fische in der Donau aufgespürt
Kühe – so viel intelligenter als gedacht * VIDEO*
Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement
Mehr Licht in der Nacht – weniger Vogelnachwuchs UPDATE
Wie schlau sind Wölfe wirklich? * VIDEO *
Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE
Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern
UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage
Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur
Neugierige Vögel könnten im Wandel besser bestehen
Studie: Laufkäfer brauchen Lebensräume
Die Halloween-Studie: Ratten fressen Fledermäuse * VIDEO
Forscher warnen: Genetische Vielfalt nicht außer Acht lassen! UPDATE
Feiern wir das Wilde nur, wenn es uns vertraut erscheint?
Neue Wildtier-Studie: Ungeahnte Schlüsselakteure der Artenvielfalt!
Plastikmüll vom Acker wandert in Vogelnester
Städtische Mauereidechsen sind toleranter
Wiederansiedlung von Luchsen in Colorado: Ein Lehrstück
Insektenschutz: Licht in der Nacht minimieren und fokussieren!
Motten suchen das Licht – was das für unsere Wälder bedeutet
Hirsche schützen heißt auch Wanderungen bewahren!
Unsichtbare Feinde im Adlerhorst
Smile! Fotos als Datenquelle für den Artenschutz
Puma-Studie könnte unserem Steinwild helfen
Schlechte Nachricht: Fungizid schädigt Spatzen
Myxomatose – die neue Bedrohung für unsere Hasen
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen