Tierseuchen werden in unserer Gesellschaft leider reflexhaft mit einem Ausdünnen oder Auslöschen der betroffenen Bestände bekämpft. Dabei gibt es viel mehr, was wir tun könnten, wie eine Studie zur Vogelgrippe jetzt zeigt. Nachdem in diesem Jahr besonders viele Kraniche der Krankheit zum Opfer gefallen sind, kommen die Erkenntnisse gerade recht.
Die Aviäre Influenza hatte in den letzten Jahren dramatische Auswirkungen auf viele Vogelarten, insbesondere Seevögel. Besonders betroffen waren Koloniebrüter wie die Flussseeschwalbe. Die Studie zeigt nun erstmals sehr genau, wie sich das Virus in einer Kolonie verbreitet und wie hier sinnvoll gegengesteuert werden kann.
Leider fehlen in der Wildtierforschung oft Daten. Nicht alle toten Tiere werden gefunden, und viele Kolonien sind schwer zugänglich, weshalb die Nachverfolgung von Viren kompliziert ist. Am Banter See bei Wilhelmshaven hatten die Forschenden jedoch Glück. Seit Jahren wird die dortige Seeschwalbenkolonie eng überwacht, tote Vögel werden täglich eingesammelt und registriert.
So ließ sich ein Modell erstellen, das berechnet, wie schnell sich die Krankheit verbreitet, wie viele Vögel sterben, und wie sich diese Dynamik über zwei Jahre verändert hat. Dies offenbarte wichtige Erkenntnisse, wie die Erkrankungen am Vogelgrippe-Virus HPAI in einer Kolonie tatsächlich verlaufen.
Es konnte berechnet werden, wie viele Tiere ein infizierter Vogel durchschnittlich ansteckt, die sogenannte Basisreproduktionszahl: 2022 steckte ein infizierter Vogel im Schnitt etwa drei bis vier andere an. 2023 waren es nur rund drei. In einer so eng zusammenlebenden Kolonie ist das Virus also extrem ansteckend.
Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Im zweiten Jahr war die Krankheit deutlich weniger tödlich. 2022 starb ungefähr jeder vierte infizierte Vogel, 2023 war es nur noch etwa jeder siebte.
Dies kann verschiedene Gründe haben. Bei einigen Vögeln könnte sich schon eine gewisse Immunität eingestellt haben. Der Virusstamm 2023 könnte zudem etwas milder gewesen sein. Auch ist es möglich, dass die Kolonie nach dem Massensterben bereits soweit verkleinert und damit weniger dicht war, dass es weniger direkte Tierkontakte und weniger schwere Krankheitsverläufe gab.
Das wichtigste Ergebnis der Studie: Die Übertragung lief fast ausschließlich direkt von Vogel zu Vogel. Das tägliche Entfernen der Kadaver war ein entscheidender Schutzfaktor, ohne den vermutlich viel mehr Vögel gestorben wären.
Für den Naturschutz bedeutet dies: Kadaverentfernung hilft und bleibt unverzichtbar.
Außerdem funktioniert „Social Distancing“ auch bei Seevögeln. Je dichter Vögel brüten, desto schneller breiten sich Krankheiten aus. Darum sollten Kolonien so gestaltet werden, dass mehr Platz pro Brutpaar entsteht. Das bedeutet nicht, dass der Bestand reduziert werden muss – erreicht werden kann das vielmehr durch zusätzliche Brutinseln, Vergrößerung bestehender Inseln und das Anbieten strukturreicher Alternativen.
Langfristig können Kolonien so widerstandsfähiger gegen Krankheitsausbrüche werden.
Die Studie verdeutlicht: HPAI verbreitet sich in Kolonien extrem effizient, jedoch können wir etwas dagegen tun. Gut organisierte Schutzmaßnahmen, ausreichend Brutplatz und konsequente Kadaverentfernung können dazu beitragen, dass Seevögel nicht erneut in solchen Dimensionen von der Vogelgrippe getroffen werden.
Zur original Studie in englischer Sprache gelangen Sie hier
Bildquelle: wasi1370 auf pixabay, cranes-4544886
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Interessant vor allem die nachfolgende Aussage: „Je dichter Vögel brüten, desto schneller breiten sich Krankheiten aus. Darum sollten Kolonien so gestaltet werden, dass mehr Platz pro Brutpaar entsteht.“ Genau das ist der Grund, warum die Vogelgrippe in der Massentierhaltung seinen Anfang nahm und einer der Gründe, warum diese Haltungsform endlich verboten werden muss. Wird nur leider in fast allen Presseberichten verschwiegen. Denn auch die meisten Medien stehen unter dem Einfluss der Agrarlobby und lobbygesteuerter Politiker. Das hunderttausendfache Keulen von Nutzgeflügel war für deren Besitzer kein Verlust. Zumindest kein finanzieller. Denn das Geflügel wurde a) zum Zeitpunkt der Mauser eliminiert, also zu einer Zeit, wo Hühner von Ende September bis Anfang Januar Legepause haben und b) wurde die Schadenshöhe pro Tier von 50 Euro auf 110 Euro hochgeschraubt. Da ist jeder Massentierhalter gut entschädigt worden. Aber auch das wurde in kaum einem Pressebericht erwähnt. Viele Geflügelhalter werden sich da ins Fäustchen gelacht haben. Dass dafür wieder mal der Steuerzahler aufkommen musste, wen interessiert das von denen.
Sehr gut beschrieben; nicht die Wildvögel sind verantwortlich für die Entstehung der Vogelgrippe, sondern die unsägliche Massentierzucht, Geflügelhsltung und Verarbeitung, bzw Verbreitung von Geflügelmist und Schlachtabfällen