Im Mai genießen wir die leuchtend gelben Felder, und über den Winter sind die Rosetten am Boden eine wichtige Nahrung für Pflanzenfresser wie Reh oder Rotwild: Raps ist eine auch ökologisch relevante Nutzpflanze in unserer Landschaft. Bei den Folgen des Anbaus auf die Natur scheiden sich aber ein bisschen die Geister: Während die einen den Nutzen für Bestäuber wie Bienen sowie für den Boden hervorheben, kritisieren die anderen zum Beispiel den hohen Spritzmittelbedarf – hier kamen bis vor wenigen Jahren sogar Neonicotinoide zum Einsatz.
Eine große französische Studie zeigt nun: Wo Rapsfelder mit Wiesen, Hecken, Raine, Altgrasstreifen und Gehölzen durchzogen sind, können sich nicht nur Bestäuber und Nützlinge ausbreiten, es profitieren auch andere Tiere, für die wir uns von Wildes Bayern tagtäglich einsetzen.
Die Studie untersuchte über mehrere Jahre hinweg 94 Rapsfelder in einer großflächigen Agrarlandschaft. Das Besondere daran: Nicht nur die üblichen Faktoren wie Ertrag und Schädlingsdruck wurden betrachtet, sondern gleich mehrere sogenannte Ökosystemfunktionen gleichzeitig gemessen, darunter Bestäubung, die natürliche Kontrolle von Schädlingen und Unkräutern, die Zersetzung organischen Materials und die Fähigkeit des Bodens, Nährstoffe bereitzustellen.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Strukturreiche Felder, die von Wiesen, Hecken, Raine und Gehölzen umgeben sind, fördern die Multifunktionalität im Anbau. In solchen Landschaften werden nicht nur mehr Bestäuber und natürliche Schädlingsbekämpfer gefunden, sondern auch die biologische Aktivität im Boden, die zum Beispiel Streu zersetzt, ist hier oft höher.
Die Studie macht sichtbar, dass bereits der Anteil dieser Strukturen in einem Radius von wenigen Hundert Metern um das Feld den Ausschlag gibt – und dass es so etwas wie ein „Zuviel“ an Monokultur, also zum Beispiel reinen Raps ohne Vielfalt, gibt: Übersteigt der Anteil der Rapsflächen im Umkreis einen Schwellenwert von etwa zehn Prozent, nehmen bestimmte Funktionen, wie Bestäubung und Schädlingskontrolle wieder ab.
Vielfältige Landschaften sind also widerstandsfähiger und bieten mehr Lebensmöglichkeiten, für Wildbienen, Laufkäfer, aber auch für Tiere wie Feldhase, Rebhuhn oder Braunkehlchen.
Zugleich wurde aber auch deutlich, dass solche positiven Effekte nicht automatisch entstehen, nur weil einzelne Maßnahmen umgesetzt werden. Die Vielfalt der Strukturen muss im Mosaik zusammenspielen, erst dann schaffen Raine, Hecken, Wiesen, Blühflächen und extensives Grünland ein Netzwerk, das Lebensräume und Wanderkorridore für Wildtiere aller Art bildet. Damit verbindet die Studie die klassischen Naturschutzziele mit den Interessen der Landwirtschaft: Wer die Felder strukturreich gestaltet, fördert Nützlinge und schafft Rückzugsorte, das ist sowohl für stabile Erträge als auch für den Erhalt unserer Wildtierarten entscheidend
Unsere bayerischen Felder und Wiesen sind mehr als nur Produktionsstätten für Nahrungsmittel, sie sind die Heimat von Wildtieren, die unser Kulturland prägen. Doch in den letzten Jahrzehnten hat die Intensivierung der Landwirtschaft in ganz Europa, auch bei uns, dazu geführt, dass Landschaften immer eintöniger werden. Große Schläge, monotone Fruchtfolgen, das Entfernen von Hecken und Brachestreifen, all das nimmt nicht nur Pflanzen und Insekten den Lebensraum, sondern auch Feldhasen, Rebhühnern, Feldlerchen und vielen anderen Wildtieren.
Was bedeuten die Studienergebnisse also für uns? Es geht darum, das Mosaik aus Äckern, Wiesen, Gehölzen und Biotopen zu bewahren und zu vernetzen und damit nicht nur einzelne Arten zu retten, sondern funktionierende Ökosysteme. Dabei sind selbst kleine Maßnahmen vor Ort entscheidend: Altgrasstreifen, Saumbepflanzungen entlang von Wegen und Wassergräben, oder der Erhalt von Streuobstwiesen werden so zu wertvollen Refugien.
Viele Maßnahmen für mehr Artenvielfalt lassen sich leicht umsetzen:
Gerade in Bayern gibt es dafür Förderprogramme wie das KULAP oder die Vertragsnaturschutzprogramme (VNP) sowie engagierte Beratungsangebote, die Landwirte bei der Anlage solcher Strukturen unterstützen. Wichtig ist allerdings, dass diese Maßnahmen längerfristig bestehen bleiben und vernetzt werden nur dann entsteht ein Biotopverbund, von dem auch wanderfreudige Arten profitieren.
EK
Hier finden Sie den Link zur original Studie in englischer Sprache
Hier finden Sie die Meldung aus GEO: Raps lenkt ab
Bildquelle: Vivienne Klimke
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