Blogpost
Montag, 17. August 2026

Scrollicon
Auf einem Holzzaun vor Bäumen sitzt ein junger, brauner Gänsegeier
17. August 2026, 16:40    office@wildes-bayern.de

Gänsegeier plünderte Storchennest – Nahrungsnot?


Das war schon gruselig: In der Nähe von Hannover hat Mitte Juni zwei Mal ein Gänsegeier ein Storchennest „überfallen“. Er hat jeweils die Elterntiere vertrieben und die Jungen gefressen – und damit sämtliche tief in Menschen verwurzelten Vorurteile gegenüber seiner Gattung bestätigt. Geier, die Todesvögel, zur Hilfe!

Tatsächlich ist das aber keineswegs so – der Vorfall wurde von Ornithologen und Biologen sofort eingeordnet: Das hier ist ein absoluter Ausnahmefall! Der Geier muss unter großem Hunger gelitten haben, und die Jungvögel waren womöglich aufgrund der Hitzephase schwach oder krank. Denn Geier sind keine Raubtiere – sie sind Aasfresser. Dazu muss es allerdings auch Aas geben, und das ist in unserer Landschaft ja kaum mal der Fall.

Die Deutsche Wildtierstiftung hat anlässlich der Vorfälle über die Geier-Gäste informiert, die Deutschland vor allem im Sommer besuchen kommen.

Die sehr informative Pressemitteilung der Deutschen Wildtierstiftung zu Geiern auf Tour finden Sie hier

 

Meldung vom 14. Juli 2026: Gänsegeier – fragil, faszinierend und verhasst

Manche Meldungen sind sehr schwer zu ertragen, zum Beispiel eine aktuelle aus Österreich, wo in den Hohen Tauern binnen weniger Wochen sieben (!) mit Carbofuran vergiftete Gänsegeier gefunden wurden. Nur einer überlebte. Carbofuran ist ein landwirtschaftliches Pestizid, das schon seit fast zwei Jahrzehnten in Europa verboten ist – doch immer und immer wieder werden damit Vögel getötet.

Im österreichischen Fall gehen die Vermutungen dahin, dass irgendwo vergiftete Köder für Aasfresser ausgelegt wurden. Ob das Gift die Greifvögel treffen sollte, die im Sommer in großer Zahl in der Region leben, oder vielleicht einen großen Beutegreifer, wie Wolf oder Bär, ist nicht klar. Geier zu töten, macht allerdings überhaupt keinen Sinn, da sie – anders als Wolf oder Bär – tatsächlich ausschließlich von Aas leben. Sie töten also keine Lämmer oder kein Jungwild.

Obwohl Gänsegeier bei uns in Bayern nicht fest vorkommen, also keine Standvögel sind, werden sie hier im Sommer immer wieder gesehen. Ein überraschender Nachweis von zwei Tieren erreichte uns in diesem Jahr sogar aus Grafenwöhr! Bis in die Oberpfalz fliegen allerdings die wenigsten der Tiere, die bis zu 2,70 Meter Spannweite haben können und damit pro Tag schon mal ein paar Hundert Kilometer zurücklegen.

Gerade am Alpenrand sind Meldungen hingegen keine Seltenheit. Bedauerlicherweise werden die zumeist jungen Vögel, die auf der Suche nach Nahrung so weite Strecken zurücklegen, bei uns hin und wieder die Opfer von Windrädern. Auch diese Meldung erreichte uns im Juni: Ein junger Gänsegeier war im Flug von einem Propeller eines Windrads bei Mindelheim getroffen worden. Der Hieb trennte ihm den Steiß und die Beine ab – der Vogel stürzte zu Boden und ging elendig ein.

Diese Schicksale sind wirklich traurig, denn Gänsegeier sind hoch faszinierende Tiere, die es in unserer Landschaft sehr schwer haben, denn totes Wild findet sich immer seltener. Und in jenen Ländern, wo noch mehr Weidevieh im Freien steht und auch mal stirbt, sorgen veterinärmedizinische Medikamente für viele Todesopfer unter Geiern. Am bekanntesten sind dabei die nichtsteroidalen Antirheumatika, also fieber- und entzündungshemmende Schmerzmittel, wie solche mit dem Wirkstoff Diclofenac.

Ihre Fortpflanzung beschränkt sich meist auf ein einziges Jungtier pro Jahr, wenn überhaupt. Die riesigen Vögel mit der „Federboa“ um die Brust und dem knapp befiederten Kopf zeigen ein sehr liebevolles Balzverhalten und kümmern sich gemeinschaftlich um ihren Nachwuchs.

Wer glaubt, solchen fragilen Kreaturen mit Gift zuleibe rücken zu müssen, hat unser tiefes Mitgefühl, er ist nämlich eine ganz arme Sau.

 

Hier finden Sie eine tolle Seite für Jugendliche mit vielen Fotos von Gänsegeiern von Gerhard Brodowski

Den Bericht über den Gänsegeier, der im Allgäu von einem Windrad erschlagen wurde, finden Sie hier

Hier berichtet eine Geier-Schutzorganisation über die sieben vergifteten Vögel in Tirol und Kärnten

Hier finden Sie einen Kommentar der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen zu dem Tod des Gänsegeiers im Allgäu

Hier finden Sie eine ausführliche Broschüre in englischer Sprache zur Rolle der NSAIDs auf Geier

Bildquelle: Danydory auf Pixabay.de




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

VLAB erreicht Ausgleich statt Ablasshandel bei Windradbau

PFAS aus Windrädern? Verband schlägt Alarm

Linktipp: Artikel über Österreichs Jagdpolitik

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Podcast der Boku zu Wildtieren und Energiewende

BaySf-Gewinnmeldung: Kasse statt Klasse

UPDATE Rappenalptal: Natur einfach machen lassen…

Windräder: Nicht nur Tropenholz und PFAS, sondern auch Mineralöl

UPDATE Windräder wider Vogelschutz: Neues Gerichtsurteil

Schlechte Nachricht: Fungizid schädigt Spatzen

UPDATE Kippen die windschwachen Standorte in Bayern? Koalition prüft

UPDATE Gams-Freihaltungen in Vorarlberg unionsrechtswidrig

Rattengift killt Nahrungsketten – geht das nicht besser?

„Tierschutz“ Austria – ein Lobbyverein für Forstinteressen?

Österreichischer Rechnungshof bitte um Vorschläge

Kommt Glyphosat aus der Waschmaschine statt vom Acker? UPDATE

Jetzt Schwarzblaue Ölkäfer entdecken!

Tag der Schakale – eine Art auf dem Vormarsch

Insektizide brauchen strengere Prüfung!






Aktuelle Informationen



Was unsere Vögel wirklich beeinflusst Im Oktober 2025 erschien die letzte aktuelle Bestandssituation der Vögel in Deutschland. Dabei zeigte sich kein einheitliches Bild: Während Alpenstrandläufer (-84…

Montag, 07. September 2026
Jetzt lesen
UPDATE Glückwunsch an die Gewinner – Ausstellung Bergbauern Die Gewinner unserer Verlosung stehen fest! Das große Foto-Buch über die Bergbauern geht an Beate S. aus Oberschleißheim, zwei Eintrittskarten…

Montag, 07. September 2026
Jetzt lesen
"Rinder-Virus"? Welche Erkrankungen unsere Wildtiere bedrohen Dieser Tage ist es in allen Zeitungen: Kühe und andere Nutztiere werden von einem neuen Virus befallen, dem sogenannten Shamonda-Virus.…

Freitag, 04. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden