Blogpost
Freitag, 23. Mai 2025

Scrollicon
Ein Gewässer im Grünen
23. Mai 2025, 17:12    Christine Miller

Kommt Glyphosat aus der Waschmaschine statt vom Acker? UPDATE


Schon im Februar haben wir von einer spannenden Studie berichtet, durch die nachgewiesen wurde, dass aus gewissen Waschmittelkomponenten in der Kläranlage und letztlich in unseren Flüssen Glyphosat entsteht. Die Forscher sind natürlich weiter dran, die Hintergründe aufzudecken – und haben jetzt das Mangan, zum Beispiel aus Bodensedimenten, als einen wichtigen Treiber dieser unseligen Reaktion entlarvt.

Den aktuellen Forschungsstand könnt Ihr hier nachlesen

 

Meldung vom 6. Februar 2025

Chemiker aus Tübingen haben über Glyphosat in Gewässern geforscht und Überraschendes herausgefunden, das unser Bild des typischen Gifts aus der Landwirtschaft auf den Kopf stellen könnte.

Denn sie haben festgestellt, dass das Auftreten von Glyphosat in Gewässern und ihren Sedimenten nicht wirklich dazu passt, wann das Gift auf den Äckern ausgebracht und dann in die Gewässer eingespült wird. In der Landwirtschaft gibt es Phasen von hohem Eintrag an Pestiziden, doch Glyphosat ist auch in der restlichen Zeit in gleichem Maße nachweisbar.

Außerdem passt auch das Verhältnis eines Glyphosat-Abbauprodukts, genannt AMPA (Aminomethylphosphonsäure) zum Glyphosat selbst nicht. Akribisch verfolgten die Chemiker daraufhin die Spuren der Gifte. Sie beprobten Gewässer und Sedimente bis in große Tiefen. So stellten sie zum Beispiel fest, dass schon in den 1960er Jahren Glyphosat in den Flüssen war – zu einem Zeitpunkt, als es als Herbizid noch gar nicht zugelassen war.

Immer wieder standen die Forscher vor der Frage: Wie kann das sein, wie kommt das Glyphosat da hin? In einem Artikel in der Zeitschrift „Attempto!“ schreibt Prof. Huhn: „Was, wenn das Glyphosat immer da ist, weil es ständig neu gebildet wird? Gemeinsam mit seinem Abbauprodukt AMPA aus einem gemeinsamen Vorläufer? Für eine Chemikerin ein logischer Gedanke. Ich erinnere mich nun auch an Studien, die für AMPA eine andere Quelle kennen: Aminopolyphosphonate, die unter anderem in Waschmitteln genutzt werden. Könnte daraus auch Glyphosat entstehen? Chemisch verwandt sind sie.“

Letztlich führt die Spur die Wissenschaftler tatsächlich zu DTPMP, einem Phosphat wie Glyphosat, das heute in Wasch- und Reinigungsmitteln im Haushalt und in der industriellen Reinigung eingesetzt, aber auch in der Textil- und Papierindustrie und der Trinkwassergewinnung. Ausgelöst von gewissen anderen Stoffen in Kläranlagen, wird DTPMP offenbar dort zu Glyphosat und AMPA umgewandelt und dann in die Gewässer eingeleitet.

„Das große Bild wird sichtbar, die Lücken werden wir hoffentlich in den nächsten Jahren schließen“, schreibt Prof. Huhn. „Und wir sind gespannt, wie Bürger, Politik und Industrie reagieren werden.“

Die gesamte spannende Spurensuche nach der Herkunft von Glyphosat in unseren Flüssen und Flusssedimenten findet Ihr hier zum Nachlesen

Die original Studie in englischer Sprache findet Ihr hier

 

Bildquelle: Wildes Bayern




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

UPDATE PFAS – Buchtipp „Die Vergiftung der Welt“

Diese Fische brauchen den Schutz der Bonner Konvention!

Buchtipp: Spannender Einblick ins komplexe Wesen des Huhns

Wie Pflanzenschutzmittel das Leben im Boden schädigen

Silvesterböller – und die Rechnung zahlt der Fluss…

Erstmals Vogelgrippe bei Kuh in Europa entdeckt

Kühe – so viel intelligenter als gedacht * VIDEO*

Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement

Mehr Licht in der Nacht – weniger Vogelnachwuchs UPDATE

Wie schlau sind Wölfe wirklich? * VIDEO *

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern

UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

Neugierige Vögel könnten im Wandel besser bestehen

Studie: Laufkäfer brauchen Lebensräume

Die Halloween-Studie: Ratten fressen Fledermäuse * VIDEO

UPDATE – EU verabschiedet Bodenüberwachungsgesetz

Das Geheimnis um den ausgestorbenen Nerz

Forscher warnen: Genetische Vielfalt nicht außer Acht lassen! UPDATE

Feiern wir das Wilde nur, wenn es uns vertraut erscheint?

Fischzustandsbericht und Preis für renaturierte Gewässer UPDATE

Insekten brauchen mehr und verlässliche Lebensräume

Neue Wildtier-Studie: Ungeahnte Schlüsselakteure der Artenvielfalt!

Plastikmüll vom Acker wandert in Vogelnester

Städtische Mauereidechsen sind toleranter

Essay: Vier Punkte für eine bessere Wolfs- und Raubtierpolitik

Beetle-Banks – förderfähige Superlebensräume im Feld

Wiederansiedlung von Luchsen in Colorado: Ein Lehrstück

Neues Forschungsprojekt: KI versus Krähe






Aktuelle Informationen



Plotthounds hetzen Wildschwein - Behörden ermitteln UPDATE Noch am Freitag haben wir Anzeige im Fall der von Hunden gehetzten Sau eingereicht. Wir bitten die Staatsanwaltschaft Würzburg darin,…

Montag, 16. Februar 2026
Jetzt lesen
24. Februar - ein Stündchen Webinar über den Hirsch Die Deutsche Wildtier Stiftung lädt am 24. Februar 2026 von 18 bis 19 Uhr zu einem Webinar über den Rothirsch…

Samstag, 14. Februar 2026
Jetzt lesen
"Rehfriedhof" im Wald bei Anger entdeckt In der Jagdgenossenschaft Högl bei Anger, von der wir in den letzten Tagen schon berichtet haben, tut sich ein großes…

Donnerstag, 12. Februar 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden