Nicht nur Bachforellen – auch Fische in Stillgewässern brauchen vor allem gute Lebensräume! Das sagt auch der Fischerei-Forscher Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Die Neue Zürcher Zeitung hat gerade einen Bericht über seine Studie gemacht, in der er erforscht, wie sich Angeln und das Wieder-Zurücksetzen von Fischen auf deren Verhalten auswirkt.
Aber noch bevor er hierzu eine klare Aussage treffen kann, steht eine Tatsache schon fest: Wer Fischen wirklich helfen will, setzt nicht Jungfische aus, sondern schafft ihnen bessere Bedingungen im Gewässer, etwa durch Totholz oder Flachwasserzonen in Seen. «Wir wissen, dass so etwas mehr als nur den Fischen hilft», wird der Forscher in der NZZ zitiert. «Insbesondere Flachwasserzonen steigern die gesamte Biodiversität.»
Arlinghaus zeigt darüber hinaus weitere Schwächen im Gewässermanagement auf, die wir auch vom bejagdbaren Wild kennen: Stimmt die Zahl nicht, von der ich als Grundbestand ausgehe, dann bewirken meine Eingriffe völlig unkalkulierbare Folgen.
Für die ausgesetzten Fischchen sieht er ein weiteres Problem: Sie sind genetisch vielleicht nicht ausreichend an den neuen Ort angepasst. Je spezialiserter eine Art an einem Standort ist, desto weniger erfolgreich ist es, sie an einem anderen auszusetzen.
Den lesenswerten Beitrag in der NZZ über Umweltschutz im Fischereimanagement finden Sie hier
Meldung vom 11. März 2026
Die Bachforelle ist einer der bekanntesten Fische unserer Bäche und Flüsse. Mit ihrer klaren Eleganz und den typischen roten Punkten ist sie für viele ein Symbol intakter Gewässer. Doch in vielen Regionen Europas sind ihre Bestände seit Jahrzehnten rückläufig. Die Gründe dafür sind vielfältig: verschmutztes Wasser, verbaute Flüsse, steigende Temperaturen oder Krankheiten.
Was kann helfen, die Populationen der Forellen zu stabilisieren? Mehr Besatzfische aus der Zucht? Oder bessere Lebensräume?
Eine Langzeitstudie aus der Schweiz liefert dazu spannende Antworten. Die Forschenden untersuchten über einen Zeitraum von 25 Jahren eine Forellenpopulation im Bach Boiron de Morges, einem Zufluss des Genfersees. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll: Für gesunde Fischbestände ist etwas anderes entscheidender als Besatz.
Der Boiron de Morges ist ein rund 17 Kilometer langer Bach, der aus dem Juragebiet in den Genfersee fließt. Seit 1997 wird die Population der Bachforelle dort regelmäßig untersucht – zweimal jährlich mittels Elektrobefischung. Insgesamt wurden über die Jahre mehr als 52.000 Forellen erfasst.
Das Besondere: In dieser Zeit wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die den Bach ökologisch verbessern sollten. Dazu gehörten unter anderem:
– der Bau von Fischtreppen,
– Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und
– Habitatstrukturen, wie Totholz im Bach
– Darüber hinaus wurde im Jahr 1999 der Forellenbesatz eingestellt.
Damit bot der Bach eine ideale Gelegenheit, um herauszufinden, welche Faktoren tatsächlich Einfluss auf die Entwicklung einer Forellenpopulation haben.
Traditionell werden viele Fischbestände durch Besatzmaßnahmen gestützt. Dabei werden gezüchtete Jungfische in Gewässern ausgesetzt, um den Bestand zu erhöhen. Im untersuchten Bach zeigte sich jedoch, dass der Besatz keinen messbaren Effekt auf die Forellendichte hatte. Die Zahl junger Forellen unterschied sich statistisch nicht zwischen Jahren mit und ohne Besatz.
Mit anderen Worten: Mehr eingesetzte Fische führten nicht automatisch zu mehr Forellen im Bach.
Dies bestätigt eine in der Fischereibiologie zunehmend verbreitete Erkenntnis: Sind die Lebensbedingungen schlecht, helfen auch zusätzliche Fische wenig
Im Jahr 2011 kam es im Boiron zu mehreren Verschmutzungsereignissen, durch die die Forellenbestände fast vollständig zusammenbrachen. In manchen Abschnitten sank die Dichte nahezu auf null. Doch die Erholung verlief erstaunlich schnell: In Bereichen, die für wandernde Forellen erreichbar waren, stiegen die Bestände bereits innerhalb weniger Monate wieder stark an. In Abschnitten oberhalb von Wanderhindernissen dauerte die Erholung dagegen etwa zwei Jahre länger.
Der Grund dafür war, dass Forellen aus dem Genfersee in erreichbare Abschnitte einwandern und dort für Nachwuchs sorgen konnten.
Damit kommen wir zu einem zentralen Ergebnis der Studie: Die Möglichkeit zu wandern ist für Forellen von enormer Bedeutung.
Früher konnten sie aus dem Genfersee nur rund 390 Meter weit in den Bach aufsteigen, bevor sie auf ein unüberwindbares Hindernis trafen. Erst durch den Bau mehrerer Fischtreppen wurde der Bach wieder auf längeren Strecken passierbar. Nachdem die Durchgängigkeit wiederhergestellt wurde, konnten wandernde Forellen ihre Laichgebiete erreichen und somit zur natürlichen Erholung der Population beitragen.
Kurz gesagt: Wenn Fische wandern können, ist schonmal ein großer Schritt getan.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die Verbesserung der Wasserqualität. In den 1990er-Jahren war der Bach teilweise stark belastet, unter anderem durch Einträge aus der Landwirtschaft und Abwässer. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, etwa:
– bessere Abwasserbehandlung
– geringerer Pestizideinsatz
Die Wasserqualität verbesserte sich dadurch deutlich – an einigen Messstellen sogar um zwei Qualitätsstufen. Davon profitierten nicht nur die Forellen, sondern das gesamte Gewässerökosystem.
Auch scheinbar kleine Maßnahmen können Wirkung zeigen. So wurden beispielsweise umgestürzte Bäume und Holzstrukturen im Bach belassen oder gezielt eingebracht. Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass viele Forellen diese Strukturen als Unterstände und Rückzugsorte nutzten. Für Fische sind solche Strukturen ähnlich wichtig wie Hecken oder Totholz für Tiere an Land: Sie bieten Schutz und Ruheplätze sowie gute Jagdmöglichkeiten.
Die wichtigste Erkenntnis der Studie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Gesunde Flüsse sind wichtiger als zusätzliche Fische.
Die langfristigen Daten zeigen, dass sich Forellenbestände vor allem dann stabilisieren, wenn
Zwar kann Besatz kurzfristig für zusätzliche Fische sorgen. Doch nachhaltige Bestände entstehen vor allem dort, wo die natürlichen Lebensbedingungen stimmen. Oder, etwas weniger wissenschaftlich formuliert: Wenn ein Bach wieder sauber fließt, genügend Verstecke bietet und Forellen ungehindert wandern können, erledigt die Natur den Rest oft ganz von selbst.
Und genau das ist vermutlich die beste Nachricht für den Naturschutz.
JW und KI
Die vollständige Studie in englischer Sprache können Sie hier herunterladen
Bildquelle: Ralph auf Pixabay, Ludwig Fegg
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Der Artikel / die Untersuchung bringt es auf den Punkt: Der Lebensraum ist entscheidend.
Durchlässige Bäche ohne Verbauungen, Totholz, diverse Bodenstrukturen, gute Unterstände, Laubbäume und Sträucher am Ufer. So können Forellen leben und überleben.
Wie sahen unsere Bäche vor 50 Jahren aus? Ja, stimmt vielfach ganz anders, sie hatten genau das was zuvor beschrieben steht. Leider gab es damals bereits auch Verbauungen, Wehre etc.
Doch heute haben wir vielfach dazu noch schnelle, gerade Bachläufe. Alles menschengemacht.
Auch für die Forellen wünsche ich mir die Partei: LFA!
Wenn/Wen es wirklich interessiert, Sie finden die Erklärung dazu in einem der Vorartikel in einem Kommentar von mir.
05. März 2026, 08:48 office@wildes-bayern.de
ROTWILD RETTEN? – DIE MEHRHEITS-POLITIKER IM BUNDESTAG SAGEN NEIN!
Es geht immer in die gleiche Richtung – das wahre Problem sind wir Menschen. Leider!