Blogpost
Montag, 21. Juli 2025

Scrollicon
Befestigtes Ufer eines Flusses mit Schiffspolder und einer Trauerweide
21. Juli 2025, 10:08    office@wildes-bayern.de

Was macht einen Fluss zur Lebensader für Zugvögel?


Flüsse ziehen sich wie Lebensadern durch die Landschaft. Eine neue Studie zeigt, dass Millionen von Zugvögeln auf ihrer Reise zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten darauf angewiesen sind, und welche Ansprüche sie genau haben. Das hat unmittelbare Bedeutung für unseren Umgang mit den Gewässern.

Ein Forschungsteam unter Leitung des Ornithologen Markus Randler hat untersucht, welche geografischen und ökologischen Bedingungen dafür sorgen, dass bestimmte Flusssysteme besonders wichtig für Zugvögel sind, und wo sie lieber nicht rasten. Die Grundlage: Beobachtungsdaten von fast 620.000 Vögeln aus 127 Arten, die an 57 Flussabschnitten in 26 Ländern entlang ihrer Zugrouten erfasst wurden.

Die Ergebnisse machen deutlich: Nicht jeder Fluss ist gleich wichtig für die Vogelwelt, und nicht jeder ist ein sicherer Hafen.

Entscheidend ist zum Beispiel die Lage. Je weiter nördlich ein Fluss liegt, desto mehr Vogelarten nutzen ihn auf dem Zug, speziell breite, flache Flüsse in Russland und Skandinavien bieten vielen Arten ideale Bedingungen zum Rasten und Auftanken.

Auch die Höhe spielt eine Rolle: Hoch gelegene Gewässer werden seltener genutzt, wahrscheinlich, weil sie kälter sind und weniger Nahrungsressourcen bieten.

Besonders wichtig ist aber die Umgebung der Flüsse: Je natürlicher die Flusslandschaft, desto mehr Arten finden sich dort ein. Große Flüsse mit wenig Uferverbauung, ohne urbane Störungen und mit angrenzenden Feuchtgebieten ziehen besonders viele Vögel an. Vögel mögen es ruhig, übersichtlich und vielfältig.

Limikolen, also Watvögel wie Kiebitze, Uferschnepfen oder Brachvögel, benötigen offene, unbebaute Ufer mit Schlickflächen, in denen sie nach Nahrung stochern können. Tauchenten halten sich bevorzugt in tiefen, breiten Flussabschnitten mit genügend Wasserfläche auf.

Problematisch wird es dort, wo Flüsse stark vom Menschen verändert wurden. Gewässer, die durch Siedlungen fließen oder von landwirtschaftlicher Nutzung umgeben sind, werden weniger angeflogen, oft sogar ganz gemieden. Für die Tiere, die weite Strecken fliegen und auf verlässliche Rastplätze angewiesen sind, können solche Ausfälle lebensbedrohlich sein. Denn fehlen sichere Zwischenstopps, leidet ihr Energiehaushalt – Brut- und Überlebensraten sinken.

Die Studie macht daher klar, dass der Schutz von Flüssen nicht nur im Sinne von Hochwasserschutz oder Naherholung gedacht werden darf. Naturnahe Flusslandschaften sind zentrale Trittsteine im globalen Netzwerk der Vogelmigration. Wer sie erhält oder wiederherstellt, leistet aktiven Artenschutz über Landesgrenzen hinweg, nicht nur für die Vogelwelt, sondern für die Biodiversität insgesamt.

Denn Flüsse kennen keine Grenzen und Zugvögel genauso wenig. Ein Brachvogel, der im Frühling an der Elbe Rast macht, könnte im nächsten Monat bereits in Kasachstan brüten. Den Flüssen entlang zu helfen, heißt also auch den Vogelzug in seiner Gesamtheit zu sichern.

Die original Studie könnt Ihr hier in englischer Sprache nachlesen

 

 

 

Bildquelle: privat




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen…

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

UPDATE Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Wer einen Vogel hat, ist klarer im Kopf

Archäologie im Bartgeierbett

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Rotwild-Genetik-Studie: Kanibers Hütchenspieler

Was Hitze mit dem Lebensraum See macht

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Zum Tag der Wanderfische: Mehr Schutz durch die Bonner Konvention!

Nicht jeder Mischwald ist gut fürs Ökosystem

Neue Kinderkarte: Die Welt erkunden anhand ihrer Wale

Auen und Weidetiere – eine fruchtbare Symbiose

Videotipp: Der Bach, der Wald – und der Filmer Jan Haft

Ein Managementplan für Stadtbienen

Wespenspinne: Rasante Verbreitung durch Anpassung

Forschungsprojekt: Verbiss gegen Feuer und für die Vielfalt

US-Studie zur Nutztierhaltung: Keiner will das

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Junge Rotmilane mögen Schlaf-WGs

Biber – die besten Helfer der Biodiversität

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Der Lebensraum ist alles! UPDATE Fischmanagement

Was bringt der Biber?






Aktuelle Informationen



Ausstellungstipp: Facettenreiche Insekten in Darmstadt Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt hat die Ausstellung »Facettenreiche Insekten. Vielfalt / Gefährdung / Schutz« eröffnet, die noch bis Ende Januar…

Dienstag, 18. August 2026
Jetzt lesen
Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen... In einer neuen Studie haben Forschende unter Beteiligung der Vogelwarte Sempach die Zugrouten von Braunkehlchen zwischen den französischen Alpen und…

Dienstag, 18. August 2026
Jetzt lesen
Bairache: Naturfrevel in Kreuth erfordert Konsequenzen! Die Gemeinde Kreuth hat - während der Balz- und Brutzeit 2026 - einen Single-Trail von der Bayralm nach Süden zum…

Dienstag, 18. August 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden