Flüsse ziehen sich wie Lebensadern durch die Landschaft. Eine neue Studie zeigt, dass Millionen von Zugvögeln auf ihrer Reise zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten darauf angewiesen sind, und welche Ansprüche sie genau haben. Das hat unmittelbare Bedeutung für unseren Umgang mit den Gewässern.
Ein Forschungsteam unter Leitung des Ornithologen Markus Randler hat untersucht, welche geografischen und ökologischen Bedingungen dafür sorgen, dass bestimmte Flusssysteme besonders wichtig für Zugvögel sind, und wo sie lieber nicht rasten. Die Grundlage: Beobachtungsdaten von fast 620.000 Vögeln aus 127 Arten, die an 57 Flussabschnitten in 26 Ländern entlang ihrer Zugrouten erfasst wurden.
Die Ergebnisse machen deutlich: Nicht jeder Fluss ist gleich wichtig für die Vogelwelt, und nicht jeder ist ein sicherer Hafen.
Entscheidend ist zum Beispiel die Lage. Je weiter nördlich ein Fluss liegt, desto mehr Vogelarten nutzen ihn auf dem Zug, speziell breite, flache Flüsse in Russland und Skandinavien bieten vielen Arten ideale Bedingungen zum Rasten und Auftanken.
Auch die Höhe spielt eine Rolle: Hoch gelegene Gewässer werden seltener genutzt, wahrscheinlich, weil sie kälter sind und weniger Nahrungsressourcen bieten.
Besonders wichtig ist aber die Umgebung der Flüsse: Je natürlicher die Flusslandschaft, desto mehr Arten finden sich dort ein. Große Flüsse mit wenig Uferverbauung, ohne urbane Störungen und mit angrenzenden Feuchtgebieten ziehen besonders viele Vögel an. Vögel mögen es ruhig, übersichtlich und vielfältig.
Limikolen, also Watvögel wie Kiebitze, Uferschnepfen oder Brachvögel, benötigen offene, unbebaute Ufer mit Schlickflächen, in denen sie nach Nahrung stochern können. Tauchenten halten sich bevorzugt in tiefen, breiten Flussabschnitten mit genügend Wasserfläche auf.
Problematisch wird es dort, wo Flüsse stark vom Menschen verändert wurden. Gewässer, die durch Siedlungen fließen oder von landwirtschaftlicher Nutzung umgeben sind, werden weniger angeflogen, oft sogar ganz gemieden. Für die Tiere, die weite Strecken fliegen und auf verlässliche Rastplätze angewiesen sind, können solche Ausfälle lebensbedrohlich sein. Denn fehlen sichere Zwischenstopps, leidet ihr Energiehaushalt – Brut- und Überlebensraten sinken.
Die Studie macht daher klar, dass der Schutz von Flüssen nicht nur im Sinne von Hochwasserschutz oder Naherholung gedacht werden darf. Naturnahe Flusslandschaften sind zentrale Trittsteine im globalen Netzwerk der Vogelmigration. Wer sie erhält oder wiederherstellt, leistet aktiven Artenschutz über Landesgrenzen hinweg, nicht nur für die Vogelwelt, sondern für die Biodiversität insgesamt.
Denn Flüsse kennen keine Grenzen und Zugvögel genauso wenig. Ein Brachvogel, der im Frühling an der Elbe Rast macht, könnte im nächsten Monat bereits in Kasachstan brüten. Den Flüssen entlang zu helfen, heißt also auch den Vogelzug in seiner Gesamtheit zu sichern.
Die original Studie könnt Ihr hier in englischer Sprache nachlesen
Bildquelle: privat
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